Gastbeitrag Wie man die Unternehmensnachfolge erfolgreich wuppt
In mittelständischen Firmen einen Nachfolger zu finden, ist alles andere als einfach. Natürlich spielt Geld eine Rolle. Nicht zuletzt geht es aber auch um Emotionen. Unsere Autoren kenn sich da aus.
Liebe Leserinnen und Leser, in den vergangenen eineinhalb Jahren hatte ich große Freude daran, an dieser Stelle meine Erfahrungen aus Jahrzehnten der Führungsarbeit mit Ihnen zu teilen. All diese Themen, über die ich Ihnen berichten durfte, liegen mir am Herzen, weil ich sie selbst erlebt, erlitten und gemeistert habe.
Doch nun ist für mich persönlich der Zeitpunkt gekommen, genau das zu tun, worüber ich so oft geschrieben habe: Verantwortung zu übergeben. Nach vielen intensiven Jahren in der operativen Führung von Wefers & Coll. habe ich mich entschieden, mein Lebenswerk in kompetente Hände zu legen und mich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Mein Nachfolger ist Stefan Schmidt – eine Führungspersönlichkeit, die fachlich und menschlich hervorragend zu unserem Unternehmen passt.
Dieser Stabwechsel ist für mich Anlass, heute über ein Thema zu schreiben, das viele Unternehmerinnen und Unternehmer bewegt, aber oft viel zu spät angegangen wird: die Nachfolgeplanung. Wir möchten Ihnen unsere Erfahrungen aus beiden Perspektiven mitgeben – aus der des Übergebenden und aus der des Übernehmenden.
Die Perspektive des Übergebenden: Loslassen als strategische Aufgabe
(von Michael Wefers)
Als ich 2009 die Leitung der Führungskräfteentwicklung bei Wefers & Coll. übernahm, dachte ich noch nicht an meine Nachfolge. Aber bereits 2015 – vor über zehn Jahren – begannen meine Frau Juliane und ich, uns ernsthaft mit dem Thema Wachstum von Wefers & Coll. als Voraussetzung für eine spätere Nachfolge auseinanderzusetzen. Warum so früh? Weil wir in unserer Beratungspraxis erlebt hatten: Nachfolgeplanung ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein jahrelanger Prozess.
Die Verantwortung, rechtzeitig loszulassen
Ein Unternehmen zu übergeben bedeutet, die eigene Endlichkeit im Betrieb zu akzeptieren. Das fällt niemandem leicht – schon gar nicht, wenn man dieses Unternehmen aufgebaut und jahrzehntelang weiterentwickelt hat. Doch genau diese Akzeptanz ist die Grundlage für eine gelingende Nachfolge. Wer zu spät beginnt, riskiert hohen Zeitdruck, Fehlentscheidungen und eine Schwächung des Unternehmens in einer kritischen Phase.
Aus meiner Erfahrung gilt: Wer seine Nachfolge mit mindestens fünf Jahren Vorlauf plant, hat echte Handlungsfreiheit. Man kann potenzielle Nachfolger gezielt suchen, vorbereiten – und kann sich ggf. auch eine Fehlentscheidung leisten, korrigieren und einen Plan B entwickeln, ohne unter Druck zu geraten.
Objektivität vor Emotion: die richtige Person finden
Die größte Gefahr in der Nachfolgeplanung ist, sich ein „Mini-Me“ zu wünschen – jemanden, der genauso denkt und handelt wie man selbst. Doch das ist ein Trugschluss. Die Zukunft braucht keine Kopie der Vergangenheit, sondern eine Führungskraft, die zu den kommenden Herausforderungen passt.
Bei der Auswahl von Stefan Schmidt war für uns daher nicht die fachliche Ähnlichkeit entscheidend, sondern die kulturelle Passung: Stimmen die Werte überein? Teilen wir ein ähnliches Führungsverständnis? Sind wir uns einig beim Umgang mit Kunden und Mitarbeitenden? Genau hier hat sich der Einsatz professioneller Potenzialanalysen als unschätzbar wertvoll erwiesen. Sie gaben uns Sicherheit – und zwar jenseits des Bauchgefühls.
Die Rolle als Mentor – und dann als Begleiter
Ein häufiger Fehler ist, nach der Übergabe entweder zu stark reinzureden oder sich komplett zurückzuziehen. Beides schadet. Die richtige Balance liegt darin, dem Nachfolger echten Raum zu geben, gleichzeitig aber als beratender Sparringspartner verfügbar zu bleiben – mit immer weniger operativer Verantwortung.
Für mich bedeutet das: Ich bin da, wenn Stefan Schmidt Fragen hat oder wenn in komplexen Situationen meine jahrzehntelange Führungserfahrung als zweite Meinung gefragt ist. Aber die Entscheidungen trifft er. Das erfordert Disziplin, Vertrauen – und die Bereitschaft, die eigene Rolle neu zu definieren.
Ein unterschätzter Erfolgsfaktor: Investieren statt Sparen
Viele Unternehmer machen vor der Übergabe einen fatalen Fehler: Sie stoppen Investitionen, um den Betrieb „aufzuräumen“ oder die Bilanz zu schonen. Das Gegenteil ist richtig. Meine Frau Juliane und ich haben vor der Übergabe bewusst nochmals investiert: in neue Büroräume, moderne Technik, einen professionellen Außenauftritt. Warum? Weil wir damit ein klares Signal an potenzielle Nachfolger gesendet haben: Dieses Unternehmen hat Zukunft. Niemand übernimmt gern einen Betrieb, der auf Verschleiß gefahren wurde.
Über Michael Wefers
Michael Wefers ist Managementtrainer und Führungsexperte für Leistungskraft und Souveränität in schwierigsten Belastungssituationen. Er hat die digitale Transformation der Fotoindustrie als internationaler Personalvorstand beim Marktführer CEWE mitgestaltet. Seit 2009 hat er die Wefers & Coll. Unternehmerberatung als geschäftsführender Gesellschafter maßgeblich geprägt und entwickelt. Mit seiner 25-jährigen Führungserfahrung steht er dem Unternehmen heute als beratender Gesellschafter zur Seite.
Die Perspektive des Nachfolgers: Respekt vor dem Erbe – Mut für die Zukunft
(von Stefan Schmidt)
Als ich zum ersten Mal mit Michael Wefers sprach, war mir sofort klar: Hier geht es nicht nur um eine fachliche Aufgabe, sondern um Verantwortung für ein Lebenswerk. Das ist eine Ehre – aber auch eine Herausforderung, die man sich genau anschauen muss.
Warum ich mich für Wefers & Coll. entschieden habe
Nach über 20 Jahren als geschäftsführender Gesellschafter bei ITG Doden war ich auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, die mich inhaltlich und menschlich weiterbringt. Bei Wefers & Coll. stimmte von Anfang an beides: Die Werte passten, das gegenseitige Vertrauen war da, und ich spürte, dass Michael Wefers seine Verantwortung wirklich übergeben wollte – nicht nur auf dem Papier, sondern auch mental.
Ein entscheidender Punkt war für mich auch die fachliche Herausforderung: Resiliente Führung und starker Vertrieb sind genau die Themen, die den Mittelstand aktuell bewegen. Hier kann ich meine eigene Erfahrung einbringen und gleichzeitig von der Expertise eines etablierten Beratungshauses profitieren.
Die Balance zwischen Kontinuität und Wandel
Eine der größten Fragen, die sich jeder Nachfolger stellen muss: Wie viel Kontinuität braucht das Unternehmen – und wie viel Wandel ist nötig? Wer zu radikal umkrempelt, riskiert, dass Mitarbeitende und Kunden abspringen. Wer zu zaghaft bleibt, verspielt die Chance, das Unternehmen zukunftsfähig zu machen.
Mein Ansatz ist: erst verstehen, dann gestalten. Ich nehme mir Zeit, das Geschäftsmodell, die Unternehmenskultur und die Kundenbeziehungen wirklich zu durchdringen. Dann setze ich dort neue Impulse, wo sie wirklich Mehrwert schaffen – zum Beispiel bei der Stärkung resilienter Teams und der Führung im Vertrieb.
Was ich von Michael Wefers brauche
Damit eine Nachfolge gelingt, braucht es ein klares Mandat. Ich muss wissen: Was wird von mir erwartet? Welche Entscheidungen kann ich treffen? Wo sind die Grenzen? Diese Klarheit hat mir Michael Wefers von Anfang an gegeben – und das schafft Sicherheit auf beiden Seiten.
Gleichzeitig schätze ich die unbezahlbare Möglichkeit, auf seine Erfahrung zurückgreifen zu können. Es ist ein Luxus, einen erfahrenen Sparringspartner an meiner Seite zu haben, der unsere mittelständisch geprägten Kunden in- und auswendig kennt – und mir zugleich den Raum gibt, meinen eigenen Weg zu gehen.
Ich freue mich auf die kommenden Monate und Jahre
Mit diesem Beitrag möchte ich mich auch bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vorstellen. Ich freue mich sehr darauf, Sie ab jetzt bei meinen Erfahrungen in diesem neuen Kapitel mitzunehmen. Die Gastbeiträge an dieser Stelle werde von nun ich an übernehmen – und ich verspreche Ihnen, dass es weiterhin um das gehen wird, was Führung im Mittelstand wirklich ausmacht: Praxisnähe, ehrliche Reflexion und den Mut, auch unbequeme Themen anzusprechen.
Der gemeinsame Weg: was wir beide gelernt haben
1. Frühzeitigkeit ist alles
Je früher man beginnt, desto mehr Optionen hat man. Wer erst mit dem Rücken zur Wand steht, trifft selten gute Entscheidungen. Unser Rat: Starten Sie mindestens fünf Jahre vor dem geplanten Übergabetermin mit den ersten Planungen.
2. Wertepassung schlägt fachliche Perfektion
Kompetenzen kann man erlernen. Werte nicht. Achten Sie bei der Auswahl eines Nachfolgers nicht nur auf den Lebenslauf, sondern vor allem darauf, ob die Person menschlich und kulturell wirklich ins Unternehmen passt.
3. Transparente Kommunikation schafft Vertrauen
Nehmen Sie Ihr Team, Ihre Kunden und wichtige Partner mit auf die Reise. Offene Kommunikation verhindert Gerüchte und schafft Akzeptanz für den Übergang.
4. Externe Begleitung hilft
Nachfolgeplanung ist emotional und komplex. Eine neutrale, externe Moderation – sei es durch Berater, Coaches oder Diagnostik-Experten – hilft, Fallstricke zu vermeiden und den Prozess professionell zu steuern.
5. Die Rolle danach klären
Was kommt nach der Übergabe? Diese Frage muss der Übergebende für sich beantworten – und zwar rechtzeitig. Wer keine Perspektive für die Zeit danach hat, wird das Loslassen umso schwerer finden.
Über Stefan Schmidt
Stefan Schmidt ist Geschäftsführer bei Wefers & Coll. und Experte für wirksame Führung im Mittelstand. Er verbindet über 20 Jahre operative Führungserfahrung, zuletzt als geschäftsführender Gesellschafter der ITG Doden, mit einer tiefen Leidenschaft für die Entwicklung von Menschen und Organisationen. Seine Schwerpunkte sind die Stärkung resilienter Teams, die Steigerung der Führungseffektivität im Vertrieb und die passgenaue Entwicklung von Führungskräften, die den Herausforderungen von heute und morgen gewachsen sind.
Unser Fazit: Nachfolge ist eine Chance
Nachfolgeplanung ist eine riesige Chance – für den Übergebenden, für den Nachfolger und vor allem für das Unternehmen und seine Mitarbeiter: Sie sichert Arbeitsplätze, bewahrt ein Lebenswerk und sorgt dafür, dass das, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde, eine Zukunft hat.
Wir beide blicken mit Zuversicht auf das, was kommt. Michael Wefers kann mit der Gewissheit in die nächste Lebensphase gehen, dass Wefers & Coll. in guten Händen ist. Und ich freue mich darauf, gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Christian Vaske und dem gesamten Team die nächsten Kapitel zu schreiben.
Unser Appell an alle Unternehmerinnen und Unternehmer: Schieben Sie das Thema nicht auf. Beginnen Sie früh, planen Sie strukturiert, und holen Sie sich professionelle Unterstützung. Ihr Lebenswerk hat es verdient!
Über die Wefers & Coll. Unternehmerberatung GmbH & Co. KG
Die Wefers & Coll. Unternehmerberatung ist Ihr erfahrener Partner für Personalberatung, Managementdiagnostik und Führungskräfteentwicklung im Nordwesten. Mit über 30 Jahren Expertise und einem tiefen Verständnis für die Strukturen im inhabergeführten Mittelstand beraten wir Familienunternehmen sowie international agierende Unternehmen deutschlandweit in allen Fragen exzellenter Führung. Wir unterstützen Sie bei der Suche, Auswahl und Gewinnung von Führungspersönlichkeiten, bei der Analyse der Potenziale des Managements und durch praxisorientierte Trainings und Workshops. Dank umfassender Einblicke in die unterschiedlichsten Branchen bauen wir einen unübertroffenen Erfahrungsschatz auf. Als Ihr vertrauensvoller Sparringspartner auf Augenhöhe stehen wir für höchste Diskretion, Professionalität und Leidenschaft. Gemeinsam gestalten wir nachhaltige Führung – heute und in Zukunft. Mehr Informationen unter: https://wefersundcoll.de/