Osnabrück Der VfL Osnabrück, seine Rekordsaison und was Momirski daran gefallen hätte
Der VfL Osnabrück feiert die Meisterschaft in der 3. Liga und den damit verbundenen Aufstieg in die 2. Bundesliga. Schon zwei Spieltage vor dem Ende der Saison können die Lila-Weißen auf eine Rekordsaison zurückschauen.
Als die Fußballer des VfL Osnabrück in der Nacht zum Montag nach Hause zurückkehrten, empfing sie eine Gruppe Fans an der Bremer Brücke: Mit Bengalos und Gesängen wurden die Aufstiegshelden bei der Rückankunft nach dem 3:2-Sieg beim SV Wehen Wiesbaden gefeiert. Die Stimmung war nach diesem Wochenende wie im lila-weißen Traum und in der darauffolgenden Partynacht natürlich feuchtfröhlich – völlig zu Recht. Nun ist es aber an der Zeit, mal ganz nüchtern auf die Zahlen zu blicken, auf Rekorde und Bestmarken, die der VfL in dieser Saison bereits aufgestellt hat und noch aufstellen könnte.
Die ersten beiden Rekorde sind am leichtesten nachzuvollziehen: Es ist der achte Aufstieg des VfL in die 2. Bundesliga – kein anderer Verein schaffte das öfter (auch weil kein anderer Club achtmal in die Drittklassigkeit abstieg). Zudem ist der VfL seit Sonntag auch bereits Meister und das nach 2010 und 2019 schon zum dritten Mal. Auch das gelang zuvor in der 2008 gegründeten 3. Liga keinem anderen Verein.
Der VfL ist auf dem Weg, seine beste Drittliga-Saison aller Zeiten zu spielen. In der Fabel-Spielzeit unter Trainer Daniel Thioune 2018/19 hatten die Lila-Weißen zum Saisonende 76 Punkte geholt – die hat er nach dem Sieg in Wiesbaden zwei Spiele vor Schluss bereits auf dem Konto. Gibt es gegen Ulm am 37. Spieltag oder bei Stuttgart II also noch mindestens einen Punkt, haben die Osnabrücker einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Das dürfte machbar sein.
Der Allzeit-Drittliga-Punkterekord ist allerdings außer Reichweite: Braunschweig (2010/11) und Magdeburg (2017/18) holten jeweils 85 Zähler, Paderborn (17/18) 83. Der VfL kann maximal noch 82 erreichen. Schafft er das, ist er aber erst der vierte Drittligist im „80er-Club“.
Mit nun 44 Punkten hat die Schultz-Elf bereits einen Rekord geknackt: Nie zuvor holte der VfL so viele Punkte in einer Rückrunde. Die alte Bestmarke stammt aus der Saison 2022/23, die mit dem 90+6-Aufstieg endete. Damals holte die Mannschaft von Trainer Tobias Schweinsteiger 42 Punkte aus der Rückserie. Dazu könnte der VfL einen neuen Ligarekord aufstellen: Erst zwei Vereine holten in einer Halbserie 45 Zähler – der Karlsruher SC in der Rückserie 2012/13 und der 1. FC Heidenheim in der Hinserie 2013/14. Um hier einen neuen Spitzenwert aufzustellen, braucht es also noch einen Sieg. Zwei Dreier würden darüber hinaus einen weiteren Rekord ergeben: Aktuell haben die Lila-Weißen 23 Siege geholt, 1968/69 und 1972/73 waren es 24 in der damaligen Regionalliga Nord – allerdings in einer 17er-, bzw. 18er-Liga.
Vor dem Wochenende gab es für den VfL noch die Chance auf einen Abwehrrekord: Union Berlin 2008/09 und Erzgebirge Aue 2015/16 kassierten in den jeweiligen Rückserien nur acht Gegentreffer. Nach den beiden Wiesbadener Toren am Sonntag liegen die Osnabrücker nun bei neun. Trotzdem gibt es die Aussicht auf eine vereinsinterne Bestmarke: In der Saison 1998/99 spielte der VfL mit den Torhütern Uwe Brunn und Stephan Quatmann 20-mal zu Null. Aktuell blieb Torwart Lukas Jonsson 19-mal ohne Gegentor. Eine weitere „weiße Weste“ würde ihn gleichziehen lassen.
„Wir wollen wieder eine Heimmacht werden“ – das war eines der klar ausgegebenen Saisonziele der sportlichen Leitung um Joe Enochs vor dieser Saison. Mit Blick auf die Heimbilanz von 37 Punkten in 18 Heimspielen hat das zwar größtenteils gut funktioniert, ironischerweise hat der VfL auswärts aber eine Rekordsaison hingelegt. Mit 39 Zählern in 18 Auswärtspartien sind die Osnabrücker mit sieben Punkten Vorsprung Erster in diesem Bereich – und haben am Sonntag eine Liga-Bestmarke aufgestellt.
Nie zuvor holte ein Drittligist auf fremden Plätzen so viele Punkte wie der VfL in dieser Spielzeit. Den bisherigen Rekord hatten der SC Paderborn (2017/18) und der 1. FC Heidenheim (2013/14) inne, die jeweils 38 Punkte holten. Mit einem Remis oder gar einem Sieg am letzten Spieltag beim VfB Stuttgart II wäre der VfL damit auch der erste Club in der Drittliga-Geschichte, der auswärts in einer Saison 40 Punkte oder mehr holt.
Erfolg macht sexy: Mit aktuell 14.849 steuert der VfL auf den besten Zuschauerschnitt seiner Drittliga-Historie zu. Achtmal war die Bremer Brücke bereits ausverkauft und zum letzten Heimspiel gegen den SSV Ulm am kommenden Samstag (14 Uhr) ist zumindest der Heimbereich wieder einmal voll besetzt. Der Schnitt dürfte demnach kaum noch sinken. Erst einmal kamen pro Spiel in einer Saison mehr Fans an die Bremer Brücke: Es war die Zweitliga-Saison 2023/24 (15.498).
In seinen bisherigen 37 Pflichtspielen (36 × 3. Liga, 1 × Landespokal) hat Timo Schultz seit seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer im Schnitt 2,05 Punkte geholt. Kann er diesen noch leicht steigern, wäre er zum Ende der Spielzeit der beste VfL-Trainer, der eine ganze reguläre Saison oder mehr für den Verein gearbeitet hat. Den aktuellen Rekord von 2,09 hält Gerd-Volker Schock, der den Club 1998/99 in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga coachte, dann aber wegen eines Hörsturzes während der Aufstiegsrunde sein Amt abgab. Ebenfalls noch vor Schultz rangiert Radoslav Momirski, der in seiner ersten Amtszeit von 1968 bis 1970 in 51 Partien 2,08 Punkte im Schnitt holte. Von eben jenem Erfolgstrainer, der sich mit dem 5:4-Sieg gegen Bayern München im DFB-Pokal 1978 in jedes VfL-Gedächtnis eingebrannt hat, ist der Satz überliefert: „Ich will, dass Osnabrück jubelt, denn hier leben gute Menschen.“ Momirski hätten diese Tage während und nach dem lila-weißen Aufstieg also gut gefallen.