Unterstützung für Schüler  Warum die künftige Bezahlung der Schulbegleiter viel Zustimmung fand

Aiko Recke
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Von Aiko Recke
| 05.05.2026 13:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Schulbegleiter, wie hier in Aachen, betreuen auch im Landkreis Aurich Kinder mit Handicaps im Unterricht. Mittlerweile profitieren davon mehr als 1000 Schüler.Foto: DPA
Schulbegleiter, wie hier in Aachen, betreuen auch im Landkreis Aurich Kinder mit Handicaps im Unterricht. Mittlerweile profitieren davon mehr als 1000 Schüler.Foto: DPA
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Politik und Verwaltung im Landkreis Aurich sehen das „Poolmodell“ vorbildhaft. 450 Auno-Mitarbeiter profitieren künftig von einer neuen Regelung.

Aurich - Breite Zustimmung gibt es in der Auricher Kreispolitik für das neue Bezahlungssystem für die rund 450 Schulbegleiter, die bei der Kreis-Tochtergesellschaft Auno angestellt sind. Der Vorschlag, die Erhöhung der Gehälter künftig prozentual analog zu den Erhöhungen beim Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) zu machen, wurde in einer gemeinsamen Sitzung von Sozialausschuss und Jugendhilfeausschuss einstimmig durchgewinkt.

Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert war voll des Lobes über den Beschluss. Er sei seit 26 Jahren beim Landkreis Aurich und habe kaum je eine so freundliche und kollegiale Atmosphäre erlebt wie im Arbeitskreis zu den Auno-Tarifen, der zweimal getagt hatte. Die Kreispolitiker hätten sich sehr konstruktiv eingebracht, so das in der Form eher seltene Lob von Puchert.

Der Leiter des Amtes für Jugend und Soziales, Michael Müller, blickte noch einmal zurück auf die Entwicklung der Schulbegleitung in den vergangenen acht Jahren. Der Landkreis Aurich habe relativ früh auf Mitarbeiter des Projekts „Arbeit statt Sozialhilfe“ zurückgegriffen, um Schüler zu unterstützen. Zugleich habe man eine „enorme Entwicklung“ der der Fallzahlen erlebt – mit Steigerungsraten von 15 bis 20 Prozent jährlich. „Darauf mussten wir reagieren“, so Müller.

Ein Ziel war mehr Planungssicherheit

2017 habe es dann die Idee für ein Modellprojekt mit der sogenannten Pool-Lösung gegeben. Dabei werden die Schulkinder nicht mehr einzeln betreut, sondern es gibt Begleiter, die für mehrere Kinder zuständig sind. „Wir hatten relativ klar vor Augen, was wir erreichen wollten. Wir wollten bessere Planungssicherheit, höhere Auslastung und größere Passgenauigkeit der Hilfen“, erinnerte sich der Amtsleiter. Das Poolmodell habe vor allem Vorteile bei der Vertretung in Krankheitsfällen. Dann müssten weder Schüler noch Begleiter zu Hause bleiben, wie es früher der Fall war, erklärte Müller.

Zudem wollte man eine Stigmatisierung der Schüler und ihrer Eltern durch ein langwieriges Antragsverfahren mit zahlreichen notwendigen ärztlichen Diagnosen vermeiden.

Erschwert wurde das Modellprojekt ab 2020 durch die Corona-Pandemie mit vielen Schulausfällen. „Alles, was wir brauchten, um das System zu erproben, funktionierte nicht mehr“, so Müller. Daher habe man 2021 entschieden, das Projekt auf sechs Jahre zu verlängern. Früh habe man außerdem die Beratungsfirma ISM einbezogen, die den Erfolg des Projekts untersuchen sollte.

Das Fazit des Amtsleiters ist eindeutig: „Was wir gemacht haben, hat in dieser Größenordnung niemand gemacht. Und es funktioniert ganz gut.“ Heute seien es rund 450 Schulbegleiter, die im Landkreis Aurich in 90 Schulen etwas mehr als 1000 Schüler betreuen. Müller betonte zugleich: „Wir müssen dranbleiben, um das System weiterzuentwickeln.“

Neun Koordinatoren ermitteln den Bedarf

Auno-Geschäftsführerin Stefanie Jordan berichtete von neun Koordinatoren, die als pädagogische Fachkräfte zum Beispiel für die Bedarfsermittlungen zuständig sind. Jordan erklärte, auch mit Blick auf die Bezahlung, dass es sich bei der Schulbegleitung um wichtige, aber eher einfache Hilfstätigkeiten handele – und nicht um eine pädagogische Lernbegleitung.

Stefanie Jordan ist von Anfang an für die Kreis-Tochtergesellschaft Auno tätig und heute Geschäftsführerin.Foto: Aiko Recke
Stefanie Jordan ist von Anfang an für die Kreis-Tochtergesellschaft Auno tätig und heute Geschäftsführerin.Foto: Aiko Recke

Die Schulbegleiter arbeiten nach ihren Angaben meist halbtags und vormittags. Im Schulalltag leisten sie zehn Prozent Mehrarbeit, um dann an Ferientagen freizuhaben. 90 Prozent seien Frauen.

Die Fluktuation in der Auno sei 2025 mit nur 23 Abgängen, was fünf Prozent entspricht, relativ gering. Dabei habe es sich zum Teil um Renteneintritt gehandelt. Nur in einem Fall habe es einen Wechsel zu einem anderen Träger gegeben.

Geschäftsführerin Jordan betonte, dass die Auno-Gehälter in den vergangenen Jahren bereits deutlich erhöht worden seien, bereits im Modellversuch. Durch die später erfolgte Entfristung seien die Jobs noch einmal attraktiver geworden. „Das gibt einfach Sicherheit“, so Jordan. Man achte zudem auf einen wohnortnahen Einsatz der Mitarbeiter, also maximal 15 Kilometer entfernt.

Man habe sich zudem die Gehälter anderer Träger angeschaut, soweit das möglich war. Letztlich zahle die Auno durchaus „marktüblich“, so Jordan.

Kreispolitiker mit viel Lob

Die Kreispolitiker aus dem Sozial- und dem Jugendhilfeausschuss waren voll des Lobes. Hinrich Albrecht (SPD, Südbrookmerland) meinte: „Das ist ein sehr gutes Ergebnis, durch Tarifsteigerungen bekommen die Schulbegleiter Wertschätzung.“

Harald Tammen (CDU, Brookmerland) sagte, seiner Fraktion sei stets wichtig gewesen, dass mit den Gehältern auch die Qualität der Schulbegleitung steige.

Angelika Albers (Grüne, Aurich) erinnerte daran, dass es anfangs vor allem die Schulbegleiter selber waren, die sich über ihre geringen Gehälter beklagt hatten und mithilfe der Öffentlichkeit und Politik Verbesserungen erreichten. Heinrich Ubben („Moin“, Brookmerland) sagte, die Schulbegleiter seien ein „wichtiger Baustein für Teilhabe“ und machten tolle Arbeit.

Schulbegleiter verdienen 2800 Euro im Monat

Theo Wimberg (SPD, Norden) fragte, welche Auswirkungen geplante Einsparungen der Bundesregierung in diesen Bereichen haben könnten. „Das können wir noch nicht genau sagen. Wir gehen aber nicht davon aus, dass Leistungen für Kinder wegfallen“, erklärte Amtsleiter Michael Müller.

Mit den Fallzahlen sind, das gehört zur Wahrheit dazu, auch die Kosten für die Schulbegleitung im Landkreis Aurich explodiert – von rund drei Millionen Euro auf mehr als neun Millionen Euro jährlich. Warum die Fallzahlen so stark angestiegen sind, weshalb es immer mehr Kinder mit Unterstützungsbedarf gibt, das wurde nicht erläutert – und von den Kreispolitikern auch nicht hinterfragt.

Zwar werden die rund 450 Schulbegleiter auch künftig nicht nach TVÖD bezahlt – aber sie profitieren zumindest von den prozentualen Steigerungen analog und zeitgleich dazu.

Und was verdienen die Schulbegleiter nun eigentlich derzeit im Monat? Auch diese Frage stellten die Kreispolitiker nicht – wohl aber diese Redaktion. Es sind 2800 Euro brutto für eine Vollzeitstelle, erklärte Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert.

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