Osnabrück  Studenten organisieren das Osnabrücker Terrassenfest – auch ohne Studi-Ausweis

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 28.04.2026 16:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Die Teamleiter Leonie Rödenbeck (23 Jahre, links) und Jan Mönkedieck (39, rechts) sind dem Osnabrücker Terrassenfest eng verbunden. Foto: Matthias Liedtke
Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Die Teamleiter Leonie Rödenbeck (23 Jahre, links) und Jan Mönkedieck (39, rechts) sind dem Osnabrücker Terrassenfest eng verbunden. Foto: Matthias Liedtke
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Das Terrassenfest der Hochschule Osnabrück ist „von und für Studis“. Aber nicht nur: Sowohl im Orga-Team als auch im Publikum finden sich Menschen ohne Studentenausweis.

Als Philipp Brengelmann vor zwölf Jahren angefangen hat, beim Osnabrücker Terrassenfest mitzuhelfen, hatte er sein Studium bereits hinter sich. Nicht an der veranstaltenden hiesigen Hochschule, sondern in Bremen. Von dort war er in die Hasestadt gekommen, um sich als gelernter Speditionskaufmann bei der Firma Koch bis zum Logistik-Verantwortlichen hochzuarbeiten.

Dass er in der Stadt schnell Fuß gefasst und Freunde gefunden hat, habe er vor allem dem Terrassenfest und jener Crew zu verdanken, die sich ganzjährig jeden Montag im Grünen Jäger zum Stammtisch trifft, erzählt der heute 37-jährige zweifache Familienvater. Ursprünglich aus Essen bei Cloppenburg stammend, lebt er inzwischen in Rösrath bei Köln und ist dort Geschäftsführer einer Immobiliengesellschaft.

Das hält Brengelmann aber nicht davon ab, jedes Jahr nach Osnabrück zurückzukehren, um beim Terrassenfest mitanzupacken. Inzwischen ist er dort ein „alter Hase“, der den jungen Studierenden im rund 30-köpfigen Orga-Team mit Rat und Tat zur Seite steht. Und mit viel Erfahrung. Früher hatte er bestimmte Zuständigkeiten wie Bandbetreuung, Getränke oder Infrastruktur, heute ist er Ansprechpartner für alle.  

„Wie ein Klassentreffen“ fühle sich es an, wenn er zum Terrassenfest nach Osnabrück zurückkehrt. Nicht nur die früheren Kollegen, auch die Stadt ist ihm sehr ans Herz gewachsen. Helfen beim Auf- und Abbau muss Brengelmann inzwischen nicht mehr. Da hat er sich über all die Jahre einen Freifahrtschein erarbeitet.

Corona habe deutlich gemacht, wie sehr so eine ehrenamtlich organsierte Veranstaltung gebraucht werde, sagt der langjährige Unterstützer. Auch heute bei der Jubiläumsausgabe gingen die Biere und andere Getränke noch über jene Holztheken, die er vor mehr als zehn Jahren selbst gezimmert habe und für die er von der „Truppe“ einen symbolischen „Meisterbrief“ erhalten habe, erzählt Brengelmann nicht ohne Stolz.

Der einzige, der noch zwei Jahre älter ist als er, ist Jan Mönkedieck, der ebenso lange dabei ist und das Team leitet. Ansonsten kümmert sich der gelernte Veranstaltungstechniker auch um andere Events an der Hochschule, das dann aber bezahlt. Für die meisten seiner jüngeren Mitstreiter sei das Terrassenfest eine Art unbezahltes Praktikum, da die Tätigkeiten auch immer mehr oder weniger etwas mit ihrem Studium zu tun hätten, betont der 39-Jährige.

So ist es auch bei der 23-jährigen Leonie Rödenbeck, die bereits im dritten Jahr hintereinander die Ko-Leitung des mit über 3000 Besuchern an allen drei Tagen größten Studi-Events in Norddeutschland innehat. Sie macht aktuell ihren Business-Master, hatte aber zuvor einen Studienschwerpunkt in Veranstaltungsmanagement. „Der Platz wird von Jahr zu Jahr schöner“, sagt sie mit Blick auf die stetigen kleinen Verbesserungen etwa am Licht oder an der Dachkonstruktion. Auch sie könne sich vorstellen, nach ihrem Abschluss dem Terrassenfest treu zu bleiben – wo auch immer sie dann sein werde, sagt Rödenbeck.

Zu einem gelungenen Event mitten in der Stadt gehört auch der gute Draht zu den Anwohnern. Die sind Jahr für Jahr eingeladen, beim Terrassenfest dabei zu sein. Und nutzen das auch. Etwa die 45-jährige Katharina und ihre Freundin Melanie, die seit vergangenem Jahr auf dem Westerberg wohnen und zum zweiten Mal gern vorbeischauen. „Eine nette Geste“, die mögliche Konflikte vorsorglich „entschärft“, sagen sie. In der Nachbarschaft würden im Vorfeld entsprechende Flyer verteilt. Vorbildlich. Und professionell. Wie so vieles beim Terrassenfest.      

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