Iran-Krieg Spritpreise sinken nur rund 3 Cent - Forderung nach mehr

dpa
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Von dpa
| 09.04.2026 04:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Spritpreise sind am Mittwoch gesunken. Foto: Andreas Arnold
Die Spritpreise sind am Mittwoch gesunken. Foto: Andreas Arnold
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Der Absturz der Ölpreise kommt nur teilweise an der Zapfsäule an, doch erste Zahlen vom Donnerstag deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Unterdessen geht die Debatte um mögliche Entlastungen weiter.

Mit dem Absturz der Ölpreise am Mittwoch sind auch Diesel und Benzin billiger geworden, wenn auch nur um einige Cent. Der Preis für einen Liter E10 lag nach Daten des ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitts des Mittwochs bei 2,155 Euro. Das waren 3,3 Cent weniger als am Vortag. 

Bei Diesel ging es um 2,8 Cent auf 2,419 Euro nach unten - das war der erste Rückgang nach zwölf Anstiegen in Folge. Benzin hatte sich bereits am Dienstag minimal verbilligt, nach davor elf Anstiegen in Folge.

Der Rückgang an der Zapfsäule um 1,5 beziehungsweise 1,1 Prozent folgt auf einen sehr viel stärkeren Absturz der Ölpreise, die von Dienstag auf Mittwoch um zweistellige Prozentzahlen gesunken waren, nachdem sich die Situation im Nahen Osten entspannt hatte. Am Donnerstagvormittag stieg der Ölpreis wieder etwas, blieb aber deutlich unter dem Niveau des Dienstags. 

Mittagssprung deutet in Richtung weiter sinkender Spritpreise

Auch am Donnerstag verteuerte sich Sprit am Mittag - seit 1. April ist nur noch dann eine Erhöhung erlaubt. Der Sprung selbst fiel zwar etwas höher aus als am Mittwoch. Allerdings lagen die Preise für die Kraftstoffe sowohl vor als auch nach der mittäglichen Erhöhung deutlich niedriger als zum jeweils gleichen Zeitpunkt des Vortages. Das deutet darauf hin, dass auch der Tagesdurchschnittspreis für den Donnerstag einige Cent niedriger ausfallen könnte. 

Experten gehen davon aus, dass es einige Zeit dauern kann, bis die Auswirkungen des niedrigeren Ölpreises vollständig an den Tankstellen ankommen. Auch aus früheren Krisen ist dieser sogenannte Rakete-und-Feder-Effekt bekannt - einem schnellen, starken Preisanstieg folgt ein nur langsamer Rückgang. 

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, will mehr Tempo: Er sagte dem „Handelsblatt“: „Sinkende Rohölpreise sind ein klares Signal - und sie sollten sich auch zeitnah an der Zapfsäule widerspiegeln.“ Die Preiserhöhungen seien davor sehr schnell weitergegeben worden. „Es wäre nur folgerichtig, wenn das in die andere Richtung genauso gilt.“

Kartellamtschef Andreas Mundt erwartet sinkende Spritpreise. (Archivbild) Foto: Oliver Berg
Kartellamtschef Andreas Mundt erwartet sinkende Spritpreise. (Archivbild) Foto: Oliver Berg

Mundt betont aber die Grenzen der Macht seiner Behörde. Sie könne die Preise nicht „auf Knopfdruck senken“, sagt er. „Unsere Aufgabe ist es, zu prüfen, ob Regeln verletzt werden, und dann konsequent einzugreifen.“ Das gehe nicht in wenigen Tagen, weil man belastbare Belege brauche. 

„Ein möglicher Missbrauch von Marktmacht muss gerichtsfest nachgewiesen werden – daran führt in einem Rechtsstaat kein Weg vorbei.“ Hohe Preise allein seien noch kein Verstoß gegen das Kartellrecht. Vielmehr gehe es um die Frage, ob solche hohen Preise durch Wettbewerb zustande kamen oder durch missbräuchliches Verhalten, sagte Mundt.

Der ADAC fordert, angesichts des stark gesunkenen Ölpreises am Mittwoch sei der Rückgang der Kraftstoffpreise mehr als angebracht. „Bei andauernd niedrigeren Ölpreisen muss sich dieser Preisrückgang fortsetzen.“

Benzinpreis stieg zuletzt deutlich schneller als bei Nachbarn

Insgesamt ist Tanken derzeit sehr viel teurer als vor Kriegsausbruch. Bei E10 sind es rund 38 Cent, bei Diesel etwa 67 Cent. Das macht den Kilometer mit einem typischen Diesel rund 5 Cent teurer als vor Kriegsbeginn. Ein Kilometer mit einem typischen Benziner kostet rund 3 Cent mehr. 

Bisherige Maßnahmen der Bundesregierung gegen die steigenden Spritpreise haben bisher keine durchschlagende Wirkung gezeigt. Im Gegenteil: Daten der EU-Kommission, die die dpa ausgewertet hat, zeigen, dass der Benzinpreis in Deutschland zuletzt deutlich schneller gestiegen ist als in den EU-Nachbarländern. 

Die Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum vom vorletzten zum letzten Montag, umfassen also auch mehrere Tage, an denen die neue 12-Uhr-Regel galt, nach der die Preise nur noch einmal täglich zur Mittagszeit erhöht werden dürfen.

Kritiker der neuen Regel hatten bereits im Vorfeld davor gewarnt, dass sie die Preise antreiben statt senken könnte. Ob dies der Fall ist, lässt sich aus den Daten allerdings nicht klar ablesen. Zudem ergaben sich beim Dieselpreis keine klaren Auffälligkeiten. 

Energiepreis-Gipfel am Freitag

Vizekanzler Lars Klingbeil hat Wirtschaft und Gewerkschaften für diesen Freitag zu einem Energiepreis-Gipfel eingeladen. Der SPD-Chef hatte zuletzt angeregt, Bürgerinnen und Bürger gezielt, zum Beispiel über eine Mobilitätsprämie, zu entlasten und das über eine Übergewinnsteuer quasi von den Energiekonzernen finanzieren zu lassen. Außerdem wirbt er für einen flexiblen Preisdeckel für Sprit. 

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) fordert rasches Handeln, lehnt einige Möglichkeiten aber ab: „Die Bürgerinnen und Bürger brauchen jetzt eine Spritpreisbremse an der Zapfsäule und keine Spritpreis-Debatte in der Regierung“, sagte der CDU-Politiker der dpa. „Mein Vorschlag ist klar: Der Staat sollte die krisenbedingten Steuermehreinnahmen an die Bürger zurückgeben und die Spritsteuer senken.“ 

Rhein sagte: „Jeder Cent, der zusätzlich eingenommen wird über die Mehrwertsteuer, muss runter auf der Preistafel bei der Tankstelle.“ Eine Erhöhung der Pendlerpauschale wirke erst mittelbar und komme damit zu spät an bei den Bürgerinnen und Bürgern. „Eine Übergewinnsteuer hat erhebliche Schwierigkeiten in der Umsetzung und ist das falsche Signal in Zeiten einer Krise bei der Wirtschaft.“ Er betonte: „Wir brauchen eine Übersteuerrückzahlung an die Autofahrer und keine Übergewinnsteuer für die Unternehmen.“

DIW-Chef Fratzscher gegen höhere Pendlerpauschale

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht eine mögliche Erhöhung der Pendlerpauschale kritisch. Sie wäre „ein ineffizientes und teures Instrument, das die sozialen Ungleichheiten weiter verschärfen dürfte“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Viel wichtiger als der Benzinpreis sind für die meisten Menschen die hohen und steigenden Lebensmittelpreise.“ Die Bundesregierung sollte lieber Priorität auf Einsparungen beim Energieverbrauch von fossilen Energieträgern legen und die Menschen entlasten, die besonders dringend Hilfe benötigten. Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist gegen eine höhere Pendlerpauschale. Sie sei ein „Steuergeschenk für Besserverdienende“. Menschen, die weniger als den Steuerfreibetrag verdienten, profitierten gar nicht von ihr.

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