Bauen

Conrebbi-West: Bauplätze werden nach Punktesystem vergeben

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 08.10.2020 11:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Am Mittwoch informierte die Stadt Emden über den Planungsstand zum Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West. Zum ersten Mal wurde dabei auch gesagt, wie die Vergabe der Bauplätze geregelt werden soll.

Emden - Ein neuer Stadtteil nimmt Gestalt an: Am Mittwochabend präsentierte die Emder Verwaltung in der Nordseehalle Grafiken und Pläne für Conrebbersweg-West. Ab dem kommenden Jahr sollen schrittweise bis zu 370 Grundstücke erschlossen werden. Das Gebiet, das zentrumsnah innerhalb des Autobahnrings liegt, gilt seit 2015 als das wichtigste Stadtentwicklungsprojekt für Emden.

Die Erwartungshaltung ist entsprechend groß - sowohl auf Seiten der Planer als auch bei den Bauwilligen, von denen einige seit mittlerweile mehr als fünf Jahren in den Startlöchern stehen. Jetzt erfuhren sie erstmals, nach welchen Kriterien die Grundstücksvergabe geregelt werden soll.

Das Punktesystem

Die Stadt hat sich ein Punktesystem überlegt, über das der Rat allerdings noch abstimmen muss. Die Politik kann also noch entscheidenden Einfluss nehmen und eigene Vorstellungen diktieren. Der Vorschlag der Verwaltung sieht bislang vor, in folgenden Kategorien Punkte zu vergeben: Alter (bis fünf Punkte), Kinder (bis sechs Punkte), kein Wohneigentum/Erbbaurechte (fünf Punkte), Arbeitsplatz (zwei Punkte), Behinderung/Teilhabebeschränkung (fünf Punkte), ehrenamtliches Engagement (ein Punkt). Zusätzlich sollen mit vier Punkten jene bevorzugt behandelt werden, die bereits auf der Interessenliste stehen.

Über Staffelungen bei Alter und Kindern hofft die Stadt, jungen Familien mit Kindern das Bauen in Conrebbi-West, wie das Mega-Baugebiet kurz genannt wird, zu erleichtern. So soll verhindert werden, dass weitere ins Umland abwandern. In welcher Alterskategorie und in welchem Alter der Kinder die Stadt die meisten Punkte vergeben möchte, geht aus der Liste allerdings nicht hervor.

Die Fragen

Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff erläuterte die Pläne vor etwa 200 Zuhörern in der Nordseehalle. Bild: Päschel
Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff erläuterte die Pläne vor etwa 200 Zuhörern in der Nordseehalle. Bild: Päschel
Zu der Bürgerversammlung kamen am Mittwoch knapp 200 Interessierte, darunter viele junge Paare. In einer offenen Fragerunde hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit, sich direkt an die Verwaltung zu wenden. Gefragt wurde unter anderem nach der Verkehrsführung und der geplanten Bahn-Unterführung Richtung Innenstadt, zum zeitlichen Ablauf der Erschließung und zu den Grundstückspreisen. Für die Antworten teilten sich Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos), Stadtbaurat Andreas Docter und Fachbereichsleiter Rainer Kinzel das Mikrofon.

Andreas Docter stellte klar, dass die Erschließung mit dem ersten Bauabschnitt von der Autobahn her beginnen soll. Danach soll es Abschnitt für Abschnitt weiter gen Süden gehen, wo wegen der Nähe zum Larrelter Tief und zum Zentrum die teuersten Grundstücke liegen dürften. Mit der Vermarktung des zweiten Abschnitts beginne man, sobald im ersten 80 Prozent aller Grundstücke verkauft seien, so Kruithoff. Laut Docter könne man zu den Grundstücks- und Quadratmeterpreisen zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen.

Umgehungsstraße und Unterführung

Der Stadtteil Conrebbersweg aus der Luft gesehen. Westlich davon sollen bis zu 370 neue Grundstücke entstehen. Bild: Hock
Der Stadtteil Conrebbersweg aus der Luft gesehen. Westlich davon sollen bis zu 370 neue Grundstücke entstehen. Bild: Hock
Erschlossen werden alle Abschnitte, wie zuvor angekündigt, über eine neue Hauptverbindungsachse. Diese Straße wird als Umgehung für Conrebbersweg zukünftig von der Autobahn durch den neuen Stadtteil bis zum Steinweg führen. Die Unterführung der Bahn kurz vor dem Steinweg werde noch ein paar Jahre auf sich warten lassen, so Docter. Derzeit fänden finale Abstimmungsgespräche mit der Bahn statt, sagte der Stadtbaurat. Der Abschluss dieser Gespräche ist erst der Auftakt für ein zeitaufwendiges Planverfahren. Damit der Verkehr auch ohne Unterführung fließen kann, wird der Franekerweg von der jetzigen Bahnüberquerung parallel zu den Schienen zur Umgehungsstraße verlängert.

Mit Blick auf die Vergabekriterien fragten zwei Teilnehmerinnen nach den Belangen von Senioren und unverheirateten kinderlosen Singles. Kruithoff und Docter teilten mit, dass es genügend Platz für alle geben solle.

Ökologie und Naturschutz

Auf Interesse stieß auch das Thema Umweltschutz. Die Fläche (35 Hektar, was etwa 50 Fußballfeldern entspricht), die für Conrebbi-West benötigt wird, gilt als naturschutzfachlich wertvoll. „Es ist ein wirklich tolles Stück Grün“, ließ Kruithoff wissen. Die Versiegelung soll durch Ausgleichsflächen kompensiert werden. Mithilfe des Emder Ökowerks und der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) verfüge die Stadt bereits über ausreichenden und hochwertigen Ersatz, so Kruithoff und Kinzel.

Vorgesehen ist zudem, dass der gesamte neue Stadtteil bis zum Jahr 2050 zu 100 Prozent CO2-frei sein sollen. So werde auf Gasleitungen gänzlich verzichtet. Vorgesehen sei auch, nachhaltige Bauweisen und die Elektromobilität für jeden Haushalt zu fördern.

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