Mega-Baugebiet
Emden: Naturschützer wollen Conrebbi-West verhindern
Der Widerstand gegen ein großes neues Baugebiet in Emden flammt neu auf. Die Grünen-Abgeordnete Meta Janssen-Kucz ruft die Landesregierung auf den Plan. Und vor Ort steht eine Bürgerinitiative in den Startlöchern.
Emden - Emden soll wachsen. An diesem Donnerstag befasst sich der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt des Emder Rates deswegen mit den Plänen für ein großes Baugebiet, um das es seit fünfeinhalb Jahren viel Wirbel gibt. In einer nach heftigem Protest deutlich abgespeckten Variante stellt die Stadt mit der Unterstützung fast aller Ratsparteien die Weichen für einen neuen Stadtteil. In einem 35 Hektar (statt ursprünglich rund 60 Hektar) umfassenden Gebiet innerhalb des Autobahnringes sollen schrittweise 370 Grundstücke erschlossen werden. Pünktlich zur Ausschusssitzung melden sich die Gegner lautstark zurück.
Die Grünen-Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz (Leer/Borkum) will die Landesregierung einschalten. In einer Anfrage, die der OZ vorliegt, fordert sie Umweltminister Olaf Lies (SPD) zu einer Stellungnahme auf. Sie wolle den „Finger in die Wunde legen“, sagte Janssen-Kucz auf Nachfrage der OZ. Bereits vor zwei Jahren hatten die Grünen das Land um eine verbindliche Aussage zum naturschutzfachlichen Wert der Fläche gebeten. „Trotz Nachfrage habe ich keine Antwort bekommen“, so die Abgeordnete.
„Müssen uns Gedanken machen, bevor wir die Flora und Fauna plattmachen“
Die Hoffnung der Grünen auch im Emder Rat: Indem der ökologische Nutzen des Gebietes benannt wird, muss das Projekt neu beurteilt werden. „Wir müssen uns Gedanken machen, bevor wir die Flora und Fauna plattmachen“, fordert Janssen-Kucz und verweist darauf, dass die Stadt in einem Entwurf ihres Landschaftsrahmenplanes „die herausragende Bedeutung“ der Flächen selbst benannt habe.
Gedanken um den Naturschutz macht sich auch die Bürgerinitiative Conrebbersweg, in der sich Anwohner zusammengeschlossen haben. Sie wollen das Baugebiet, das im Planverfahren vor der zweiten von drei Stufen steht, stoppen. Birte Engelberts ist eine von ihnen. „Wir bereiten eine Unterschriftensammlung vor“, sagt sie. Das Ziel der Online-Petition, die noch nicht gestartet worden sei, ist die Ausweisung eines Naturschutzgebietes, denn mit den Baugebietsplänen werde „hochwertiges Grünland“ vernichtet.
Bauwillige wandern ab ins Umland
Auch aus Rücksicht auf die Natur hatte die Stadt ihre ursprüngliche Absicht, bis zu 700 Grundstücke zu erschließen, überarbeitet. Sie hält den neuen Stadtteil für notwendig, um die Nachfrage nach neuem Bauland in Emden bedienen und eine Abwanderung ins Umland verhindern zu können.
Die Grünen bezweifeln, dass die Nachfrage so groß ist. „Die Dinge haben sich seit 2015 geändert“, meint Janssen-Kucz. Neben neuen wirtschaftlichen Bedingungen stelle sie auch ein gewachsenes ökologisches Bewusstsein fest. Dazu brauche es eine „offene und ehrliche Diskussion“, fordert sie.
Die Ausschusssitzung ist an diesem Donnerstag. Sie ist öffentlich und beginnt um 17 Uhr im Verwaltungsgebäude II an der Ringstraße. Wegen der Hygienevorschriften und der begrenzten Plätze ist eine Anmeldung unter 04921/871530 erforderlich.