Tierdiebstahl  Wie 70 Rinder einfach verschwinden

| | 05.05.2026 13:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Jede Kuh ist gekennzeichnet. Wer sie stiehlt, kann sie nur illegal schlachten lassen, muss die Ohrmarken entfernen und braucht gefälschte Papiere. Foto: Marcus Brandt/dpa
Jede Kuh ist gekennzeichnet. Wer sie stiehlt, kann sie nur illegal schlachten lassen, muss die Ohrmarken entfernen und braucht gefälschte Papiere. Foto: Marcus Brandt/dpa
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In Brandenburg wurden die Rinder über Nacht von der Weide gestohlen. Auch in Ostfriesland gab es schon Fälle von Tierdiebstahl. Aber wie klaut man eine ganze Herde?

Leer - Über Nacht war die Weide leer: 70 Rinder sind jetzt in Brandenburg gestohlen worden. Dass Tiere direkt von der Weide gestohlen werden, ist auch in Ostfriesland schon vorgekommen, weiß Manfred Tannen, Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland. „Meistens sind das allerdings einzelne Tiere“, sagt der Landwirt aus Bensersiel. Aber wie kann man eine ganze Herde stehlen?

Wildwest-Methoden sind gar nicht nötig

Wie der Diebstahl in Brandenburg genau vonstatten gegangen ist, wisse man bisher nicht, so die zuständige Polizei. Allerdings seien Lkw-Spuren am Tatort gefunden und gesichert worden. Die Rinder in einen solchen Tiertransporter zu locken, ist aber tatsächlich gar nicht so schwer, sagt Tannen. „Die werden die Herde in den Lkw getrieben haben – das würde ich mir auch zutrauen“, sagt Tannen. „Wenn erstmal ein Tier losläuft, folgen in der Regel auch die anderen. Die Tiere kann man mit etwas Futter anlocken, dann laufen die schon los.“ Wichtig sei, dass man die Ruhe bewahre. Wildwest-Methoden seien nicht nötig – man muss also kein Cowboy sein und die Rinder mit dem Lasso einfangen.

Manfred Tannen ist Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland. Er betreibt einen Hof in Bensersiel. Foto: LHV Ostfriesland
Manfred Tannen ist Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland. Er betreibt einen Hof in Bensersiel. Foto: LHV Ostfriesland

Warum gestohlene Rinder schwer loszuwerden sind

Laut dem Vorsitzenden des örtlichen Kreisbauernverbands in Brandenburg, Dorsten Höhne, handelte es sich bei den gestohlenen Rindern „um rund sechs Monate alte Tiere, sogenannte Absetzer, die also gerade keine Muttermilch mehr bekommen“, sagt er in einem Interview mit dem „Spiegel“. „Für 70 dieser Jungtiere reicht ein doppelstöckiger Viehtransporter.“ Der Schaden belaufe sich für den Rinderhalter auf rund 50.000 Euro, hieß es. Höhne vermutet, dass die Tiere Richtung Osteuropa gebracht wurden.

Ohrmarken

Ohrmarken sind amtliche Kennzeichnungen in der EU für Haus- und Nutztiere wie Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen. Sie ermöglichen eine individuelle Identifikation und Rückverfolgbarkeit. Die Marken bestehen meistens aus Kunststoff, werden paarweise (Rinder) oder einzeln (Schweine) in die Ohren gestochen und enthalten individuelle Nummern, Herkunftscodes (beispielsweise DE für Deutschland) sowie teils elektronische Chips.

Rinder müssen in Deutschland innerhalb von sieben Tagen nach der Geburt mit zwei Marken gekennzeichnet werden. Dazu ist der Landwirt gesetzlich verpflichtet.

Die Tiere auf den Markt zu bringen, sei aber gar nicht so einfach, sagt Tannen. „Jedes Rind in Europa ist registriert, trägt eine spezielle Ohrmarke und hat einen eigenen Tierpass, der mit unserem Personalausweis vergleichbar ist“, erklärt er. „Wenn das Tier zum Schlachter geht, muss der Ausweis mit. Man kann das Rind also nur illegal schlachten. Die gestohlene Herde irgendwohin zu verkaufen, wird auch schwierig. Den Tieren müssten die Ohrmarken entfernt werden und sie bräuchten gefälschte Papiere.“ Man brauche „jede Menge krimineller Energie“, um die gestohlenen Tiere wieder loszuwerden, so Tannen.

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