Kolumne „Frau am Freitag“ Gehirn, halt mal kurz die Klappe

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Von Ute Nobel
| 22.05.2026 07:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ständiges Grübeln kann mürbe machen. Viele Frauen kennen das. Die Frau am Freitag hat nun eine Methode gefunden, die hilft. Foto: Pixabay
Ständiges Grübeln kann mürbe machen. Viele Frauen kennen das. Die Frau am Freitag hat nun eine Methode gefunden, die hilft. Foto: Pixabay
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Die Frau am Freitag beneidet Männer, bei denen Leere im Kopf herrscht – und hat gegen das Overthinking eine neue Methode ausprobiert: Ihr Hirn heißt jetzt Hilde.

Bei manchen Menschen ist im Kopf mehr los als bei anderen. Damit meine ich nicht, dass sie intelligenter sind – sondern, dass sie sich mehr Gedanken machen. Zu viele Gedanken. Über längst vergangene Gespräche, über Dinge, die man nicht ändern kann, oder über Probleme, die in der Zukunft lauern könnten. Die Frau am Freitag ist so ein Mensch: Da wacht man nachts plötzlich auf und kann nicht wieder einschlafen, weil das Gedankenkarussell sich unaufhörlich dreht. Oder man merkt mitten am Tag, dass der Kopf dröhnt, weil er voll ist mit Grübeleien.

Eine nicht besonders repräsentative Studie im eigenen Umfeld zeigt: Männer haben dieses Problem weniger. Ich habe den Kollegen neulich gefragt, ob er manchmal einfach an nichts denkt. „Ich versteh die Frage nicht“, war die Antwort. Die Frau am Freitag ist neidisch: Wie angenehm leicht muss sich ein Kopf anfühlen, der nur auf Knopfdruck Gedanken ausspuckt und ansonsten einfach still ist?

Techniken gegen das Gedankenkarussell

Es gibt viele Methoden, die bei Overthinking, so nennt man das ständige Grübeln, helfen sollen. Das Einfachste ist, seine Gedanken aufzuschreiben. Und wenn dann alle Gedanken aus dem Kopf rausgeschrieben sind, nimmt der Druck ab. Die Frau am Freitag kann aus eigener Erfahrung sagen: Ja, diese Methode hilft. Aber ständig nachts irgendetwas in die Notizen des Handys zu tippen, ist auf Dauer nicht förderlich für den Schlaf.

Dann gibt es noch die 5-4-3-2-1-Methode. Dabei fokussiert man sich so sehr auf seine Umgebung, dass das Gehirn aus der Gedankenspirale geholt wird. Man soll Dinge benennen: fünf, die man sieht, vier, die man spürt, drei, die man hört, zwei die man riecht und eins, das man schmeckt. Auch das funktioniert – jedenfalls für den Moment. Aber es ist schon eine Herausforderung, sich zu merken, welche Anzahl an Dingen mit welcher Sinneswahrnehmung verknüpft werden soll. Zu kompliziert.

Gesprächspartnerin Gehirn

Die Frau am Freitag hat nun eine neue Methode entdeckt: Dem Gehirn wird ein Name gegeben und dann mit ihm gesprochen. Natürlich leise, im Kopf. Man will ja nicht den Eindruck vermitteln, man sei verrückt – wobei: Wer nachts um halb vier ernsthaft mit sich selbst diskutiert, hat dieses Boot ohnehin schon bestiegen. Man fragt also das eigene Hirn, nennen wir es mal Hilde: „Hilde, was ist das Problem, was bedrückt dich?“ Und dann zählt Hilde gedanklich alle Dinge auf, die sie aktuell beschäftigen. Nach jedem Gedanken fragt man: „Hilde, ist da noch mehr?“ Und Hilde spuckt unaufhörlich all ihre Grübeleien aus. So lange – und das funktioniert tatsächlich –, bis keine mehr da sind.

Und dann kommt der Moment, der für den Kollegen anscheinend Dauerzustand ist: Stille im Kopf. Ich genieße sie drei Sekunden lang – bis Hilde flüstert: „Hast du in der Mail wirklich ,Liebe Grüße‘ geschrieben?“

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