Osnabrück Er macht aus einer Hinterhofgarage in Osnabrück einen Musik-Club
Wenn Wolfgang Köster mit seiner racke-rauchzarten Stimme anfängt, Geschichten zu erzählen, wird deutlich, welche lebendige Live-Musik-Szene Osnabrück mal hatte. Mit seiner Hinterhofgarage ist er ein Teil davon geworden.
Zu den Eingangsfragen dieser Artikelserie zählt, ob die Protagonistin oder der Protagonist Osnabrücker ist. Wolfgang Köster beantwortet sie mit einem seltenen Enthusiasmus: „Durch und durch und absolut überzeugt.“ Doch er ist nicht nur eingefleischter Osnabrücker, sondern auch Rock'n'Roller mit Leib und Seele. Mit seiner Garage bereichert er die hiesige Musiklandschaft,
Das Interesse für Osnabrück sei durch seinen Vater bedingt, erzählt der 75-Jährige weiter. Der führte früher das vom Großvater gegründete Geschäft Papier Köster, das damals an der Möserstraße beheimatet war. Sein alter Herr kannte eine Menge Leute und sich mit der Stadtgeschichte aus. „Auf dem Sterbebett hat er zu mir gesagt: Wenn du noch was über Osnabrück wissen willst, bring morgen einen Zettel mit. In zwei Tagen kann ich das nicht mehr beantworten“, erzählt Wolfgang Köster. Tatsächlich segnete sein Vater zwei Tage später das Zeitliche.
Die Geschichten Wolfgang Kösters sind ebenso derb wie skurril. Sein erstes Konzert habe in Emsdetten stattgefunden, sagt er. Es waren The Searchers, eine britische Band, die in den Sechzigerjahren eine große Fangemeinde hatte. Lachend erzählt er weiter: „In der Konzertpause wurden Hühner versteigert.“
Dem Konzert von The Searchers und den Hühnern folgten viele weitere. Etliche davon hat Wolfgang Köster in Osnabrück gesehen, in Orten, die es heute nicht mehr gibt und die jüngeren Menschen unbekannt sind. Zum Tanztee sei er sonntags immer ins Schlossgartencafé hinter dem ehemaligen Gewerkschaftshaus gegangen, wo heute das Hotel ist. Dort hätten The Rattles und The Lords gespielt, aber auch viele Osnabrücker Bands wie The Dynamites, die am 18. April in der Hinterhofgarage von ihm spielen, erzählt Wolfgang Köster.
In der Ludwigshalle Hehmann in Gretesch habe er The Spotnicks fotografiert, erinnert er sich. Damals habe er auch Kalla Wefel, den Kabarettisten und Musiker, und Todor „Toscho“ Todorovic, den Chef der Blues Company, kennengelernt. Auch sie sind in seiner Garage aufgetreten.
1965 stieg Wolfgang Köster als Lehrling in den Betrieb seines Vaters ein. 1990 übernahm er ihn schließlich. Die Zeit als Konzertgänger war zwar für ihn noch nicht abgeschlossen, aber als die Discjockeys Ende der Sechziger den Job der Live-Bands übernahmen, sei das nicht mehr seine Welt gewesen, sagt er. „Ganz weg war die Musik aber nie.“
Vor neun Jahren holte die Musik den Buddy-Holly-Fan wieder ein. Am 24. Mai 2017 fand das erste Konzert in seiner Garage an der Pattbrede/Ecke Iburger Straße statt. Damals spielte sein alter Kumpel Kalla Wefel auf zwei Rollgerüsten, die als Bühne herhalten mussten. „Das sah aus wie ein Boxring“, erinnert sich Wolfgang Köster. Eigentlich wollte er nur ein Fest für die Interessensgemeinschaft Iburger Straße organisieren, sagt er. Aber dann ist mehr daraus geworden.
Nach und nach hat Wolfgang Köster mithilfe von Freunden und Nachbarn die Hinterhofgarage zu einem Konzertort ausgebaut. Nun können die Musiker auf einer richtigen Bühne mit einer richtigen Anlage stehen und musizieren. In schöner Unregelmäßigkeit kommen Menschen aus der Nachbarschaft, aber auch aus ganz Osnabrück zu den Konzerten. „Wir haben hier vor allem ein älteres Publikum, aber auch viele alleinstehende Frauen. Hier werden sie nicht dumm angemacht.“ Für Wolfgang Köster sind die Konzerte aber immer Nachbarschaftstreffs. Deswegen will er das auch nicht an die große Glocke hängen.
Viele Bands wissen um die musikalische Vorliebe von Wolfgang Köster und spielen ihm zu Ehren ein Stück von Buddy Holly. Das freut ihn natürlich. Im Mittelpunkt stehen mag er jedoch nicht so gerne. Auch über die Fotos ist er nicht so erfreut. „Meinst du, das will dann noch einer lesen?“, fragt er. Aber klar doch.