Verbrechen  Was seit dem Leichenfund in Fulkum geschehen ist

| | 05.05.2026 19:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Inmitten der Idylle von Fulkum kam es vor zwei Jahren wahrscheinlich zu einem schweren Verbrechen. Foto: Imke Oltmanns
Inmitten der Idylle von Fulkum kam es vor zwei Jahren wahrscheinlich zu einem schweren Verbrechen. Foto: Imke Oltmanns
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Ein Toter, ein Mordverdacht und eine Verdächtige, die noch immer im Ort lebt: Die Situation ist nicht ganz einfach für die Bewohner von Fulkum.

Fulkum - Einen Monat nach dem Leichenfund in Fulkum (Landkreis Wittmund) scheint die Idylle wieder intakt. Wen man auch anspricht an diesem beschaulichen Frühlingstag, die Antworten ähneln sich. Unterm Strich: Es ist wieder Ruhe eingekehrt. Und dennoch ist meist auch ein unangenehmer Beigeschmack herauszuhören. Eine junge Frau, die ihren Hund spazieren führt, drückt das so aus: „Ein bisschen komisch ist das schon alles.“

Alles andere wäre auch erstaunlich: Ein mehrtägiger, groß angelegter Polizeieinsatz in den ersten Apriltagen sorgte in dem kleinen Örtchen für Aufruhr und Alarm. Höhepunkt war der 1. April 2026, in dessen späten Abendstunden eine Leiche im Garten eines Hauses ausgegraben wurde. Unter dem gleißenden Licht starker Scheinwerfer und abgeschirmt durch Sichtschutz-Wände. Das anschließende tagelange Schweigen der Ermittlungsbehörden erhitzte die Gemüter im Ort noch zusätzlich – die Gerüchteküche kochte über.

Schaulustige auf dem Weg zum Leichenhaus

Mit kuriosen Folgen: „Erst war das ganz schlimm“, erzählt Menno Gerdes. Seine Bäckerei an der Ortsdurchfahrt ist einer der wenigen gemeinschaftlichen Anlaufpunkte für die Fulkumer. Und nicht nur für die: In den ersten Tagen kamen viele Reporter von regionalen und überregionalen Medien. „Und dann waren auch sehr viele Schaulustige hier“, sagt Gerdes. Die seien durch den Ort gefahren und hätten das Haus gesucht, in dessen Garten die Leiche gefunden wurde.

Menno Gerdes, Bäcker in Fulkum. Foto: Imke Oltmanns
Menno Gerdes, Bäcker in Fulkum. Foto: Imke Oltmanns

Auch beim Landhandel Schuirmann ein paar Meter die Straße hoch bekam man die neue Prominenz der Heimat zu spüren. „Die Vertreter, auch die überregionalen von weiter weg, wussten alle schon Bescheid“, erzählt Gerrit Schuirmann. Die wollten dann alle wissen, was los ist. Gerhard Frerichs, Bürgermeister der Gemeinde Holtgast, zu der Fulkum gehört, hatte sich in den ersten Tagen nach dem Leichenfund ganz ähnlich geäußert. Er habe Anrufe von wildfremden Leuten aus der weiteren Region bekommen, die von ihm wissen wollten, was denn da in Ostfriesland los sei, berichtete er.

Landhandel Schuirmann in Fulkum. Foto: Imke Oltmanns
Landhandel Schuirmann in Fulkum. Foto: Imke Oltmanns

Sowohl in der Bäckerei als auch im Landhandel sind mittlerweile auch die Ermittler der Polizei gewesen – so schildern es jedenfalls die jeweiligen Betreiber. Im Landhandel seien sie vor etwa zehn Tagen gewesen, erzählt Hendrik Schuirmann. Die Polizisten hätten sich nach der Familie erkundigt.

Was ist mit der beschuldigten Familie?

Das ist ein Kuriosum dieses Falles: Mindestens eine der drei möglicherweise in den Fall verwickelten Personen lebt weiterhin im Ort. Und wird dort auch von den Einwohnern gesehen. Mal sei Licht an im Haus, schildern Nachbarn, mal sehe man sie durch den Ort laufen. Tatsächlich, sagt Jan Wilken von der Staatsanwaltschaft Aurich, gebe es keinerlei Auflagen für diese Person. Sie könne gehen, wohin sie wolle. Obwohl auch weiterhin gegen sie ermittelt werde.

Kurze Rückblende: In der Osterwoche wurden mehrere Häuser und Grundstücke in der Gemeinde Holtgast intensiv von der Polizei durchsucht. Die Aktivitäten gipfelten im Fund einer männlichen Leiche in Fulkum. Bei dem Toten handelt es sich laut Polizei um einen Mann aus dem Sauerland, der seit Februar 2024 vermisst war und Beziehungen zu einer Familie in Holtgast hatte, die er im Januar 2024 besuchte. Er soll der Betreuer des 34-jährigen Sohnes der Familie gewesen sein.

Im Garten dieses Hauses in Fulkum wurde in den späten Abendstunden des 1. April 2026 eine Leiche entdeckt. Foto: Imke Oltmanns
Im Garten dieses Hauses in Fulkum wurde in den späten Abendstunden des 1. April 2026 eine Leiche entdeckt. Foto: Imke Oltmanns

Im Zuge der Ermittlungen kam die Polizei zu dem Schluss, dass der Betreuer Ostfriesland nach diesem Besuch gar nicht mehr verlassen hatte. Schließlich fanden sie ihn mithilfe von Leichenspürhunden im Garten des Hauses der Familie in Fulkum. Die Obduktion ergab, dass er durch massive Gewalteinwirkung zu Tode gekommen war. Die 60 Jahre alte Mutter und zwei Söhne wurden vorläufig festgenommen. Einer der beiden Söhne, ein 30 Jahre alter Mann, sitzt nun wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Die Mutter und der zweite Sohn wurden wieder entlassen. Allerdings dauern auch die Ermittlungen gegen sie an.

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