Osnabrück  VfL Osnabrück: Keine Tickets mehr für Spiel in Duisburg? Doch - wenn man „neutral“ bleibt

Benjamin Kraus
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Von Benjamin Kraus
| 28.03.2026 15:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Osnabrücker Fans beim MSV Duisburg während der Partie am 28.01.2023 in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg. Damals war der Gästebereich noch größer - nun fällt der Block rechts im Bild weg. Foto: imago/osnapix
Die Osnabrücker Fans beim MSV Duisburg während der Partie am 28.01.2023 in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg. Damals war der Gästebereich noch größer - nun fällt der Block rechts im Bild weg. Foto: imago/osnapix
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Es hat nur ein paar Minuten gedauert, dann waren alle Karten für den Auswärtsblock für Fans des VfL Osnabrück beim Topspiel beim MSV Duisburg am Dienstag nach Ostern vergriffen. Osnabrücker können dennoch die Partie spontan besuchen, müssen dabei jedoch eine Sache dringend beachten.

Es sind jene kleinen Momente, die für Aufstiegseuphorie rund um den VfL Osnabrück stehen: Nur ein paar Minuten hat es gedauert, bis Mitglieder und Dauerkarteninhaber des Vereins am vergangenen Dienstag das komplette Kontingent an Auswärtstickets für das Spitzenspiel am Dienstagabend nach Ostern beim MSV Duisburg leergekauft haben.

2646 Eintrittskarten wechselten in kurzer Zeit den Besitzer - wobei sich natürlich mit Blick auf die offizielle Stadionkapazität von weit über 31.000 Besuchern für die Schauinsland-Reisen-Arena die Frage stellt: Wieso erhalten VfL-Fans nur so wenige Karten, wenn laut Liga-Bestimmungen zehn Prozent der verfügbaren Tickets eigentlich an Gästefans gehen sollen?

Auf Nachfrage verweist der MSV auf den „zum Jahreswechsel durch den Stadionbetreiber erfolgten Umbau des Gästebereiches“ der Arena. Letzterer ist deutlich verkleinert worden und auf die Südostecke des Stadions reduziert worden. Nur noch die Blöcke Q (Stehplatz) im Unterrang sowie 19 und 20 (Sitzplatz) im Oberrang sind für Anhänger der Gäste vorgesehen - insgesamt jene 2646 Plätze, die VfL-Fans erworben haben.

Früher umfasste der auch sicherheitstechnisch baulich getrennte Gästebereich die komplette Südtribüne hinter dem Tor einschließlich der Südostecke. Mit dem potenziellen Nachteil für den MSV, das Gegner mit einem größeren Fanaufkommen (wie etwa Derby-Konkurrenten RW Essen) jene Tribüne komplett besetzen und einen Gegenpol zur Heimspiel-Atmosphäre schaffen können, während MSV-Anhänger im Falle eines sonst ausverkauften Heimbereiches keine Tickets mehr hätten erwerben können.

Vorsichtig formuliert, war es beim zwischenzeitlich bis in die Regionalliga abgestürzten MSV in der jüngeren Vergangenheit nicht fürchterlich oft so, dass Heimfans keine Tickets in dem einst für die Bundesliga konzipierten Stadion bekommen haben, während Gästefans dem MSV zugleich massiv die Bude eingerannt haben. Dennoch hat die Stadt Duisburg als 100-prozentige Eigentümerin des Stadions im Sommer den Gästebereich baulich verkleinert. Offensichtlich hofft man beim MSV, dass man in absehbarer Zeit in höheren Ligen aktiv ist und dann den Heimbereich auch wieder voll auslasten kann.

Als Reaktion auf den fixen Ausverkauf im Gästeblock in Duisburg konnte man am Dienstag beobachten, dass sich Osnabrücker in den angrenzenden Heimbereichen der Gegengerade nahe des Gästeblocks mit Eintrittskarten eingedeckt haben. Ein Vorgehen, das einerseits Sicherheitsfragen aufwirft, weil nun dort Heimfans neben Gäste-Anhängern sitzen werden - und andererseits in Duisburg nicht unbemerkt geblieben ist.

Der MSV hat nun als Reaktion den Online-Vorverkauf auf Bestandskunden seines Ticketportals beschränkt, sodass etwa Neukunden aus Osnabrück nun keinen digitalen Zugriff mehr darauf haben. Zudem weist der MSV darauf hin, dass offensichtlich als VfL-Fan gekleidete Zuschauer am Spieltag keinen Zutritt zu den Heimbereichen erhalten werden - und auch nicht umgesetzt werden könnten, weil der Gästebereich ja bereits voll sei.

Wer sich allerdings neutral kleidet, muss mit gültigem Ticket in jedem Fall ins Stadion eingelassen werden - und kann auch am Spieltag selbst noch ganz sicher Eintrittskarten für die Partie vor Ort erwerben. Der MSV ist zwar ebenfalls noch mittendrin im Aufstiegsrennen, rechnet aber für die Partie in der Woche keinesfalls mit einem ausverkauften Haus gegen Osnabrück.

Am vergangenen Wochenende hatte Duisburg den TSV 1860 München zu Gast - bei gut gefülltem Gästeblock kamen 24.394 Fans zu jenem Spitzenspiel. Über 5000 Plätze blieben leer - vorwiegend jene auf der Hintertortribüne Süd, die nun vor allem als Pufferzone zwischen Heim- und Gästefans dient.

Das wird auch gegen Osnabrück so sein, weil die Partie als Risikospiel bewertet wird: Die vorhersehbare Sperrung einiger Blöcke dort aus Sicherheitsgründen dürfte zumindest auch ein Teil der Antwort auf die Frage sein, wieso der VfL nicht mehr Tickets für seine Fans erhält. Sinkt die Gesamtkapazität des Stadions merklich, sinkt natürlich auch der 10-Prozent-Anteil, der für Gäste vorgehalten werden muss. Möglich ist zudem, dass dieser Anteil leichter erreicht werden dürfte mit Blick auf einige Tickets, die der Gastverein üblicherweise für offizielle Vertreter und Angegliederte in anderen Zonen des Stadions mit gehobenerem Bewirtungscharakter erhält.

Genaue Zahlen hierzu waren allerdings nicht zu erfahren, der MSV hält sich hier bedeckt. „Das Ticketing für die Anhänger des VfL ist mit dem VfL abgesprochen“, teilte der MSV nur mit und begründete mit dem Blick auf Sicherheitsfragen, dass man grundsätzlich über keine weiteren Details zum Ticket-Verkauf offiziell Auskunft geben werde.

Man darf somit gespannt sein, in welchen Zonen des Stadions möglicherweise zum Topspiel am Dienstag nach Ostern noch Sympathisanten der Lila-Weißen auftauchen - zu appellieren ist in jedem Fall an sportlich faires Auftreten aller Beteiligter auch auf der Tribüne, um der Partie den würdigen Rahmen zu geben, die sie verdient hat.

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