Osnabrück  VfL Osnabrück: Dieser Aufstieg ist kein Wunder, sondern ein Gemeinschaftswerk

Susanne Fetter
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Von Susanne Fetter
| 03.05.2026 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Alle gemeinsam: Die Mannschaft des VfL, Trainer, Verantwortliche und Staff mit den Fans im Rücken. So schafften es die Osnabrücker in die 2. Bundesliga. Foto: Helmut Kemme
Alle gemeinsam: Die Mannschaft des VfL, Trainer, Verantwortliche und Staff mit den Fans im Rücken. So schafften es die Osnabrücker in die 2. Bundesliga. Foto: Helmut Kemme
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Der VfL Osnabrück ist zum achten Mal in seiner Vereinsgeschichte in die 2. Fußball-Bundesliga aufgestiegen. So wenig emotional war es selten. Dafür mehr als verdient. Kein Wunder, sondern ein Gemeinschaftswerk, das die Hoffnung schüren darf, dass der Verein es diesmal schafft, sich etwas länger im Unterhaus des deutschen Profifußballs zu halten.

Nicht einmal ein Jahr ist es her, da stand der VfL Osnabrück kurz davor, erstmals in die Viertklassigkeit abzusteigen. In einem maroden Stadion ohne Dach. Auf die Euphorie des Aufstiegswunders „90+6“ folgte die Beinahe-Katastrophe. Aus einem der tiefsten Täler der Vereinsgeschichte geht es nun schnurstracks wieder in die 2. Bundesliga. Auf und nieder. Immer wieder? Hoffentlich nicht.

Zum achten Mal erreicht der VfL nun die 2. Bundesliga. Keinem anderen Klub gelang dies so oft. Doch wer Rekordaufstieger ist, ist auch verdammt oft wieder abgestürzt. Auch diesmal frotzeln schon einige: Die gehen eh gleich wieder runter...

Ja, die Klasse zu halten, dürfte fast schwerer sein, als sie zu erreichen. Aber wieso sollen diese Mannschaft, dieser Trainer und diese Verantwortlichen es nicht schaffen, einmal etwas länger zu bleiben? Das Wunder in der sechsten Minute der Nachspielzeit hat 2023 alle elektrisiert. So schön es war – dass der Aufstieg jetzt sich frühzeitig abzeichnete, macht eine langfristigere Planung möglich. Dazu hat der VfL in der Mannschaft und um sie herum ein Fundament geschaffen, auf das er aufbauen kann. Dieser Aufstieg ist ein echtes Gemeinschaftswerk, an dem viele beteiligt waren. Auch die Fans, die den Verein immer wieder tragen. In der Krise ist die Basis sogar noch breiter geworden.

Als Michael Welling im vorvergangenen Winter zum radikalen Schnitt ansetzte, wurde der Grundstein für den achten Aufstieg gelegt. Mindestens ebenso wichtig war, dass der Geschäftsführer letzten Sommer einen Teil der sportlichen Verantwortung wieder abgab – und das in die richtigen Hände.

Mit Vereinslegende Joe Enochs und dem ehemaligen Profi Daniel Latkowski fand er das richtige Gespann. Gemeinsam haben sie einen Kader zusammengestellt, der vielleicht nicht die besten Einzelkönner vereint, aber viele gute Charaktere. Und mit Timo Schultz haben sie einen Trainer verpflichtet, der diese zur stärkste Mannschaft der Liga machte.

Der 48-Jährige kam mit großen Vereinen in der Vita – und fühlte sich doch in Osnabrück und der 3. Liga gleich wohl. Bodenständig, sympathisch, fachkundig – Schultz passt zum VfL, tut ihm gut. Er baut auf 1000-Meter-Läufe und auf Datenanalyse. Schultz ist mutig und besonnen. Und er sagt offen, was ihn bewegt. So wie im Winter, als er erklärte: „Natürlich wollen wir aufsteigen.“ Wieso auch nicht?

Schultz machte viele seiner Spieler besser und formte aus ihnen ein echtes Team. Gelingt das auch unter schwierigeren Umständen, hat der VfL ein besonderes Pfund, das man mit Geld nur bedingt kaufen kann. Und nur dann, und wenn weiter alle an einem Strang ziehen – in der Mannschaft und um sie herum – werden sich die Osnabrücker angesichts der finanzstarken Konkurrenz eine Liga höher behaupten können.

Es wäre so wichtig, vor allem mit Blick auf die anstehenden Projekte. Die Sanierung des Stadions, der Bau des Trainingszentrums – der VfL und die Stadt Osnabrück schaffen gerade eine Infrastruktur, um den Profifußball dauerhaft in der Stadt zu erhalten.

Wichtige, aber auch teure Projekte. Die deutlich lukrativeren Einnahmen aus der 2. Bundesliga und der Teilnahme am DFB-Pokal, die nun zwei Jahre in Folge gesichert ist, helfen: bei der Finanzierung und vielleicht sogar dabei, einige Kritiker zu überzeugen.

Deshalb: Glückwunsch, lieber VfL, schön, dass du es wieder einmal geschafft hast! Aber kommt doch diesmal in die 2. Bundesliga, um ein wenig länger zu bleiben!

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