Osnabrück Der 2. Bundesliga ganz nah: VfL Osnabrück nach Essener Pleite nur noch rechnerisch aufzuhalten
Den „Sofa-Aufstieg“ am Sonntag hat es nicht gegeben, doch nach der Niederlage von Rot-Weiss Essen ist der VfL Osnabrück dem großen Traum ganz ganz nah. Den Relegationsplatz in der 3. Liga hatte die Mannschaft schon nach dem 2:1-Sieg gegen den SC Verl sicher, jetzt reicht dem VfL in drei Spielen ein Punkt oder ein Patzer der Konkurrenz zur Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga.
Voller Spannung hatten am Sonntag Mannschaft und Fans des VfL Osnabrück auf die Konkurrenz geschaut. Bei einer Niederlage von Energie Cottbus in Köln hätten sie schon an diesem Wochenende den Aufstieg feiern können. Doch der Ostklub gewann bei der Viktoria mit 2:0. Richtig gegrämt haben dürften sich nur wenige. Nach dem 2:1 gegen den SC Verl war der Aufstieg des VfL ohnehin ganz nah. Nach der Niederlage von Rot-Weiss Essen am Sonntagabend ist er sogar noch ein Stück näher gerückt. Denn drei Spieltage vor Schluss ist dem VfL die Rückkehr in die 2. Fußball-Bundesliga nur noch rechnerisch zu nehmen.
Mit 73 Punkten steht der VfL nach dem Sieg gegen Verl nun an der Spitze der Tabelle der 3. Liga. Neun Punkte Vorsprung hat die Mannschaft drei Spieltage vor Schluss auf RW Essen. Dazu eine um 15 Treffer bessere Tordifferenz. Heißt: Der VfL benötigt nur noch einen eigenen Punkt aus drei Spielen oder einen Patzer der Konkurrenz, um den Aufstieg klar zu machen.
Zu nehmen wäre er den Lila-Weißen nur noch, würden sie alle drei Spiele hoch verlieren und Essen alle drei Spiele hoch gewinnen. Ein unwahrscheinliches Szenario bei der stabilsten Rückrundenmannschaft der Liga, die 2026 bisher erst ein Spiel verlor (beim MSV Duisburg).
Schon am Samstag waren sich spätestens nach der fünften Minute der Nachspielzeit im Stadion an der Bremer Brücke die meisten sicher: Der Aufstieg ist dem VfL nicht mehr zu nehmen. Bernd Riesselmann, der junge Stürmer, der im eigenen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildet wurde, rannte kurz nach der Mittellinie mit dem Ball auf das Verler Tor zu. Dreimal schaute er nach oben. Einmal, um zu sehen, ob ihm jemand folgte. Einmal, um zu sehen, ob noch jemand besser postiert war als er. Und einmal, um zu schauen, wie er den Ball am besten ins Tor bekommen könnte.
Der 20-Jährige entschied sich, den Verler Torwart zu umkurven und den Ball einzuschieben. Nach seinem ersten Saisontor bei Hansa Rostock kurz vor Schluss, das dem VfL einen wichtigen Auswärtspunkt sicherte, hatte Riesselmann einen Wunsch für diese Saison geäußert: „Jetzt würde ich gerne einmal die Bremer Brücke zum Beben bringen.“ Am Sonntag, im vorletzten Heimspiel der Saison, hat er es geschafft mit dem Siegtreffer zum 2:1 in der fünften Minute der Nachspielzeit.
Die Brücke bebte so laut, dass die Rufe und Gesänge in der ganzen Stadt zu hören waren. Schon in den Wochen zuvor hatten ein paar Fans einen alten Klassiker gesungen. Diesmal brüllte ihn das ganze Stadion. „Wir steigen auf, wir steigen auf. Und wir haben das lila-weiße Licht angemacht, und wir haben das lila-weiße Licht angemacht. Wir steigen aaaauf, wir steigen auf!“
Selbst Trainer Timo Schultz, dem es zuletzt gar nicht gefiel, wie früh einige schon vom Aufstieg sangen, rannte nach dem entscheidenden Tor von der Trainerbank bis vor die Westkurve, vor der das entscheidende Tor fiel. In der Euphorie tippte er sogar dem Schiedsrichter auf die Schulter ganz so als wollte er sagen: Komm mit, wir feiern jetzt!
Danach gab der 48-Jährige wieder den Mahner. „Noch ist es nicht geschafft. Wir müssen auch in Wiesbaden etwas holen“, betonte er nach der Partie gegen Verl. Wer Schultz und die Mannschaft kennt weiß, dass sie auch in dieser Woche noch nicht feiern werden, sondern den letzten Schritt in Wiesbaden sicher gehen wollen. Möglicherweise ist der Aufstieg aber auch schon davor sicher - ohne eigenes Zutun.
Siegt Essen am Samstag (16.30 Uhr) nicht beim VfB Stuttgart II, sind die Lila-Weißen schon vor der eigenen Partie am Sonntag aufgestiegen. Möglich wäre auch ein Aufstieg beim Aufwärmen in der Brita-Arena. Denn verliert Cottbus beim MSV Duisburg (Sonntag, 13.30 Uhr) stünde die Rückkehr des VfL in die 2. Bundesliga vor dem eigenen Anpfiff (16.30 Uhr) in Wiesbaden fest. Ansonsten hat es der VfL beim SVWW in der eigenen Hand. Ein Punkt würde bereits reichen. Mit einem Sieg wäre die dritte Meisterschaft in der 3. Liga nach 2010 und 2019 gesichert, unabhängig vom Ergebnis des Tabellenzweiten Cottbus.
Über 5000 werden am kommenden Sonntag mitfahren nach Wiesbaden. Das offizielle Kartenkontingent, das der Verein zur Verfügung hatte, ist längst ausgeschöpft. Der SVWW, aktuell Neunter in der Tabelle, öffnete bereits anliegende Blöcke. Seit Sonntagabend steht der VfL als Aufsteiger so in der 2. Bundesliga so gut wie fest - am kommenden Sonntag wollen die Lila-Weißen auch die allerletzten rechnerischen Zweifel aus dem Weg räumen. Ob aus eigener Kraft oder mit Hilfe von anderen, ist egal. Hauptsache der achte Aufstieg der Vereinsgeschichte ist vollbracht.