Krise der FDP NRW-Landeschef Höne will FDP-Bundesvorsitzender werden

dpa
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Von dpa
| 26.03.2026 12:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
NRW-FDP-Chef Henning Höne gab bekannt, dass er als Bundesvorsitzender der Partei kandidiert. Foto: Christoph Reichwein
NRW-FDP-Chef Henning Höne gab bekannt, dass er als Bundesvorsitzender der Partei kandidiert. Foto: Christoph Reichwein
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Führungsdebatte bei der FDP: Der bundesweit kaum bekannte NRW-Landeschef Höne will die Bundespartei anführen - und zwar allein. Damit fordert er Parteichef Dürr heraus.

Der nordrhein-westfälische FDP-Landes- und Fraktionsvorsitzende Henning Höne will für den Bundesvorsitz kandidieren und fordert damit Parteichef Christian Dürr heraus. In einem Video auf der Plattform X übte der 39-Jährige massive Kritik am aktuellen Zustand der FDP. Die Partei habe Wahlen und Vertrauen verloren, sagte Höne, der seit 2025 stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender ist. Nach dem Bruch der Ampel-Regierung in Berlin habe die FDP ein Jahr vertan, um ein neues und modernes Angebot zu etablieren. „Schaffen wir einen personellen Neuanfang.“ 

In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklärte Höne, dass er allein für den Bundesvorsitz antreten wolle. „Mein Angebot ist eines, das ich allein mache“, sagte er. Die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die sich zunächst für eine Führungsrolle in einer FDP-Doppelspitze bereit erklärt hatte, erklärte ihre Unterstützung für Hönes Einzelbewerbung.

Strack-Zimmermann unterstützt Höne

„Seine Kandidatur hat meine volle Unterstützung“, sagte Strack-Zimmermann dem „Spiegel“ und später auch auf X. Höne sei „ein ebenso junger wie erfahrener Vorsitzender des stärksten FDP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen“. Strack-Zimmermann hatte Höne zuvor als geeigneten Partner in einer Doppelspitze bezeichnet. 

Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann unterstützt Henning Höne. (Archivbild) Foto: Sven Hoppe
Die FDP-Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann unterstützt Henning Höne. (Archivbild) Foto: Sven Hoppe

Nach vielen Gesprächen sei aber nicht davon auszugehen, dass sich die für eine Doppelspitze erforderliche Zweidrittelmehrheit in der Partei aktuell finde, erklärte Strack-Zimmermann. Eine Solo-Kandidatur sei aufgrund ihrer Aufgabe als Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europaparlament nicht möglich. „Die Entscheidung von Henning Höne ist daher folgerichtig und erfreulich.“

Der bundesweit wenig bekannte Höne sagte in der „FAZ“, er wolle ein starkes Team einbinden: „Ich freue mich, wenn auch andere Persönlichkeiten sich weiterhin stark einbringen“, so Höne. „Wir brauchen Marie-Agnes Strack-Zimmermann, wir brauchen Wolfgang Kubicki und viele andere.“ 

Strack-Zimmermann schrieb auf X, dass sie sich im Präsidium der FDP auch in Zukunft mit gewohnt starkem Engagement einbringen werde. Jetzt brauche es die ganze programmatische und personelle Bandbreite der Partei, um die FDP erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr will Parteichef bleiben. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa
Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr will Parteichef bleiben. (Archivbild) Foto: Michael Kappeler/dpa

Kampfkandidatur zwischen Dürr und Höne?

In der FDP ist seit den Wahlschlappen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eine Führungsdebatte entbrannt. Der Bundesvorstand hatte beschlossen, beim Parteitag Ende Mai geschlossen zurückzutreten. Parteichef Dürr kündigte darauf an, wieder zu kandidieren. Er hält auch daran fest: “Ich liefere hier ein anderes Angebot für eine FDP als optimistische Reformkraft mit klar marktwirtschaftlichem Kurs„, sagte er dem „Spiegel“. Damit dürfte es zu einer Kampfkandidatur zwischen Höne und Dürr kommen.

„Wer glaubt, ein Wechsel bei Person oder Ton reiche aus, der hat die Lage nicht verstanden“, sagte Höne auf X. „Unser Fundament ist in Gefahr. Die FDP wird aktuell nicht vermisst. Um das zu ändern, brauchen wir einen klaren Kompass.“ 

In der „FAZ“ sagte Höne: „Die FDP braucht eine spürbare Strategie und nicht nur einen neuen Anstrich.“ Ein Neuanfang bedeute auch neue Köpfe und die Einsicht, dass man sich ein neues Profil erarbeiten müsse. 

Vor Journalisten sagte Höne später, die FDP sei in der Regierungsverantwortung der Ampel ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Und die Partei habe das Jahr nach ihrem gescheiterten Wiedereinzug in den Bundestag nicht genutzt, um sich zu erneuern und Abstand zur Ampel zu erlangen. 

Deutschland brauche auch angesichts der Weltlage dringend Reformen, sagte Höne. „Ohne wirtschaftliche Stärke können wir unsere Freiheit nicht verteidigen.“ Die FDP brauche wieder eine Strategie mit einer langfristigen Erzählung aus eigener Stärke heraus „und kein tagespolitisches Klein-Klein“, erklärte er. „Da sind wir auch außerparlamentarisch in Berlin gar nicht gefragt.“ 

FDP hat schweren Stand auch in NRW 

Höne war nach der Schlappe der FDP bei der NRW-Landtagswahl 2022 und dem Verlust der Regierungsbeteiligung der Liberalen im Januar 2023 zum Landesparteichef gewählt worden. Er steht auch an der Spitze der Landtagsfraktion in Düsseldorf. Der studierte Betriebswirt will nach eigenen Angaben bei einem Landesparteitag in Duisburg am 18. April auch erneut für den Landesvorsitz kandidieren. 

Anfang 2023 hatte Höne - noch unter dem Eindruck der FDP-Schlappe bei der NRW-Landtagswahl - nur gut 54 Prozent Zustimmung als neuer Landeschef bekommen, 2024 wurde er dann mit fast 79 Prozent im Amt bestätigt. 

Auch in NRW muss die FDP Umfragen zufolge um ihren Wiedereinzug in den Landtag bei der Landtagswahl im April 2027 bangen. Bei der NRW-Wahl 2022 hatten die Freidemokraten ihr Ergebnis auf 5,9 Prozent halbiert und die damalige Regierungsbeteiligung eingebüßt.

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