Straßenverkehr

Messingscheiben auf Neuem Markt in Emden geben Rätsel auf

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 06.07.2020 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Wer mit offenen Augen auf dem Neuen Markt in Emden unterwegs ist, hat sie schon entdeckt: kleine, runde Messingscheiben, die aussehen wie 50-Cent-Münzen. Passanten rätseln, wofür sie gut sind. Die OZ hat nachgefragt und lüftet das Geheimnis.

Emden - Wer mit offenen Augen in der Emder Innenstadt unterwegs ist, hat sie womöglich schon entdeckt: Kleine, runde Messingscheiben auf den neu gepflasterten Flächen an beiden Seiten des Neuen Marktes geben vielen Passanten Rätsel auf. Mehr noch: Weil die Plaketten in Farbe und Größe einer 50-Cent-Münze ähneln und bei Sonnenschein glänzen, sind manche versucht, sie aufheben zu wollen. Andere tippen zunächst vorsichtig mit den Schuhen daran, um zu testen, ob die Scheiben lose sind. Aber die Messingpunkte sind fest im Boden verankert. „Ich glaube nicht, dass es jemand schafft, sie herauszukriegen“, sagt Dirk Rüst. Er ist Polier der Firma Huneke & Rick, die den zentralen Platz im Auftrag der Stadt umbaut.

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei den Messingscheiben um Grenzpunkte handelt, weil sie sich jeweils zwischen zwei Gebäuden der Häuserzeilen an der Nord- und der Südseite des Neuen Marktes befinden. Das ist aber falsch. Tatsächlich markieren die runden Scheiben nämlich die Fläche, die vor den Geschäften, Restaurants und Clubs als Gehweg für Fußgänger frei bleiben muss und nicht mit Werbeaufstellern, Verkaufsständern, Stühlen, Tischen oder Sonnenschirmen zugestellt werden darf. Auch Menschen mit Gehhilfen, Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kindern sollen dort ungehindert passieren können. „Uns ist die Nutzung der Gehwege im Hinblick auf die Barrierefreiheit ein wichtiges Anliegen“, sagt Stadtsprecher Eduard Dinkela.

Punkte markieren den Gehweg

Der 1,50 Meter breite Gehweg verläuft ein Meter vor den Hausfassaden. Die Flächen außerhalb davon können für andere Zwecke – also beispielsweise für Außenterrassen von Restaurants und Cafés – genutzt werden. Diese „Sondernutzungsflächen“ – wie sie im Amtsdeutsch heißen – sind nicht fest vorgeschrieben, sondern „immer von der Bebauung und umliegenden Nutzung abhängig beziehungsweise begrenzt“, erläutert Fachdienstleister Wolfgang Ubben von der Straßenverkehrsabteilung der Stadt. Wer diese Flächen in Anspruch nehmen will, muss eine Genehmigung dafür haben und dafür auch Gebühren bezahlen. Jede Sondernutzung sei insofern „auch immer eine Einzelfallentscheidung“, so Ubben.

Diese Regelungen gibt es in Emden schon seit Jahren. Neu sind aber die Messingmarkierungen. Die Scheiben, die einen Durchmesser von drei Zentimetern haben, sind erstmals in der Innenstadt eingebaut worden. „Das ist aber keine reine Emder Idee“, räumt der Fachdienstleiter ein. Andere Städte arbeiteten auch damit, beispielsweise Marl und Bottrop in Nordrhein-Westfalen.

Kontrolleure haben es einfacher

Für die Stadt haben die Markierungsnägel einen entscheidenden Vorteil. Denn dadurch werden die Flächen für Sondernutzungen sichtbarer und so auch leichter kontrollierbar. „Somit haben die Kollegen im Außendienst des Fachdienstes Straßenverkehr die Möglichkeit, die Sondergenehmigungsinhaber im Bedarfsfall konkret anzusprechen“, sagt Dinkela. Konkret soll das wohl heißen, dass die Ordnungskräfte bei Konflikten oder Verstößen gegen die Flächenbegrenzung einfacher eingreifen können.

Wie viele dieser Messingpunkte auf dem Neuen Markt installiert werden, ist nicht bekannt. Gezählt hat sie nämlich bislang wohl keiner.

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