Osnabrück Streit ums EMAF: Zwei Meinungen zur Osnabrücker Kultur-Kontroverse
Die Stadt Osnabrück distanziert sich von Teilen des EMAF-Programms. Ist das eine angemessene Reaktion auf eine Filmemacherin, der Antisemitismus vorgeworfen wird? Zwei Meinungen zu einer Kontroverse.
Die Stadt distanziert sich vom Programm einer Kulturinstitution – das hat es in den letzten Jahrzehnten in Osnabrück noch nicht gegeben. Auslöser des einmaligen Vorgangs ist ein Programmpunkt des diesjährigen European Media Art Festivals, ein Kurzfilm der palästinensisch-amerikanischen Filmemacherin Basma al-Sharif.
Dabei ist nicht der Kurzfilm selbst der Stein des Anstoßes. Vielmehr stört sich die Stadtverwaltung an Posts der Filmemacherin in den sozialen Medien: Dort äußert sich diese dezidiert pro-palästinensisch und anti-israelisch.
Auch antisemitisch? Genau um diese Frage kreist die Debatte: Kulturdezernent Wolfgang Beckermann sagt, die Haltung al-Sharifs sei nicht mit den Wertvorstellungen der Friedensstadt vereinbar, man wolle antisemitischen Haltungen kein Forum geben. EMAF-Leiterin Katrin Mundt entgegnet, al-Sharifs Äußerungen seien von der Kunstfreiheit gedeckt, der Vorwurf des Antisemitismus treffe nicht zu.
Die Stadt greift nun zum mildesten Mittel, ihre Kritik am EMAF-Programm zu formulieren und distanziert sich „von Teilen des Programms“. Mit ihr übrigens auch der Landschaftsverband als Geldgeber und der Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies: Er tritt von seiner Schirmherrschaft fürs Festival zurück. Hat die Stadt Osnabrück nun richtig gehandelt oder reagiert zu lasch? Hier zwei Meinungen.