Münster  Strenge Regeln für kleine Entdecker: Der Widerspruch der Felix-Ausstellung in Münster

Dr. Philipp Ebert
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Von Dr. Philipp Ebert
| 03.05.2026 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Um Felix zu sehen, kann man in Bücher eintauchen – oder in die „Reiselust“-Ausstellung nach Münster fahren. Foto: Felix, der Hase, Autorin: Annette Langen, Illustratorin: Constanza Droop © Coppenrath Verlag, Münster
Um Felix zu sehen, kann man in Bücher eintauchen – oder in die „Reiselust“-Ausstellung nach Münster fahren. Foto: Felix, der Hase, Autorin: Annette Langen, Illustratorin: Constanza Droop © Coppenrath Verlag, Münster
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Seit 30 Jahren reist der Kuschelhase Felix um den Globus. Das LWL-Museum in Münster widmet ihm jetzt eine Familienausstellung zum Thema Urlaub. Für Kinder gibt es viel Spaß, aber auch eine irritierende Ermahnung. Eine Rezension.

In der Martinistraße 19, 48143 Münster, lebt ein Weltstar: der Kuschelhase Felix. Mindestens sieben Millionen Bücher wurden mit ihm verkauft, in 29 Sprachen wurden seine Abenteuer übersetzt. Der Kuschelhase Felix, der immer verloren geht, ist seit mehr als 30 Jahren ein Held für Kinder, Eltern und Großeltern gleichermaßen. Wobei: Geht er immer verloren? Oder bricht er freiwillig auf? Jedenfalls reist das Kuscheltier durch Raum und Zeit, besucht New York ebenso wie die alten Römer. Und schreibt immer Briefe an seine Besitzerin Sophie.

Eine schöne Sache also, dass das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster jetzt mit Felix eine Sonderausstellung zum Thema Reisen gestaltet. „Reiselustig. Unterwegs mit dem Hasen Felix“ ist dort noch bis September zu sehen. Für Felix-Fans ist die Ausstellung ein Muss, und für alle anderen Familien ist sie jedenfalls ein kurzweiliger Zeitvertreib, um sich Regentage oder schlechte Laune zu vertreiben.

In sechs Räumen geht es ums Reisen: Berge und Meer, Städtetrips und Parks vor der eigenen Haustür, Wahrzeichen und Sehnsuchtsorte. Die Erfinderin der Felix-Figur, die Kinderbuchautorin Annette Langen, hat für jeden der Räume eigens einen neuen Brief verfasst, den Kinder aus Briefkästen aus England, Amerika oder anderen Ländern ziehen können. Schattenseiten des Tourismus werden dabei gestreift, aber nicht in den Mittelpunkt gestellt. Der Spaß am Reisen und am Ausstellungsbesuch überwiegt.

Für stürmische Kinder gibt es in jedem Raum etwas zu tun: Hier will ein kleiner Berg erklettert, dort ein riesiges Wandpuzzle gestaltet werden. Wieder anderswo warten Münzen aus anderen Ländern darauf, entdeckt zu werden, und eine Bastelstation gibt es auch. Im letzten Raum übrigens dreht sich das Felix-Prinzip um: Hier können Kinder dem Hasen Briefe schreiben.

An den Wänden hängen aus den Büchern bekannte sowie neue Felix-Illustrationen. Kinder, die die Bücher kennen, können so schnell in die Welt der Geschichten rund um Felix abtauchen. Daneben finden sich Kunstwerke aus der Sammlung des LWL-Museums, die zum Thema passen: August Mackes „Spaziergänger“ etwa oder eine VW-Käfer-Grafik von Andy Warhol.

Offensichtlich hat das LWL-Museum mit dieser beiläufigen Drapierung das Ziel, Familien durch die Felix-Ausstellung an das Museum und einen Ausstellungsbesuch heranzuführen: Junge Menschen, heißt es in der Pressemitteilung zur Ausstellung, „sollen sich für Kunst und Kultur begeistern“, da sie die Museumsbesucher von morgen seien. Der „Weg vom Kinderzimmer zur Kunst“ solle daher „möglichst kurz“ sein.

Man darf annehmen, dass die Ausstellungsmacher gern in Kauf nehmen, dass auch die begleitenden Eltern oder Großeltern beim Schlendern durch die Felix-Schau merken, dass es in Münster mehr zu sehen gibt als Kirchen und religiöse Kunst.

Dabei wird der erzählerische Faden der Ausstellung nicht immer deutlich. Positiv ausgedrückt: Die Ausstellung tänzelt leichtfüßig durch die zentralen Themen der jeweiligen Räume. Was genau man gesehen und gelernt hat, ist nicht klar; aber kurzweilig ist die Ausstellung allemal, zumal mit Kindern.

Ein Wermutstropfen ist derweil die Frage, wie ernst das LWL-Museum den von ihm verwendeten Begriff „Kinder- und Familienausstellung“ meint. An einem Sonntag im April jedenfalls beginnt der Ausstellungsbesuch für die Kinder mit einer ermahnenden Ansprache einer Museumsmitarbeiterin. „Die Kinder“, heißt es, hätten in der Vergangenheit schon viele Dinge in der Ausstellung beschädigt, daher dürfe man nicht alles anfassen.

Ausgerechnet das erste Exponat der Ausstellung, ein kleines Segelboot, darf der Nachwuchs nicht betreten. „Das ist ein Museum und kein Spielplatz“, so die Ansage. Kinder und Eltern hätten bisher „nicht genug aufgepasst“. Wenig später mahnt ein in schnellen Schritten durch den Raum eilender Ordner, ein dreijähriges Kind dürfe keinesfalls auf das Plexiglas vor dem Warhol-Bild fassen. Aber muss man nicht eine Kinderausstellung rund um ein Kuscheltier so gestalten, dass Kinder sich darin frei bewegen können?

Und man fragt sich, ob man im LWL-Museum die Felix-Bücher vor der Ausstellung gründlich gelesen hat. Als nämlich Sophie, die Besitzerin des Stofftiers, ihren Hasen mal wieder auf einem Ausflug verliert, hilft ihr ein freundlicher älterer Herr. Der Mann ist Museumswärter.

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