Tourismus Tui hofft trotz Iran-Krieg auf Last-Minute-Sommer

dpa
|
Von dpa
| 13.05.2026 08:29 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Besonders gefragt sind bei Tui in diesem Sommer Reiseziele wie Spanien einschließlich der Balearen und Kanaren. (Archivbild) Foto: Clara Margais
Besonders gefragt sind bei Tui in diesem Sommer Reiseziele wie Spanien einschließlich der Balearen und Kanaren. (Archivbild) Foto: Clara Margais
Artikel teilen:

Der Iran-Krieg kostet den Veranstalter Tui Millionen und verändert das Reiseverhalten. Viele Urlauber buchen später und meiden Länder im östlichen Mittelmeer.

Der Sommerurlaub wird für viele Menschen zunehmend zur kurzfristigen Entscheidung. Beim Reisekonzern Tui verschiebt sich die Nachfrage wegen des Iran-Kriegs derzeit deutlich in Richtung westliches Mittelmeer. Knapp die Hälfte der Verbraucher, die in diesem Sommer verreisen wollten, habe bislang noch nicht gebucht, teilte der Konzern in Hannover mit. Bisher zählt Tui für den Sommer deutlich weniger Gäste als vor einem Jahr.

Besonders gefragt dürften Spanien einschließlich der Balearen und Kanaren sowie Griechenland sein. Dort wird Urlaub nach Einschätzung des Vorstands auch nicht billiger werden. „Da gibt es wenig Gründe, weshalb wir oder Hoteliers mit günstigeren Preisen kommen sollten“, sagte Tui-Chef Sebastian Ebel.

Reiselaune bleibt trotz Krisen stabil

Deutlich schwächer entwickelten sich dagegen die Buchungen für Länder wie Ägypten, die Türkei und Zypern. Im westlichen Mittelmeer sehe Tui eine normale bis gute Nachfrageentwicklung, „das sehen wir im Osten nicht“, sagte Ebel. Für schwächer nachgefragte Reiseziele wolle der Konzern deshalb mit Angeboten gegensteuern. „Das bedeutet kleinere Margen für uns, aber bessere Preise für die Kunden.“

Marktanalysen zeigten allerdings, dass weiterhin ähnlich viele Menschen verreisen wollten wie im Vorjahr, sagte Ebel. Befürchtungen, dass Kunden wegen der Lage im Nahen Osten häufiger mit dem Auto etwa an Nord- oder Ostsee reisen könnten, hätten sich bislang nicht bestätigt. Deshalb lohne es sich, auf ein starkes Last-Minute-Geschäft zu hoffen, sagte der Manager. Im Winterhalbjahr verreisten 12,8 Millionen Gäste mit Tui und damit etwas mehr als ein Jahr zuvor.

Krieg und Hurrikan kosten Millionen

Die geopolitischen Spannungen schlagen sich inzwischen auch deutlich in den Geschäftszahlen nieder. Schon im April hatte Ebel die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 (bis 30. September) ausgesetzt und die Gewinnprognose gesenkt. Daran hielt er nun fest.

Tui-Chef Sebastian Ebel blickt trotz der geopolitischen Unsicherheiten zuversichtlich auf das zweite Geschäftshalbjahr. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte
Tui-Chef Sebastian Ebel blickt trotz der geopolitischen Unsicherheiten zuversichtlich auf das zweite Geschäftshalbjahr. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte

So soll der Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) weiterhin zwischen 1,1 und 1,4 Milliarden Euro liegen und damit möglichst nah an das Vorjahresniveau von 1,4 Milliarden Euro herankommen. Die ursprünglich erwartete Steigerung um 7 bis 10 Prozent hatte Ebel aufgegeben.

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres bis Ende März blieb der Umsatz mit 8,56 Milliarden Euro knapp unter dem Vorjahresniveau. Der saisontypische bereinigte operative Verlust verringerte sich trotz Belastungen durch den Iran-Krieg und den Hurrikan „Melissa“ auf Jamaika um gut ein Viertel auf rund 116 Millionen Euro. Allein der Krieg im Nahen Osten belastete das Ergebnis mit rund 40 Millionen Euro, auch weil zwei Kreuzfahrtschiffe wochenlang in Persischen Golf feststeckten. Die Folgen des Hurrikans schlugen bei Tui mit 5 Millionen Euro negativ zu Buche. 

„Uns ist die Sahne von dem Kuchen genommen worden“

Ebel sprach dennoch von einem sehr guten zweiten Quartal, das ohne den Iran-Krieg sogar überragend gewesen wäre. „Uns ist die Sahne von dem Kuchen genommen worden“, sagte der Konzernchef. Der Konflikt habe Tui mehrfach getroffen. Neben den festliegenden Kreuzfahrtschiffen musste Tui mit großem Aufwand Urlauber aus der Region zurückholen.

Der Krieg wirkt sich inzwischen auch auf die Kosten im Luftverkehr aus. Der Großteil des Kerosins sei nicht nur bei Tuifly bereits abgesichert, sagte Ebel. „Wir gehen davon aus, dass wir keinen Engpass haben werden.“ Mittelfristig dürften Airlines ihre Ticketpreise wegen der höheren Kerosinkosten dennoch erhöhen. Dabei gehe es aber eher um Preissteigerungen von zwei bis drei Prozent und nicht um 10 bis 20 Prozent.

Trotz der Unsicherheiten will Tui die Reisepreise möglichst stabil halten. Der bislang gebuchte Umsatz für den Sommer liegt allerdings derzeit rund sieben Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Urlauber liege ähnlich weit darunter, sagte Ebel. Die Reisepreise lägen im Schnitt etwa so hoch wie im vergangenen Sommer.

Ähnliche Artikel