Umbau

Das Parken auf dem Emder Marktplatz wird heiß diskutiert

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 27.08.2020 18:33 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Während der Umbau des Neuen Marktes in Emden dem Ende entgegengeht, steht die Entscheidung über das Parken auf diesem zentralen Platz nach wie vor aus. Die Politik ist sich uneins. Die Grünen befeuern jetzt die Diskussion.

Emden - Je mehr der Umbau des Neuen Marktes in Emden dem Ende entgegen geht, umso mehr drängt sich die Frage auf, ob künftig größere Flächen dieses zentralen Platzes wieder zum Parken genutzt werden oder weitgehend frei von Autos bleiben sollen. Das ist zurzeit nicht nur unter den direkten Anliegern eine der am meisten diskutierten Fragen. Eine klare Antwort darauf hat die Politik aber noch nicht. Während sich die Ratsfraktionen von SPD, CDU, FDP und GfE nicht eindeutig positionieren oder ihre Haltung von dem Bau des geplanten Parkhauses an den Neutor-Arkaden abhängig machen, sind die Grünen jetzt vorgeprescht. Sie wollen, dass der Neue Markt autofrei bleibt.

Das überrascht nicht, denn die Fraktion hatte sich auch schon in der Vergangenheit stets dafür ausgesprochen. Dennoch befeuert sie damit die Diskussion auch unter dem Aspekt, was passieren soll, wenn der Neue Markt in einigen Wochen fertig sein wird. Hinzu kommt: Die Stadt hatte jüngst mehrfach angekündigt, dass die Entscheidung nach der Sommerpause getroffen werden soll. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen.

Grüne wollen keine Winterregelung

Nur wenn der Neue Markt autofrei bleibe, können der Platz „sich in seiner neuen Gestalt und seine Atmosphäre entfalten“, heißt es in der Stellungnahme der Grünen. Es wäre deshalb „falsch und kontraproduktiv“, so Fraktionsvorsitzender Bernd Renken, den Neuen Markt nach der Fertigstellung im Herbst mit einer Winterregelung als Parkfläche freizugeben. Die elf Stellplätze vor dem Edeka-Markt, die in der Planung schon vorgesehen waren, seien ausreichend.

Klare Kante zeigen

Ein Kommentar von Heiko Müller

Es wird allmählich Zeit: Die Frage, ob Autos den Neuen Markt künftig wieder zuparken dürfen, muss jetzt beantwortet werden. Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung sollten endlich klare Kante zeigen. Das Thema beschäftigt die Stadt schon zu lange und droht, zu einer unendlichen Geschichte zu werden, so lange es keine Gewissheit über ein neues Parkhaus gibt. Das wäre den Bürgern nicht mehr vermittelbar.

Eine Einigung eilt auch deswegen, weil die Verjüngungskur des zentralen Platzes nach knapp anderthalb Jahren vor dem Abschluss steht und Klarheit herrschen sollte, bevor alles fertig ist. Denn wenn Bauzäune und Bagger verschwunden sind, darf der Platz nicht sich selbst überlassen werden. Sonst könnten Fakten geschaffen werden, die sich später nicht mehr korrigieren lassen. Schon jetzt lässt sich beobachten, dass Autofahrer sich jedes freiwerdende Stück der Baustelle zurückerobern. So etwas unkontrolliert zuzulassen, wäre töricht.

Es geht aber um mehr als die etwa 50 Einstellplätze, die außerhalb der Wochenmarkt-Zeiten vielleicht fehlen werden. Die Entscheidung über das Parken auf dem Marktplatz ist richtungsweisend für die Entwicklung der Innenstadt. Auch deswegen muss sie her – schnell!

Den Autor erreichen Sie unter h.mueller@zgo.de

Nicht in Frage kommt für die Grünen zudem, den Neuen Markt übergangsweise so lange als Parkplatz zu nutzen, bis das neue Parkhaus an den Neutor-Arkaden fertig ist. „Denn damit würde der Neue Markt wieder für ein Jahr oder länger als öder Parkplatz zementiert werden, anstatt ihn von Anfang als den zentralen Ort der Begegnung, des Verweilens und der Vielfalt in der Stadtmitte zu etablieren, wie es der Wunsch vieler Emderinnen und Emder ist“, meint Renken. Seine Fraktion trete für „eine zukunftsgewandte Stadtentwicklung“ ein: „Emden hat die Chance, sich von dem überkommenen Leitbild einer autogerechten Stadt zu verabschieden“.

SPD spricht sich für ein Gesamtkonzept aus

Ebenso wie die Grünen hatte sich anfangs auch die SPD als stärkste Kraft im Rat für den Neuen Markt ohne Autos stark gemacht, später aber auch eine unterschiedliche Regelung für den Sommer und den Winter für möglich gehalten. „Ganz autofrei wird es nicht gehen“, sagte am Donnerstag Fraktionschefin Maria Winter der OZ. Es seien aber „noch viele Fragen offen“. Die SPD-Politikerin spricht sich dafür aus, ein Gesamtkonzept für das Parken in der Innenstadt zu entwickeln. Darin einbezogen werden müssten etwa auch das Behördenviertel und der Stadtteil Klein-Faldern. Dort sei die Parksituation problematisch.

Die CDU bleibt derweil bei der Haltung, die sie von Anfang an in dieser Frage vertreten hat. Die Fraktion will einer autofreien Lösung nur zustimmen, wenn die dadurch verloren gehenden Stellplätze an anderer Stelle in unmittelbarer Nähe des Neuen Marktes kompensiert werden. „An dieser Position hat sich nichts geändert“, bekräftigt CDU-Vorsitzender Helmut Bongartz. In der Innenstadt seien in jüngster Zeit „eine große Menge an Parkplätzen“ weggefallen - nicht nur am Neuen Markt. Nach der Fertigstellung der Neutor-Arkaden werde sich die Situation noch verschärfen. „Das dürfen wir nicht außer Acht lassen“, so der CDU-Politiker.

Parkhaus steht in den Sternen

Lösungen, Ersatz für die Parkflächen auf dem Neuen Markt zu schaffen, hält Bongartz auch anderer Stelle als dem geplanten Parkhaus an der Jungfernbrückstraße für denkbar. So sei in der Vergangenheit etwa auch schon über ein Parkdeck auf dem Gelände beim Aldi-Markt nachgedacht worden.

Die FDP-Fraktion will zunächst abwarten, „ob es mit dem Parkhaus klappt“, sagt Vorsitzender Bolinius. Erst danach wolle sie sich positionieren. Zurückhaltend äußert sich auch Jochen Eichhorn von der GfE. Seine Fraktion werde sich am kommenden Montag damit befassen. Bislang hatte sich die Wählergemeinschaft dafür ausgesprochen, das Parken auf dem Neuen Markt wieder im größerem Maße zu ermöglichen.

Während der Neubau der Neutor-Arkaden weiter in die Höhe wächst, steht offenbar noch in den Sternen, ob das geplante Parkhaus in unmittelbarer Nachbarschaft dieses Einkaufs- , Hotel- und Dienstleistungskomplexes gebaut wird. Nach Informationen der OZ sind die Pläne dafür zwar fertig, es fehlt aber ein Investor. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) zeigte sich jüngst zuversichtlich, dass das Projekt verwirklicht wird. Bei der List-Gruppe, die die Neutor-Arkaden baut, hieß es zuletzt, es würden „weiterhin intensiv unterschiedliche Möglichkeiten geprüft und verfolgt“.

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