Tiere Tücher für den Buckelwal - Rettungsaktion gestartet
Die ersten Schritte des privaten Rettungsversuchs sind getan: Taucher haben sich dem Wal genähert. Das bei Wismar gestrandete Tier lebt noch, ist aber schwer krank. Kann die Aktion gelingen?
Sechs Helfer nähern sich am Mittag im hüfttiefen Wasser dem bei Wismar gestrandeten Buckelwal. Sie spritzen zunächst mit den Händen Wasser auf das große Tier. Ehe sie sich wieder entfernen, legen sie ein Tuch auf den Wal, das allerdings nur einen kleinen Teil von ihm bedeckt - weitere Tücher werden folgen. Es sind die ersten Schritte einer privaten Rettungsaktion, die zahlreiche Menschen in Deutschland gebannt verfolgen.
Die Details der Pläne sind nicht öffentlich bekannt. Beim Verfolgen der Live-Streams aus großer Distanz bleiben manche Fragezeichen zurück, was die Helfer gerade genau dort machen. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hatten am Mittwoch eine private Rettungsmission genehmigt.
Demnach soll versucht werden, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die Pontons ziehen.
Schweres Gerät eingetroffen
Das schwere Gerät für den wohl letzten Versuch zur Rettung des gestrandeten Buckelwals kommt um 13.30 Uhr an. Ein Konvoi von mehreren Lastwagen bringt riesige Pontons in den kleinen, von der Polizei gesperrten Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel. Von dort ist der Buckelwal in der Wismarer Bucht kaum noch mit bloßem Auge zu sehen. Aber er liegt dort schon den 17. Tag, schwer krank. Der Versuch, ihn lebend zu retten, ist ein komplexes und gewagtes Unterfangen.
Private Initiative übernimmt die Verantwortung für die Aktion
Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative, die für die Aktion laut Umweltministerium in Schwerin die Verantwortung trägt. Ohne diesen Versuch werde der Wal in jedem Fall sterben, hatte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz der Deutschen Presse-Agentur dpa gesagt. „Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.“
Hinter dem Konzept stehen neben Gunz die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. „Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie“, sagte die Unternehmerin der dpa. Sie wüssten, dass der Rettungsversuch letal ausgehen könne. „Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“ Dann sei das die Natur. „Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen.“
Bereits am Morgen viele Zuschauer
Etwas näher und in Sichtweite des Wals, rund zwei Kilometer von Kirchdorf entfernt, haben am Kirchseeufer schon früh am Morgen die ersten Kamerateams Position bezogen. Stundenlang tut sich wenig. „Wir müssen erst mal ins Arbeiten kommen“, sagt ein Mitglied des privat initiierten Orga-Teams. Am Anlieger in Kirchdorf, wo es Kaffee, Fischbrötchen und Backfisch gibt, verfolgen viele Menschen das Kommen und Gehen der Journalisten und Polizeiwagen.
Umweltminister Backhaus vor Ort
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) kommt zweimal am Vormittag vorbei, um Fragen von Journalisten und Bürgern zu beantworten. Der Wal habe eine Chance, sagt er. Der Wal beschäftigt Backhaus seit Wochen. Dass es einen weiteren Rettungsversuch gebe, habe damit zu tun, dass erstmals ein geeignetes ernstzunehmendes Konzept vorliege, das minimalinvasiv vorgehe.
Verantwortung liegt komplett bei privater Initiative
Zuvor sah alles danach aus, dass die Reise des Wals vor der Insel Poel enden würde. Experten hatten erklärt, dem kranken und geschwächten Tier könne nicht sinnvoll geholfen werden. Die Verantwortung für die neue Aktion liege komplett bei den Initiatoren, betonte Backhaus, auch finanziell. „Die haben unser Haus komplett freigestellt.“
Die Situation des Wals hatte zuletzt für starke Emotionen gesorgt. Von Anfeindungen und sogar Morddrohungen gegen Beteiligte war die Rede. Menschen protestierten vor Ort und drangen in einen Sperrbereich ein.
Reaktionen auf Aktion unterschiedlich
Der Meeresbiologe Boris Culik bewertet den aktuellen Rettungsversuch des vor der Insel Poel gestrandeten Buckelwals durchaus positiv. Er schätze die Maßnahmen, die man vorhabe, als sehr vielversprechend ein, sagte Culik, der früher am Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel gearbeitet hat. „Also, man kann ihn damit auf jeden Fall aufschwimmen.“
Dennoch sei es eine andere Frage, ob der Wal dies überlebe, sagte Culik. Denn das Hauptproblem des Netzrestes in seinem Maul bleibe bestehen. „Wenn man ihn nicht davon befreit, wie soll er sich dann ernähren und wieder zu Kräften kommen?“
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace beteiligt sich nicht an der geplanten Rettungsaktion für den vor der Ostsee-Insel Poel gestrandeten Buckelwal: „Wir unterstützen die Rettungsaktion nicht, denn nach allen uns vorliegenden Informationen ist dieser Wal krank und stark geschwächt“, teilte eine Sprecherin auf dpa-Nachfrage mit.