Osnabrück Friedensgespräch über Kunstfreiheit: Welche Rolle spielen Ödipus, Kunsthalle und EMAF?
Ein hochkarätig besetztes Podium diskutiert beim Osnabrücker Friedensgespräch am Dienstag, 21. April, Fragen zur Kunstfreiheit. Wir haben bei der Moderatorin Martina Blasberg-Kuhnke nachgefragt, wie weit Osnabrücker Vorfälle eine Rolle spielen.
Sommer 2024: Die „Kannibalistischen Choräle“ und eine Installation der Künstlerin Sophia Süßmilch in der Kunsthalle Osnabrück lösen heftige Kontroversen aus über die Frage, was Kunst darf und was nicht. Sommer 2025: Das Theater Osnabrück sagt die Produktion „Ödipus Exzellenz“ ab, bei der sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche thematisiert werden sollte – ein Teil der Bevölkerung und der Medienöffentlichkeit reagiert empört wegen der vermeintlichen Selbstzensur des Theaters.
Frühjahr 2026: Buchhandlung Sedlmair in Georgsmarienhütte wird mit einem Preis des Staatsministeriums für Kultur ausgezeichnet. Doch vorher hatte Staatsminister Wolfram Weimer drei Buchhandlungen aus unklaren Gründen von der Verleihung ausgeschlossen. Und nochmal Frühjahr 2026: Die Stadt Osnabrück distanziert sich von Teilen des Programms des diesjährigen European Media Art Festivals (EMAF), weil eine Künstlerin angeblich antisemitische Positionen vertrete.
Darin zeigt sich: Kontroversen über Kunst werden mittlerweile auch in Osnabrück ausgetragen. Nimmt sich das Osnabrücker Friedensgespräch am Dienstag, 21. April, in der Aula des Schlosses deshalb des Themas an? „Alles Kunst?“, fragt der Titel der Gesprächsrunde. „Zwischen Meinungsfreiheit und Cancel Culture“ heißt es weiter. Das klingt, als sei es gemünzt auf die Kulturszene der Friedensstadt.
Martina Blasberg-Kuhnke, Vorsitzende des wissenschaftlichen Rates der Friedensgespräche und Moderatorin der Veranstaltung am kommenden Dienstag, verneint. „Wir haben das Thema seit zwei Jahren auf unserer Longlist“, sagt sie im Gespräch mit noz. Denn die Freiheit der Kunst hänge direkt mit unserem Demokratieverständnis zusammen. Cancel Culture ist zum Kernthema des kulturellen Diskurses geworden. „Osnabrück ist da ein Seismograf“, sagt Blasberg-Kuhnke, „aber das Thema betrifft die ganze Gesellschaft.“
Nach der abgesagten „Ödipus“-Produktion hatte sich eine Aktionsgruppe gegründet, die eine Kooperation mit den Friedensgesprächen anregte. „Aber mit ihrem offenen Brief hat die Gruppe aktivistisch reagiert“, sagt Blasberg-Kuhnke. „Und die Friedensgespräche sind nicht aktivistisch.“
Stattdessen haben die Friedensgespräche „den Anspruch, Themen wissenschaftlich verantwortungsvoll“ zu behandeln und „Dinge zu sortieren“, sagt Blasberg-Kuhnke. Kunstfreiheit und Cancel Culture, was darf Kunst und welche Rolle spielt die Politik dabei, wie verhalten sich Kunst und politischer Aktivismus zueinander – darüber soll auf dem Podium diskutiert werden.
Dort sitzen die ehemalige Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, sowie der Intendant der Berliner Festspiele, Matthias Pees. Komplettiert wird die Runde durch den Osnabrücker Künstler Alexej Eisner. Ob er für die Osnabrücker Anbindung des Themas sorgt, ist freilich offen. Fest steht: Eine halbe bis dreiviertel Stunde will Blasberg-Kuhnke dem Plenum widmen. Gut möglich, dass dann Kunsthalle, Theater und EMAF doch zum Thema werden.