Nahost Was bedeutet die Einigung im Iran-Krieg?

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Von den dpa-Korrespondeten
| 08.04.2026 10:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
US-Präsident Donald Trump verkauft die Einigung als Erfolg für die Vereinigten Staaten - aber wie geht es jetzt weiter? Foto: Julia Demaree Nikhinson
US-Präsident Donald Trump verkauft die Einigung als Erfolg für die Vereinigten Staaten - aber wie geht es jetzt weiter? Foto: Julia Demaree Nikhinson
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Erst Erleichterung, jetzt viele Fragzeichen: Nach der Verkündung einer Feuerpause im Iran-Krieg bleibt wenig Zeit zum Aufatmen - die nächsten zwei Wochen sind entscheidend.

Nach der Einigung ist vor der Einigung? Eine zweiwöchige Waffenruhe im Iran-Krieg und eine angekündigte Öffnung der Straße von Hormus ließen die Welt in der Nacht zunächst aufatmen. Doch wohin führt das? Ein Zehn-Punkte-Plan soll die Basis weiterer Verhandlungen sein. Viele Fragen sind offen. 

Ist der Krieg jetzt zu Ende?

Das bleibt abzuwarten. Die zweiwöchige Waffenruhe soll genutzt werden, um eine Einigung für eine dauerhafte Beilegung des Konflikts zu erzielen. Wird das nicht erreicht, ist ein Wiederaufflammen der Angriffe wahrscheinlich.

Einige internationale Stimmen sehen die Waffenruhe als wichtigen ersten Schritt, aber noch nicht als endgültige Lösung. Pakistans Informationsminister Atta Tarar, dessen Land die Vereinbarung vermittelt hat, sprach von einem großen Erfolg. „Aber die Arbeit ist noch nicht getan.“

Pakistan zufolge sollte die Waffenruhe sofort greifen. Aus Israel gab es aber Berichte, wonach das Land zunächst auch nach der Verkündung der Feuerpause nachts noch unter Raketenbeschuss aus dem Iran geriet. Auch im Westiran wurden noch Explosionen gemeldet.

Widersprüchliche Angaben gibt es unterdessen zur Frage, ob die Feuerpause auch für den Libanon gilt. Während sie nach iranischen Angaben an allen Fronten greifen soll, hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bereits angekündigt, dass dies für den Libanon nicht der Fall sein werde.

Was steht in dem Zehn-Punkte-Plan? 

Offiziell haben bisher weder die Islamische Republik noch die USA den Inhalt des vom Iran vorgelegten Dokuments öffentlich gemacht. Nachrichtenagenturen, die den mächtigen Revolutionsgarden nahestehen, berichten jedoch bereits über Details. 

Laut Tasnim beinhaltet das Papier die Forderung nach einer dauerhaften Einstellung von Aggressionen. Der Iran soll die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten und Uran anreichern dürfen. Auch die Aufhebung der harten internationalen Sanktionen und Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats wird gefordert. Ebenso will Teheran Resolutionen des Gouverneursrats der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aufgehoben sehen, wie es heißt. Weiter werden Kriegsentschädigungen und ein Abzug der US-Streitkräfte aus der Region gefordert. Der Krieg soll an allen Fronten enden, einschließlich im Libanon.

Die Informationen der Nachrichtenagentur Fars decken sich weitgehend mit dem Tasnim-Bericht. Hier heißt es jedoch auch, dass sich der Iran gemäß dem Plan verpflichten werde, niemals Atomwaffen herzustellen. Die Urananreicherung soll nach Verhandlungen eingeschränkt werden. Teheran stimme außerdem zu, mit anderen Ländern in der Region über Friedensabkommen zu sprechen. 

Wer hat sich durchgesetzt? Die USA oder der Iran?

Zwar verkauft US-Präsident Donald Trump die vorläufige Einigung als großen Erfolg für die Vereinigten Staaten. Der Iran dürfte nach mehr als einem Monat Krieg militärisch geschwächt sein. Von einem wirklichen Sieg der USA könne aber zunächst - auch mit Blick auf die bisher zutage getretenen Details aus dem Zehn-Punkte-Plan - keine Rede sein, so das internationale Echo. 

„Das, was jetzt erreicht worden ist, sieht eher nach einer strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika aus“, sagte der Sicherheitsexperte Carlo Masala im Deutschlandfunk. In dem Zehn-Punkte-Plan „ist ja wenig iranisches Entgegenkommen gegenüber den amerikanischen Forderungen von Beginn an drin“. Die USA könnten nicht von einem vollumfänglichen Sieg reden. Der demokratische Senator Richard Blumenthal schrieb auf X: „Eine Waffenruhe ist für das amerikanische Volk kein Sieg.“

Regierungsanhänger feiern nach der Ankündigung der Waffenruhe in Teheran. Foto: Vahid Salemi
Regierungsanhänger feiern nach der Ankündigung der Waffenruhe in Teheran. Foto: Vahid Salemi

Der Iran sieht sich selbst unterdessen als Sieger und nahezu alle seine Kriegsziele als erreicht an. Der Nationale Sicherheitsrat erklärte, die USA und Israel habe man in eine Niederlage geführt. 

Wie geht es jetzt weiter?

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lud Delegationen der USA und des Iran für weitere Gespräche am Freitag in die Hauptstadt Islamabad ein, wo sie über ein endgültiges Abkommen zur Beilegung des Konflikts beraten sollen. 

Pakistanischen Quellen zufolge werden in Islamabad bereits erste Sicherheitsvorbereitungen getroffen, um die Delegationen zu empfangen. Demnach könnten auch Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten an den Gesprächen teilnehmen. 

Regierungschefs aus Europa wollen sich ebenfalls diplomatisch einbringen. Der britische Premier Starmer etwa wird am Mittwoch in die Golfregion reisen, um mit den Verbündeten in der Region über diplomatische Bemühungen zur Aufrechterhaltung der Waffenruhe zu sprechen. Dabei soll es auch um Maßnahmen zur Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus gehen.

Auch Kanzler Friedrich Merz teilte mit, die Bundesregierung unterstützte diplomatischen Bemühungen. Man stehe in engem Austausch mit den USA und anderen Partnern. „Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Hormus-Straße zu gewährleisten.“

Wie steht Israel zu der Abmachung?

Israel war an den Verhandlungen nicht beteiligt, unterstützt Trumps Entscheidung, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen einzustellen, nach Angaben von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aber. Voraussetzung sei, dass der Iran die Straße von Hormus öffnet und seine Angriffe ebenfalls aussetzt. Israel pocht demnach zudem weiterhin darauf, dass der Iran mit seinem Atom- und Raketenprogramm keine Bedrohung mehr für die USA, Israel und die arabischen Nachbarn Teherans darstellen darf. 

Die Feuerpause umfasse aber nicht den Libanon, erklärte er jedoch und widersprach damit Angaben aus Pakistan. Die libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete auch noch am Morgen neue israelische Angriffe im Südlibanon. Raketenangriffe der Hisbollah auf Israel gab es am Morgen und Vormittag zunächst nicht.

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