Starkregen  Land investiert in Südbrookmerlander Hochwasserschutz

Holger Janssen
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Von Holger Janssen
| 05.05.2026 18:50 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das war 2022: Weil ein Nebenarm der Wiegboldsburer Riede über die Ufer trat, wurden große Teile des Feriengebietes am Großen Meer überflutet. Foto: Feuerwehr
Das war 2022: Weil ein Nebenarm der Wiegboldsburer Riede über die Ufer trat, wurden große Teile des Feriengebietes am Großen Meer überflutet. Foto: Feuerwehr
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Die Gemeinde bekommt Geld vom Land um ihren Hochwasserschutz auf ganz Südbrookmerland auszuweiten. Bislang konzentriert man sich vor allem auf Moordorf. Ein Fotorückblick zeigt, wie nötig das ist.

Südbrookmerland - Die Gemeinde Südbrookmerland richtet ihre Entwässerungsstrategie neu aus und setzt dabei künftig auf zwei unterschiedliche Planwerke. Neben dem bereits seit 2022 in Arbeit befindlichen Generalentwässerungsplan (GEP) für den Ortsteil Moordorf soll ein zweites Konzept entstehen, das gezielt die Risiken durch Starkregen im gesamten Gemeindegebiet untersucht.

Grundlage ist ein Förderbescheid des Landes Niedersachsen. Demnach erhält die Gemeinde 150.000 Euro. Bei zuwendungsfähigen Gesamtkosten von 167.000 Euro entspricht das einem Fördersatz von 89,82 Prozent. „Wir freuen uns über den sehr hohen Fördersatz“, sagt Bürgermeister Thomas Erdwiens.

Trotz frisch sanierter Entwässerungsleitungen gehörte 2024 auch der Postweg zu den betroffenen Gebieten in Moordorf. Foto: Karin Böhmer
Trotz frisch sanierter Entwässerungsleitungen gehörte 2024 auch der Postweg zu den betroffenen Gebieten in Moordorf. Foto: Karin Böhmer

Die rund 18.000 Einwohner zählende Gemeinde ist geprägt von einem Wechsel aus dicht bebauten Siedlungsbereichen und weitläufigen offenen Flächen. Gerade diese Struktur stellt die Entwässerung vor besondere Herausforderungen – insbesondere bei außergewöhnlichen Niederschlagsereignissen.

Mehrere Schadenslagen in den vergangenen Jahren

Auslöser für die verstärkten Bemühungen waren mehrere teils erhebliche Schadenslagen durch Starkregen in den vergangenen Jahren. Besonders in Erinnerung geblieben sind Ereignisse im September 2021 sowie im Juli 2024. In beiden Fällen standen große Teile des Ortsteils Moordorf unter Wasser, die Feuerwehr war dutzendfach im Einsatz.

Bereits Anfang 2022 hatte die Gemeinde als Reaktion darauf den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) mit der Erstellung eines Generalentwässerungsplanes für Moordorf beauftragt. Dieser befindet sich nach wie vor in der Bearbeitung und liegt noch nicht abschließend vor.

Der Entwässerungsplan verfolgt vor allem das Ziel, das bestehende Entwässerungssystem für übliche Niederschlagsmengen zu ertüchtigen und strukturelle Schwächen zu beheben. Allerdings wurde im Verlauf der Arbeiten auch deutlich, dass ein solcher Plan keinen vollständigen Schutz vor Extremwetterlagen bieten kann. Gegen Starkregenereignisse lassen sich Schäden nicht allein durch klassische Entwässerungsmaßnahmen verhindern, hieß es immer wieder. Durchaus für Unmut in der Bevölkerung hatten Äußerungen der Verwaltung gesorgt, wonach man gegen Starkregen gewissermaßen machtlos sei. Dies wurde von manchen als Resignation gewertet. In den vergangenen Jahren zogen die Bemühungen der Gemeinde, die Situation zu verbessern, jedoch deutlich an.

Gemeinde erwartet klare Handlungsempfehlungen

Vor diesem Hintergrund setzt das nun geförderte Starkregenvorsorgekonzept an. Es erweitert den Blick über den Ortsteil Moordorf hinaus auf das gesamte Gemeindegebiet und nimmt gezielt außergewöhnliche Niederschlagsszenarien in den Fokus. Kern des Konzeptes ist die Erstellung von Starkregengefahrenkarten. Auf dieser Basis sollen unterschiedliche Regenereignisse simuliert und ausgewertet werden, um besonders gefährdete Bereiche zu identifizieren. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und mögliche Gegenmaßnahmen zu entwickeln.

Für die Feuerwehr bedeuteten die Starkregenfälle der vergangenen Jahre Dutzende Einsätze. Foto: Karin Böhmer
Für die Feuerwehr bedeuteten die Starkregenfälle der vergangenen Jahre Dutzende Einsätze. Foto: Karin Böhmer

Die Gemeinde betritt damit in gewisser Weise Neuland: Während der Generalentwässerungsplan auf bestehende Systeme und deren Leistungsfähigkeit abzielt, geht es beim Starkregenvorsorgekonzept um die Frage, wie sich außergewöhnliche Wassermengen auf Siedlungs- und Freiflächen auswirken – und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.

Die Umsetzung erfolgt durch ein externes Fachbüro, das nach einer Ausschreibung beauftragt werden soll. Dieses wird umfangreiche Daten erheben, analysieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Der Prozess wird durch Öffentlichkeitsarbeit begleitet und erfolgt in enger Abstimmung mit dem NLWKN, so die Gemeindeverwaltung.

Hoffnung auf etwas mehr Tempo

Welche Maßnahmen sich daraus ergeben, ist derzeit noch offen. Bürgermeister Erdwiens verbindet mit dem Projekt jedoch die Erwartung, dass klare Empfehlungen formuliert werden. Denkbar sind auch Eingriffe, die über das bestehende System hinausgehen – etwa die Aufweitung oder Neuanlage von Gräben oder andere wasserlenkende Maßnahmen. In solchen Fällen könnten auch Anlieger unmittelbar betroffen sein. Noch handelt es sich dabei jedoch um Zukunftsmusik.

Die Gemeinde hatte den Förderantrag Mitte August eingereicht. Angaben zur Dauer der Konzepterstellung gibt es bislang nicht. In der Verwaltung dürfte jedoch die Hoffnung bestehen, dass die Ergebnisse schneller vorliegen als beim Generalentwässerungsplan für Moordorf.

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