Osnabrück VfL Osnabrück beim MSV: Auswärtsstärke trifft auf Heimmacht - und ein ewiger Rekord winkt
Es ist das Topduell dieses Spieltages in der 3. Fußball-Liga: Der VfL Osnabrück tritt am Dienstag (19 Uhr) beim MSV Duisburg an. Die beste Auswärtsmannschaft der Liga trifft auf die heimstärkste Truppe. Der Tabellenführer gegen den Fünften - und über 3000 Lila-Weiße fahren mit.
„Richtig gut, richtig, richtig gut, Jungs“, rief Timo Schultz über den Trainingsplatz am Ostermontag. Während andere mit ihren Familien beim Brunch saßen, bereitete sich der Vfl Osnabrück auf das Topduell in der 3. Fußball-Liga beim MSV Duisburg vor. An diesem Dienstag (19 Uhr) tritt in der Schauinsland-Reisen-Arena der Tabellenführer beim Fünften an. Und der Trainer schien mit der Vorbereitung zufrieden - oder nicht?
„Doch, war gut“, sagte Schultz nach der Einheit am Schinkelberg. „Aber das Lob habe ich vorhin nur gerufen, um die Jungs ein bisschen zu provozieren“, verriet er und lachte kurz: „Hatte aber keine Wirkung. Die sind alle cool geblieben.“
Schon vorher hatte es ein paar Frotzeleien gegeben. Die Stimmung ist aktuell ausgelassen bei den Einheiten - vor allem an Tagen vor den Spielen, wo zum Abschluss stets „Team jung“ auf „Team alt“ trifft und die Oldies fast immer gewinnen. So wie am Montag.
In Duisburg heißt das Duell so: Heimmacht gegen Auswärtsstärke. Noch kein einziges Spiel im eigenen Stadion haben die Zebras in dieser Saison verloren, nur viermal gab es hier ein Unentschieden, dafür elf Siege. Insgesamt 37 Punkten holte der MSV daheim bereits in dieser Saison. Die Heimstärke ist der Grund, weshalb sich die Meidericher noch in Nähe der Aufstiegsränge befinden. Soll das so bleiben, sollte die Serie gegen den VfL halten. Ansonsten wird es schwer für den MSV.
Der VfL kann indes in den Spielen in Duisburg und am kommenden Sonntag gegen Cottbus zwei direkte Konkurrenten auf Abstand halten. Der Vorsprung auf den MSV beträgt aktuell zehn Punkte, auf Energie sind es sieben. Große Sorgen macht den Osnabrückern die Heimstärke des Gegners nicht. „Wir wissen davon. Und wir haben kurz auch den Endspielcharakter der Partie für Duisburg angesprochen“, sagt Schultz: „Aber wir konzentrieren uns mehr auf uns.“
Schließlich datiert der letzte Heimsieg des MSV gegen den VfL aus dem Jahr 2014, dazu reist Osnabrück mit einer der besten Auswärtsbilanzen der Vereinsgeschichte an. 33 Punkte holten die Lila-Weißen bisher. Das ist Liga-Bestwert und jetzt schon ein Ergebnis, das der VfL in seiner Geschichte am Saisonende in den letzten 35 Jahren überhaupt erst dreimal erreicht und zweimal übertroffen hat. In der 3. Liga war dies erst einmal der Fall: In der Spielzeit 2018/19 als die Mannschaft mit Trainer Daniel Thioune am Ende ebenfalls 35 Zähler in fremden Stadien geholt hatte und aufstieg.
Der Rekord - schaut man auf alle Spielzeiten seit den 90er Jahren - datiert noch aus der alten Regionalliga Nord als in der Saison 1998/99 der VfL am Ende 41 Auswärtspunkte sammelte.
Dazu winkt noch die Einstellung eines weiteren ewigen Rekords. Beim 4:0 am Ostersamstag gegen den 1. FC Schweinfurt feierte der VfL an der Bremer Brücke den siebten Sieg im Serie. Acht Erfolge am Stück gelangen den Lila-Weißen erst zweimal - in den berühmten „goldenen Jahren“ unter dem bekannten jugoslawischen Trainer Radoslav Momirski 1968 und 1969.
Ein Anreiz für das stärkste Team der Rückrunde, das im Kalenderjahr 2026 bislang als einziges im deutschen Profifußball noch ungeschlagen ist. Dennoch könnte Schultz Veränderungen in der Startelf vornehmen. Zumal mit Fridolin Wagner ein formstarker Mittelfeldspieler nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung steht.
Die Dosierung der Kräfte dürfte bei der Aufstellung weniger eine Rolle spielen. Schließlich, so betont der Trainer, „fühlt es sich auch irgendwie gar nicht an, wie eine Englische Woche“. Das liegt einerseits daran, dass die Partie gegen Cottbus erst am Sonntag stattfindet, aber auch an der Nähe zum Spielort am Dienstag. Der VfL trifft sich erst am Vormittag zur kleinen Aktivierung an der Bremer Brücke bevor es mit dem Bus in ein Tageshotel Richtung Duisburg geht. Nach einen kleinen Mittagessen können sich die Spieler hier noch einmal kurz ausruhen und auf die Partie am Abend vorbereiten.
Die kurze Anreise - nur etwas über 100 Kilometer Luftlinie liegt zwischen den beiden Städten - lockt auch einige Fans, die sowohl mit dem Auto als auch einem Entlastungszug fahren werden. 2646 Karten hatte der VfL für seine Anhänger erhalten, sie waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Einige Fans dürften aber in den anliegenden Blöcken Karten erworben haben. Sichtbar als VfL-Fans sollten sie sich dort nicht ausgeben, sonst werde ihnen der Eintritt verwehrt. Das teilte der MSV am Montag noch einmal explizit mit. Über 3500 lila-weiße Zuschauer werden dennoch erwartet - um zu sehen, ob der VfL es schafft, seine Serie weiter auszubauen und die Duisburger zu beenden.