Osnabrück  Riesenjubel in der Nachspielzeit: VfL Osnabrück steht mit einem Bein in der 2. Bundesliga

Susanne Fetter, Malte Artmeier
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Von Susanne Fetter, Malte Artmeier
| 25.04.2026 16:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Trifft zum Ausgleich: Bjarke Jacobsen köpft das 1:1 für den VfL Osnabrück gegen Verl. Foto: Osnapix/Michael Titgemeyer
Trifft zum Ausgleich: Bjarke Jacobsen köpft das 1:1 für den VfL Osnabrück gegen Verl. Foto: Osnapix/Michael Titgemeyer
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Der VfL Osnabrück steht mit einem Bein in der 2. Fußball-Bundesliga. Mit 2:1 haben die Lila-Weißen gegen den SC Verl gewonnen und feierten danach lautstark an der Bremer Brücke. In der Nachspielzeit ließ der eingewechselte Bernd Riesselmann Fans und Mannschaft mit seinem Siegtreffer jubeln.

Als Bernd Riesselmann in der Nachspielzeit alleine auf das Verler Tor zulief hielten knapp 15.000 Zuschauer an der Bremer Brücke den Atem an. Danach schallte ein Jubelschrei durch das Stadion – so laut, dass ihn die ganze Stadt gehört haben dürfte.

Ausgerechnet der junge Stürmer, der im Sommer nach seiner Leihe aus BW Lohne zurückgekehrt war, schoss nach seiner Einwechslung den VfL zum so wichtigen Sieg im Aufstiegsrennen der 3. Fußball-Liga – und das mit seinem ersten Saisontreffer an der Bremer Brücke im Dress des VfL. Mannschaft und Trainerteam rannten auf den Rasen, alle lagen sich in den Armen und das ganze Stadion machte das lila-weiße Licht an und sang: „Wir steigen auf!“

Ganz zurück ist der VfL noch nicht in der 2. Fußball-Bundesliga. Aber vom Aufstieg sind die Osnabrücker nach dem Sieg nur noch einen Mini-Schritt entfernt. Mit 73 Punkten stehen sie drei Spieltage vor Schluss an der Spitze der Tabelle. Sollte Energie Cottbus am Sonntag bei Viktoria Köln verlieren, kann der VfL von einem direkten Aufstiegsplatz nicht mehr verdrängt werden.

Mit dem 21. Saisonsieg am vergangenen Wochenende beim FC Ingolstadt hatte der VfL einen Riesenschritt in Richtung Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga gemacht. Die Tür zum Aufstieg hatte sich am Freitag noch ein Stückchen weiter geöffnet, nachdem der MSV Duisburg 1:3 bei Alemannia Aachen verloren hatte. Die Niederlage der Zebras war eine Voraussetzung dafür, dass der VfL möglicherweise schon an diesem Wochenende den Aufstieg feiern kann. Dazu müsste Energie Cottbus am Sonntag bei Viktoria Köln unterliegen. Davor aber musste der VfL erst einmal selbst gegen den SC Verl gewinnen.

Wie schon beim 1:0-Sieg gegen Energie Cottbus war die Kulisse von Beginn an da. „So laut wie jeder kann, feuern wir euch an“, schallte es aus der Ostkurve, die damit die Marschrichtung vorgab gegen den Nachbarn aus Westfalen. Gegen den SC Verl hatte der VfL in der Hinrunde eine von zwei deftigen Niederlagen hinnehmen müssen. Mit 1:4 unterlagen die Osnabrücker im Winter beim SC, der zu diesem Zeitpunkt noch vor dem VfL lag. Doch nach einer starken Rückrunde zogen die Lila-Weißen vorbei. Für Verl war die Partie in Osnabrück der letzte Strohhalm im Kampf um einen Aufstiegsplatz weiter dranzubleiben.

Der VfL blieb gegen Verl bei seinem bewährten System. In die Startelf zurückkehrten die in Ingolstadt gelbgesperrten Yigit Karademir und Frederik Christensen. Theo Janotta und Tony Lesueur nahmen dafür wieder auf der Bank Platz. Dort saß auch erneut Ismail Badjie, der in Ingolstadt nach seiner Einwechslung erneut das 1:0 erzielt hatte.

Der VfL machte vor allem über die linke Seite zu Beginn Druck. Christensen setzte mehrfach zum Lauf an, fand aber entweder in der Mitte keinen Abnehmer seiner Flanke oder stand im Abseits. Auch Verl kombinierte sich immer wieder schnell durchs Mittelfeld. Die Partie hatte bereits in der ersten Viertelstunde ordentlich Tempo.

Gegen die beste Offensive der Liga – 74 Tore hatte Verl bisher erzielt – baute der VfL auf seine defensive Stärke. Erst 27 Gegentreffer hatten die Osnabrücker zuvor kassiert (vier davon im Hinspiel gegen Verl). Auch offensiv übernahm der VfL in der Partie immer mehr die Spielkontrolle. Die erste gute Chance hatte Robin Meißner in der 25. Minute. Nach einem Pass von Niklas Wiemann kam er im Strafraum zum Schuss, den Philipp Schultze allerdings parieren konnte.

Kurz darauf allerdings geriet der VfL dennoch in Rückstand – mehr durch eigenes Verschulden als durch einen gelungenen Verler Angriff. Ein katastrophaler Fehlpass von Fridolin Wagner landete bei Berkan Taz. Am Ende allerdings bugsierte VfL-Kapitän Jannik Müller bei seinem Abwehrversuch den Ball zum 1:0 für die Gäste ins Tor.

Der VfL schüttelte sich und versuchte weiter in den Strafraum der Verler zu kommen. Bjarke Jacobsen ging dort zu Boden und monierte, am Trikot gezogen worden zu sein. Offenbar aber zu wenig für Schiedsrichter Tobias Reichel. Verl wurde nun aber auch mutiger. Eine Flanke von der linken Seite landete auf dem Tornetz. Bis zur Pause übernahm der VfL wieder die Spielkontrolle. Ein Freistoß von Lars Kehl und eine Flanke des ehemaligen Verlers Patrick Kammerbauer von der rechten Seite kamen gefährlich in den Strafraum, fanden dort aber keinen Abnehmer.

Mit einem 0:1-Rückstand ging der VfL in die Kabine – begleitet von aufbauendem Applaus. Furios kehrte die Mannschaft zurück aufs Feld. Gerade einmal 32 Sekunden waren gespielt, da traf Jacobsen zum 1:1-Ausgleich. Einen Einwurf von Christensen passte Kehl zurück zum Dänen, dessen Flanke den Kopf seines Landsmannes fand. Es war das fünfte Saisontor des Mittelfeldspielers, der beim VfL zu den Säulen der Mannschaft zählt.

Trainer Timo Schultz hatte die Szenerie am Spielfeldrand beobachtet und reckte nach dem Treffer die geballte linke Faust in den Himmel. Nicht nur der 48-Jährige wusste, wie wichtig dieser Treffer für die Lila-Weißen war und wie wertvoll er noch werden konnte.

Nur sechs Minuten später hatte Verl die große Möglichkeit, erneut in Führung zu gehen. Einen Schuss von Marco Wörner parierte Lukas Jonsson ganz stark mit dem Fuß. Beim VfL kamen erst Badjie und dann Kai Pröger in die Partie. Ein Schuss von Pröger nach einer Ecke von der rechten Seite (74.) ging aus etwa 18 Metern knapp am Tor vorbei. Kurz darauf kam der 33-Jährige erneut an den Ball und zog in die Mitte. Sein Schuss von der Strafraumgrenze war allerdings kein Problem für Verls Torhüter Schulze. Doch auch Verl blieb gefährlich. Einen schnellen Konter konnte Müller entschärfen, ein Schuss von Taz ging knapp über das Tor. Vier Minuten vor dem Ende konnte Jonsson einen Schuss von Alessio Besio nur nach vorne abprallen lassen, den Nachschuss lenkte der Schwede dann zur Ecke.

Schultz wechselte noch ein letztes Mal, brachte Bernd Riesselmann und Tony Lesueur in die Partie für Wagner und Meißner. Auch Verl warf noch einmal alles nach vorne. Ein Befreiungsschlag von Pröger landete bei Riesselmann, der alleine auf SC-Keeper Schulze zulief, diesen umkurvte und zum umjubelten 2:1 für den VfL traf. Danach wurde es an der Bremer Brücke laut.

Trainerteam und Mannschaft rannten auf den Rasen, die Fans feierten ihren VfL, der nun mit einem Bein in der 2. Bundesliga steht. Der Vorsprung auf den vierten Platz beträgt aktuell zehn Punkte. Essen (64 Zähler) spielt am Sonntag gegen Saarbrücken, Cottbus (63) tritt bei Viktoria Köln an. Verliert Energie am Sonntag, steigt der VfL auf dem Sofa auf. Ein Teil der Fans dürfte am Sonntag die Reise nach Köln antreten, um die Partie live im Stadion zu erleben und die Viktoria zu unterstützen gegen die Mannschaft von Ex-Trainer Claus-Dieter Wollitz.

Siegt Energie, kann der VfL am kommenden Wochenende in die 2. Bundesliga zurückkehren – möglicherweise sogar schon vor dem Spiel beim SV Wehen Wiesbaden am Sonntag um 16.30 Uhr. Denn davor tritt Cottbus in Duisburg an. So oder so, die Fans rüsten sich schon einmal für die ganz große Party. Nach diesem Sieg an der Bremer Brücke ist er ganz ganz nah.

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