Osnabrück  Osnabrück will umbauen: So soll das Viertel rund um die Herz-Jesu-Kirche sein Gesicht verändern

Anke Laumann
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Von Anke Laumann
| 13.04.2026 06:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Stadt will das Remarqueviertel mit der Herz-Jesu-Kirche im Zentrum weiterentwickeln. Sie bewirbt sich für ein Förderprogramm des Landes. Foto: Benjamin Beutler
Die Stadt will das Remarqueviertel mit der Herz-Jesu-Kirche im Zentrum weiterentwickeln. Sie bewirbt sich für ein Förderprogramm des Landes. Foto: Benjamin Beutler
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Zu viel Asphalt, zu wenig Identität: Die Stadt Osnabrück will das Viertel rund um die Herz-Jesu-Kirche (Remarquequartier) sanieren. An welchen Stellen es hakt und woher das Geld kommen soll.

Zu wenig Grün, zu große Parkplätze, brachliegende Flächen: Im Viertel rund um die Herz-Jesu-Kirche in Osnabrück gibt es aus Sicht der Verwaltung mehrere Probleme. Sie will das Gebiet städtebaulich sanieren und hofft dafür auf Geld vom Land.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Als Erstes hat die Stadtverwaltung ein Untersuchungsgebiet festgelegt. Das ist 16,8 Hektar groß und erstreckt sich zwischen der Hase und dem Herrenteichswall im Westen, dem Erich-Maria-Remarque-Ring im Osten, der Schillerstraße im Süden und der historischen Pernickelmühle mit dem Stauwehr im Norden. Die Verwaltung bezeichnet das Gebiet, in dem auch das Iduna-Hochhaus liegt, als „Remarquequartier“.

Das Gebiet taucht nicht zum ersten Mal in den Planungen der Stadt auf. Es ist Teil des städtebaulichen Masterplans Innenstadt Osnabrück aus dem Jahr 2019. Stadtplaner, Politiker und fast 200 Osnabrücker Bürger hatten einen Plan für die Entwicklung der Innenstadt entworfen und gezeigt, was aus ihrer Sicht verbesserungswürdig ist. Der Befund für das Remarquequartier: Es gibt große, prägende Gebäude, aber wenig Wohnungen. Viele Flächen sind versiegelt, andere liegen brach. Dem Quartier fehle eine Identität, hieß es damals.

An dieser Einschätzung hat sich seitdem grundlegend nichts geändert. Städtebau-Fachbereichsleiter Holger Clodius hat das Quartier im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt. Die Verwaltung sieht 15 Schwerpunkte, an denen sich etwas tun könnte.

Da ist etwa der Bereich zwischen der Karlstraße und der Bahnstrecke. Die großflächigen Parkplätze könnten durch ein Parkdeck ersetzt werden und so den Parkdruck in der Innenstadt nehmen.

Auch den Herrenteichswall mit den Verkehrsproblemen nimmt die Verwaltung in den Blick. Die Radwege seien nicht eindeutig zu erkennen, es gebe Nutzungskonflikte zwischen Radfahrern und den Autofahrern, die dort parken wollen.

Und dann gibt es die Herz-Jesu-Kirche als Zentrum des Quartiers. Die denkmalgeschützte Kirche ist profaniert und steht leer. Es gibt aber eine Idee für eine künftige Nutzung. Das Probenzentrum des Theaters könnte dort einziehen. Für Stadtbaurat Thimo Weitemeier ist es eine wichtige Frage, wie die Kirche im Stadtbild erhalten werden kann. Sie als kulturelles Zentrum zu entwickeln, sei ein schönes Beispiel für eine Nachnutzung. Die Entscheidung darüber, ob das Probenzentrum tatsächlich in die ehemalige Kirche zieht, steht aber noch aus. Bis zu den Sommerferien will die Verwaltung eine Sitzungsvorlage erarbeiten, kündigte Weitemeier an.

Das Untersuchungsgebiet ist mit seinen 16,8 Hektar etwas größer als nötig. Die Verwaltung hat bewusst etwas Puffer eingeplant. Wenn alle Daten und Missstände ausgewertet sind, soll ein passendes Sanierungsgebiet festgelegt werden.

Überhaupt stehen die Überlegungen zum Remarquequartier am Anfang. Wenn der Stadtrat in seiner Sitzung am 21. April zustimmt, vergibt die Stadt einen Auftrag für vorbereitende Untersuchungen und die Aufstellung eines integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK). Die Verwaltung rechnet dafür mit Kosten von 90.000 Euro.

Nur mit diesem ISEK in der Hand kann sich die Stadt für das Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren“ bewerben. Wie viel Geld das Land bei einer Zusage gibt, bleibt abzuwarten. Laut Stadtbaurat Thimo Weitemeier liegt die Förderung zwischen gut 60 und maximal 90 Prozent der Sanierungskosten. Wenn die Stadt nächstes Jahr alles zusammen hat und sich für das Programm bewirbt, könnte 2028 mit der Sanierung begonnen werden.

Von den Parteien gab es im Ausschuss viel Lob. „Sie haben ein gutes Quartier ausgesucht“, sagte Anette Meyer zu Strohen (CDU) in Richtung Verwaltung. An den genannten Stellen müsse dringend etwas passieren. Auch Volkmar Seliger (Grüne) sprach von einem Quartier mit „sehr viel städtebaulichem Potenzial“. Für ihn gebe es auch über das ausgewiesene Quartier hinaus Verbesserungsbedarf. Als Beispiel nannte er den Bereich nördlich des Altstadtbahnhofs und der Vitischanze. Dieser ist „genauso bedürftig“.

Sven Schoppenhorst (CDU) war zu Beginn skeptisch. „In dem Gebiet ist nur Schule, noz, Kino, Kirche. Was wollt ihr da planen?“, habe er sich gefragt. Die Vorstellung habe ihm jedoch die Augen geöffnet. Er sei gespannt, welche Ideen es für das Gebiet noch gibt.

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