Osnabrück  Schluss nach 30 Ausgaben: So emotional war der Abschied von der Osnabrücker Blueslawine

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 29.03.2026 15:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bedauern das Ende der Osnabrücker Blueslawine: Peter Diekkamp (67 Jahre, links) und Günter Schüer (68). Foto: Matthias Liedtke
Bedauern das Ende der Osnabrücker Blueslawine: Peter Diekkamp (67 Jahre, links) und Günter Schüer (68). Foto: Matthias Liedtke
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Zum 30. und letzten Mal rollte die Blueslawine über Osnabrück. Wie haben die Besucher im ausverkauften Lutherhaus das Finale erlebt? Wir haben uns umgehört unter den Zuhörern, hinter und auf der Bühne: tolle Musik und traurige Gemüter …

Eine Mischung aus Trauer und Dankbarkeit ist im rappelvollen Lutherhaus zu spüren. Erst vor einem Jahr war die Osnabrücker Blueslawine vom angestammten Haus der Jugend dorthin rübergerollt. Nun ist aber endgültig Schluss mit dem kleinen Festivalformat, das im Jahr 1994 vom Verein Bluesverstärker aus der Taufe gehoben worden ist.

Nicht von Anfang an dabei gewesen sind die Blues-Fans Peter Diekkamp aus Osnabrück und Günter Schüer aus Rulle. Aber immerhin seit rund 15 Jahren lassen sie sich jährlich gerne von der musikalischen Lawine überrollen – und finden es sehr schade, dass sie nun mit Ausgabe Nummer 30 gestoppt wird. Zumal es in der Stadt ohnehin „immer weniger“ Möglichkeiten gebe, live Blues-Musik zu genießen.

Zum Glück bestünde aber nach wie vor die legendäre montägliche Jam-Session in der Lagerhalle, sagt Jürgen Pesch. Er ist zusammen mit Stefan Kasselmann und Garth McCown zum Ausklang gekommen, war sich aber gar nicht dessen bewusst, dass es das letzte Mal sein würde. Und hofft mit einem verzweifelten Augenzwinkern deshalb fast, dass es „nicht zu gut“ werden wird, um es nicht im kommenden Jahr schmerzlich vermissen zu müssen.

Das tut Angelika Schmitt-Collmann aus Holzhausen bereits jetzt. Denn sie weiß darum, dass die „Lawine 2026“ das Kehraus bedeutet – und hat sich am Merch-Stand, wo es zum Ausverkauf alles für fünf Euro gibt, noch ein letztes Mal eingedeckt. Ein Trost ist ihr, dass zumindest lokale Größen wie Tommy Schneller oder die Blues Company weiterhin zu sehen sein werden, etwa am Büdchen am Westerberg oder anderswo in der Stadt.

Es gibt an diesem letzten Abend aber auch Menschen, die gar nicht wegen des scheidenden Formats, sondern wegen der auftretenden Künstler ins Lutherhaus gekommen sind. Unter ihnen ein junges Pärchen, das eigens aus Herford und Österreich angereist ist, um die amerikanische Jazz-Musikerin und Sängerin Dede Priest zu sehen. Und sie wurden alles andere als enttäuscht.

Denn der Auftritt wird zu einem Fest nicht nur des Blues, sondern mit seinem musikalischen Mash-up ebenso des Folk, des Gospels, des Rock und des Souls. Zu verdanken ist das auch dem Osnabrücker Schlagzeuger Oliver Spanuth, der für die erkrankte Stammbesetzung kurzfristig eingesprungen war. Am Vorabend angefragt, habe er sich ab dem frühen Morgen noch elf Songs „draufgeschafft“, erzählt er in der Pause.

Mit zwei Gitarren endet schließlich die mehr als 30 Jahre lang währende, mit großen Namen gespickte Geschichte der Osnabrücker Blueslawine. Noch ein letztes Mal Mitwippen, Mitschnippen und Mitsingen heißt es, als der amerikanische Songwriter Luke Winslow-King und Slide-Gitarrist Roberto Luti aus Italien die allerletzte „Lawine“ ausrollen lassen – rau und erdig. Ganz so, wie es die Blues-Liebhaber mögen.

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