Westoverledingen/Weener

Liebesbeweise nach Schiffsunfall weg

Carsten Ammermann
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Von Carsten Ammermann
| 01.11.2019 07:17 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Der Frachter „Emsmoon“ hat am 3. Dezember 2015 beim Schiffunfall nicht nur die geschlossene Friesenbrücke bei Weener zerstört. Auch zahlreiche Liebesschlösser, die am Klappteil angebracht worden waren, sind verschwunden. Sehr zum Ärger vieler Pärchen.

Westoverledingen/Weener. Es war am 3. Dezember 2015 gegen 18.40 Uhr: Bei Dunkelheit rammt der Frachter „Emsmoon“ die geschlossene Friesenbrücke bei Weener. Der Schiffsunfall sorgte bundesweit für Schlagzeilen. Der Frachter zerstört eine für Norddeutschland und für die Niederlande sehr wichtige Eisenbahnverbindung. Für die Menschen an beiden Seiten der Ems hat der ungewöhnliche Unfall weitreichende Folgen. Fußgänger und Radfahrer können die Ems seit dem Abend an dieser Stelle nicht mehr überqueren. Und der aktuelle Zustand wird noch viele Jahre lang andauern.

Die Aufnahme zeigt den Frachter „Emsmoon“, wie er nach dem Unfall am 3. Dezember 2015 auf der Ems in der Friesenbrücke bei Weener festhing. Kurz nach dem Unglück wurde das durch den Aufprall zerstörte Klappteil der Eisenbahnbrücke ausgebaut. Archivfoto: DPA
Die Aufnahme zeigt den Frachter „Emsmoon“, wie er nach dem Unfall am 3. Dezember 2015 auf der Ems in der Friesenbrücke bei Weener festhing. Kurz nach dem Unglück wurde das durch den Aufprall zerstörte Klappteil der Eisenbahnbrücke ausgebaut. Archivfoto: DPA

Mit dem Schiffsunfall ist aber nicht nur die Verbindung über die Ems zerstört worden, es sind auch zahlreiche Liebesbeweise verschwunden. Denn ein weltweiter Trend hatte längst auch in Ostfriesland Einzug gehalten – die sogenannten Liebesschlösser, die Pärchen als Zeichen ihrer Zuneigung an bestimmten Orten anbringen. Dazu zählte bis zum 3. Dezember 2015 eben auch die Friesenbrücke, die die Gemeinde Westoverledingen und die Stadt Weener miteinander verbunden hat.

Pärchen vermissen ihre Liebesschlösser

Zahlreiche dieser Liebesschlösser aus Stahl hingen auch am Klappteil, das durch die Wucht des Aufpralls des Frachters „Emsstrom“ jedoch völlig zerstört wurde und teilweise in die Ems gerutscht war. Auch an dem Mittelteil, das im Frühjahr 2016 für die Überführung des Kreuzfahrtschiffes „Ovation of the Seas“ der Papenburger Meyer-Werft herausgenommen worden war, hingen einige der Liebesbeweise aus Stahl. Dieses Segment ist nach der Überführung des Luxusliners nicht wieder eingebaut worden. Somit sind auch diese Schlösser, die mit Gravuren oder Aufschriften versehen waren, verschwunden.

„M + A“ ist auf diesem Schloss zu lesen. Auf der Rückseite steht das Datum 24. 11. 11. Ob das Liebesschloss, das an einer Kette der Friesenbrücke befestigt worden war, noch existiert, kann nicht überprüft werden. Denn nach dem Schiffsunfall im Dezember 2015 ist die Eisenbahnbrücke gesperrt worden, es herrscht ein Betretungsverbot. Archivfoto: Ammermann
„M + A“ ist auf diesem Schloss zu lesen. Auf der Rückseite steht das Datum 24. 11. 11. Ob das Liebesschloss, das an einer Kette der Friesenbrücke befestigt worden war, noch existiert, kann nicht überprüft werden. Denn nach dem Schiffsunfall im Dezember 2015 ist die Eisenbahnbrücke gesperrt worden, es herrscht ein Betretungsverbot. Archivfoto: Ammermann

Nicht nur diese Pärchen trauern ihrem Symbol der Liebe hinterher. Auch die anderen Verliebten, die an den Metallstreben der Eisenbahnbrücke, die bis zum 3. Dezember 2015 über die Ems geführt hat, ihre Schlösser befestigt haben, sind enttäuscht. Denn nach dem Schiffsunfall ist die Eisenbahnbrücke komplett gesperrt worden. Der Zugang wird mit hohen Zäunen verwehrt, es gilt ein absolutes Betretungsverbot. Einfach mal nachschauen, ob das Schloss noch vorhanden ist, ist für die Liebenden somit nicht mehr möglich. Vermutlich werden sie ihren Liebesbeweis aus Stahl sowieso nie wieder sehen. Denn die Eisenbahnbrücke bei Weener soll abgerissen und bis 2024 durch eine neue Drehbrücke ersetzt werden.

Ostfrieslandweit bringen Verliebte Schlösser an Brücken an

In Ostfriesland gibt es neben der Eisenbahnbrücke allerdings noch weitere Orte, an denen Pärchen ihre Liebesschlösser angebracht haben. Zum Beispiel am Aussichtspunkt am Haus des Gastes in Norddeich, im Neuharlingersieler Hafen an einer Kette beim Hafenbecken, an einem Metallgestell direkt neben dem Pilsumer Leuchtturm oder auch an der Nessebrücke in Leer.

Doch an dem Bauwerk in Leer ist die Freude für die Liebenden nur von kurzer Dauer. „Wenn Schlösser an der Nessebrücke entdeckt werden, müssen wir sie entfernen. Das kommt ab und zu mal vor. Denn es gibt ein Problem. Mit der Zeit führen die Schlösser zu Beschädigungen an der Lackierung und der Grundierung“, teilte Edgar Behrendt, Pressesprecher der für die Brücken zuständigen Stadtwerke Leer auf Anfrage mit. „Wir möchten die Liebe der Paare damit nicht zerstören. Uns bleibt aber leider nichts anderes übrig, als so vorzugehen“, führte Behrendt aus.

Das gelegentliche Anbringen von Liebesschlössern scheint den Kommunen in Ostfriesland allerdings keine Kopfschmerzen zu bereiten. Das ergab eine Umfrage. „Uns sind keine Stellen in Aurich bekannt, an denen solche Schlösser angebracht werden“, teilte Kai-Michael Heinze von der Stadt Aurich mit. „Als Landkreis haben wir mit der Thematik bislang nichts zu tun gehabt“, so Rainer Müller-Gummels, Pressesprecher des Landeskreises Aurich. Ähnlich auch die Antwort von Philipp Koenen, Pressesprecher des Landkreises Leer. „Liebesschlösser spielen bei uns keine Rolle.“

Schlösser werden meistens schnell entfernt

In der Stadt Emden werden Mitarbeiter des Bau- und Entsorgungsbetriebs Emden (BBE) aktiv. „An Brücken angebrachte Liebesschlösser werden während der regelmäßigen Sicherheitskontrollen sofort entfernt“, sagte Eduard Dinkela, Pressesprecher der Stadt Emden.

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