Osnabrück  VfL Osnabrück will sich durch 0:1 in Duisburg nicht von seinem Weg abbringen lassen

Susanne Fetter, Benjamin Kraus
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Von Susanne Fetter, Benjamin Kraus
| 09.04.2026 06:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Blieb oft im Getümmel am Gegner wie hier Christian Viet hängen: Osnabrücks Ismail Badjie. Foto: imago/Brauer
Blieb oft im Getümmel am Gegner wie hier Christian Viet hängen: Osnabrücks Ismail Badjie. Foto: imago/Brauer
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Die 0:1-Niederlage beim MSV Duisburg stoppte die Siegesserie des VfL Osnabrück - irgendwann war klar, dass es passiert. Wieso der Plan des Trainers nicht griff und wie der VfL wieder auf den Erfolgsweg zurückkehren kann.

Sieben Siegen am Stück folgte nun die kalte Dusche - und vielleicht hatte sie genau so kommen müssen für die Schärfung der Sinne im Aufstiegskampf des VfL Osnabrück wie beim 0:1 beim MSV Duisburg: Eine Niederlage gegen eine fußballerisch keinesfalls bessere, mit einfachen Mitteln agierende Mannschaft, die aber den Druck der vielleicht letzten Aufstiegschance in absoluten Willen und Vollgas in den Zweikämpfen umsetzte - und so die Lila-Weißen in die Knie zwang.

Viel wurde in VfL-Fankreisen hinterher über die Wechsel in der VfL-Startelf im Vergleich zum 4:0-Sieg gegen Schweinfurt diskutiert: Nicht so sehr über Fridolin Wagner, der im Zentrum für Kevin Wiethaup aufgeboten wurde, auch um der zu erwartenden Wucht der Duisburger mehr Körperlichkeit entgegenzusetzen. Eher schon über Tony Lesueur, der links den zuletzt soliden Frederik Christensen ersetzte - und natürlich über Ismail Badjie, der den Vorzug vor David Kopacz im offensiven Mittelfeld erhalten hatte.

Alle drei Neuen hatten gegen Schweinfurt nicht gespielt, waren somit frisch. Aber auch abseits davon konnte man die Idee erkennen, die VfL-Trainer Timo Schultz vor allem mit der Nominierung von Lesueur und Badjie verfolgte: Sie waren die schnellsten und dribbelstärksten Spieler auf dem Feld, ihr Potenzial, den zwar giftig verteidigenden, aber in der Endgeschwindigkeit unterlegenen MSV-Verteidigern wegzulaufen, deutete sich im Spiel immer wieder an. Allerdings resultierte aus diesen Aktionen in Duisburg kein Ertrag: Lesueur hatte seine beste Szene in der ersten Halbzeit, als er Gegenspieler Niklas Jessen davonlief, zur Grundlinie durchbrach und den Ball flach zu Robin Meißner reinspielte, der aber dann abgeblockt wurde.

Badjie indes versuchte viel, kam auch ab und an am Gegner vorbei, brachte dann aber die Aktion oft nicht zu Ende, weil er abstoppte oder einen Fehlpass spielte - oder schlicht von einer Übermacht an extrem wachen Duisburgern gestellt wurde. MSV-Trainer Dietmar Hirsch hatte auf eine Fünferkette umgestellt, die VfL-Grundordnung sozusagen gespiegelt und dafür gesorgt, dass jeder Duisburger konsequent in seine Zweikämpfe ging und dabei seinem Nebenmann half - so, wie er es früher als Verteidiger selbst gemacht hatte.

Ein Vorgehen, dass auch Lars Kehl zu schaffen machte: Der Kreativspieler wirkte diesmal nicht ganz so flink und frisch wie sonst - das Fehlen durchschlagender Ideen machte sich auch bei Robin Meißner bemerkbar, der als vorderste Spitze etwas in der Luft hing, aber diesmal selbst auch mit Ballverarbeitungen und Passgenauigkeit zu kämpfen hatte. Der VfL war nach vorn nicht in Bestform, Duisburg hielt voll dagegen - so kippte die Partie Mitte der ersten Halbzeit in Richtung MSV, der in jener Phase nach einer von Bjarke Jacobsen unglücklich abgewehrten Freistoßflanke das Goldene Tor durch Florian Krüger erzielte.

Einer von zwei groben Fehlern der ansonsten weiter recht stabilen VfL-Hintermannschaft - aus dem zweiten, als ein langer weiter Schlag aus der Duisburger Hälfte im Getümmel am Strafraum auf dem Boden aufsprang, konnte Dominik Kother kein Kapital schlagen - er scheiterte an Lukas Jonsson. „Wir waren im Kopf und in den Beinen zu langsam“, sagte Schultz zur ersten Halbzeit in Duisburg. Danach aber hatte der MSV trotz vieler Räume für Konterspiel in der Schlussphase keine klare Chance mehr.

Der VfL rannte an, probierte viel, kam durch Wagner, Wiemann und Kehl zu Abschlüssen, keiner kam jedoch zwingend aufs Tor. Schultz hatte der ersten Elf weiter vertraut, diese machte es nun deutlich besser als vor der Pause. Erst in der 68. Minute gab es mit der Einwechslung von Kopacz einen Tausch in der Offensive - wohl auch bedingt dadurch, dass Schultz schon nach 25 Minuten reagieren und für den mit einer Sprunggelenksverletzung auch gegen Cottbus fehlenden Robin Fabinski auf der Innenverteidiger-Position Theo Janotta bringen musste.

Letztlich bissen sich die Osnabrücker, die erstmals seit acht Spielen und Mitte Februar (2:2 in Rostock) einem Rückstand hinterherlaufen mussten, trotz einer merklichen Steigerung in puncto Focus und Spielfreude am MSV die Zähne aus. Damit bleibt Duisburg zu Hause ungeschlagen bei bemerkenswerten zwölf Siegen in 16 Spielen (vier Remis), während der VfL seine erst dritte Auswärtsniederlage in 16 Spielen (zehn Siege) kassierte.

Zahlen, die zeigen: Diese Niederlage sollte die Lila-Weißen nicht aus der Bahn werfen. Ebenso wenig, dass der Vorsprung geschmolzen ist auf vier Punkte auf Platz drei sowie sieben Zähler auf Rang vier. Selbst bei einer weiteren Niederlage im Topspiel an der Bremer Brücke am Sonntag (13.30 Uhr) bliebe der VfL sehr sicher Tabellenführer vor den dann fünf verbleibenden Saisonspielen zu Hause gegen Verl und Ulm sowie in Wiesbaden, Ingolstadt und zum Abschluss in Großaspach gegen Stuttgart II.

Aber der VfL muss die richtigen Schlüsse aus dieser Pleite ziehen: Schon gegen Cottbus gilt es, in der ersten Halbzeit in Duisburg teils erkennbare Defizite in puncto Fokussierung und Durchsetzungswillen gar nicht erst aufkommen zu lassen. Ansonsten gilt es, nicht vom bisherigen Weg mit Fokus auf defensive Kompaktheit und klare offensive Abläufe abzurücken, der dem VfL die Tabellenführung beschert hat. „Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir dann jetzt jedes Spiel in dieser Liga gewinnen“, ordnete Schultz das 0:1 in Duisburg ein. Zieht der VfL sein Ding weiter durch, bleibt die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es trotz dem Ende der Siegesserie am Ende zum Aufstieg reicht.

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