Einkaufen
Emden bekommt einen Combi-City – was ist das eigentlich?
Die Baustelle der Neutor-Arkaden bestimmt gerade das Bild in der Emder Innenstadt. Auch ein Combi-Markt soll dort einziehen – mit einem ganz neuen Konzept, das es bislang nur in Oldenburg gibt.
Emden/Oldenburg: Oldenburg hat schon einen, Emden soll einen bekommen: Im September soll in den Emder Neutor-Arkaden ein Combi-City eröffnen. Mit dieser besonderen Art des Combi-Marktes will die Bünting-Gruppe auf das geänderte Einkaufsverhalten der Menschen reagieren.
Das Prinzip einer Combi-City-Filiale ist schnell erklärt: In einem kompakter als üblich gestalteten Combi-Markt können die Menschen in Innenstädten einkaufen – mit viel Selbstbedienung und in Randzeiten ganz ohne Personal im Markt. Zuständig für die Entwicklung dieser und anderer neuer Formate ist bei der Bünting-Gruppe Johannes Aumann.
Das Konzept
Hinter dem Combi-City stecke vor allem die Frage: „Was wollen unsere Kunden, gerade im urbanen Raum?“, so Aumann. Dabei soll das Konzept den Spagat finden zwischen der schnellen Verpflegung zwischendurch, beispielsweise in der Mittagspause, und dem „Vorratseinkauf“. „Sowohl der schnelle, einfache Einkauf, als auch der gewohnte Einkauf für die ganze Familie ist möglich“, so Aumann. Dabei sollen sich beide Kundengruppen aber nicht, überspitzt gesagt, in die Quere kommen. „Der Markt ist entsprechend eingteilt“, so Aumann. Wer nur schnell einen kleinen Imbiss benötigt, werde beispielsweise an der Frischetheke und im Backwarenbereich gleich in Eingangsnähe fündig und könne direkt weiter zur Kasse gehen.
Die Randzeiten
Während der üblichen Öffnungszeiten werden beide Kassen geöffnet sein, allerdings wird es im Emder Combi-City auch erweiterte Öffnungszeiten geben. Ein rund um die Uhr zugänglicher Automat, wie es ihn in Oldenburg gibt, sei allerdings nicht geplant, so Aumann. „Auch der City-Combi wird nicht 24 Stunden am Tag geöffnet sein“, sagt er. Aber man wolle früher öffnen als ähnliche Märkte dies tun und auch später schließen. Die genauen Öffnungszeiten seien noch in der Beantragung. Fest stehe aber schon jetzt: In diesen Randzeiten werden keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Laden sein.
Aber wie soll das funktionieren? „Der Zugang erfolgt über Bankkarte oder die Moin-Karte“, sagt Aumann. Die Moin-Karte ist die Combi-Kundenkarte. Wer so Zutritt bekommen hat, der könne dann alleine einkaufen, muss nur am Ende die Selbstbedienungskassen nutzen. Auch an den Jugendschutz sei bei diesem System gedacht worden: „Alles, was nicht an Jugendliche verkauft werden darf, ist in einem separaten Bereich untergebracht“, erklärt Aumann. Zu diesem erhalte man nur mit seinem Personalausweis Zugang. Weitere Sicherungssysteme schützen vor Diebstahl.
Die eigene Sicherheit
Doch Moment, allein im Laden: Was ist denn, wenn ein Kunde umkippt und dann wirklich niemand sonst im Combi-City ist? „Auch daran haben wir gedacht“, so Aumann. Die Zutrittszeiten werden, dadurch dass die Türen mit Karte geöffnet werden müssen, registriert. „Gleiches gilt für das Ende des Einkaufs, das Zahlen“, so Aumann. Dies geschehe zwar anonymisiert, aber dennoch könne nachvollzogen werden, wenn sich jemand länger als für einen Einkauf notwendig, im Markt aufhält. „Dann wird automatisch in der Sicherheitszentrale Alarm ausgelöst“, sagt Aumann. Der Markt sei videoüberwacht und bei Bedarf, zum Beispiel im Falle des erwähnten Alarms, könne über die Kameras das Geschehen im Markt eingesehen werden. „So können wir dann auch im Fall der Fälle Hilfe alarmieren.“
Einkaufsverhalten hat sich verändert
Weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dafür länger einkaufen, ist das ein Trend? „Nein“, sagt Jörg Thoma, stellvertretender Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland. Es gebe zwar Einzelbeispiele, generell sei der „Service am Kunden im stationären Einzelhandel aber weiter ein wichtiger Punkt“. Das bedeute aber nicht, dass es keine Ergänzungsangebote gibt oder geben sollte. „Mehr Service, ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich zu belasten, das ist definitiv Thema“, sagt Thoma. Zu diesen Ergänzungsangeboten zähle er auch die Randzeiten, in denen ein Einkauf ohne Personal vor Ort möglich sei.
Unbestritten sei aber, dass sich das Einkaufsverhalten der Menschen in den letzten 20 Jahren verändert habe. „Wir merken zum Beispiel, dass sich der Samstagseinkauf über den Tag gestreckt hat“, so Thoma. Was früher von vielen gleich für am Vormittag erledigt wurde, verteile sich nun auf einen längeren Zeitraum. „Gerade Berufstätige nutzen verlängerte Öffnungszeiten“, sagt Thoma. Für den gemeinsamen Bummel mit dem Partner, der Partnerin oder der Familie werde gerne der verkaufsoffene Sonntag genutzt. „Diese Tage werden immer sehr gut angenommen.“
Auffällig sei, dass das Internet auch zu einem veränderten Verkaufsverhalten geführt hat, selbst bei denen, die den stationären Einzelhandel nutzen. „Die Kunden sind selbstbestimmter und vor allem informierter geworden“, sagt Thoma. Oft werde selbst vor dem Einkaufsbummel geguckt, wo welches Produkt am günstigsten zu haben ist. „So wird der Gang in die Innenstädte oft deutlich zielgerichteter als vorher“, so die Einschätzung des Einzelhandelsverbandes.
Eine weitere Neuerung für Emden
Mit dem Combi-City soll derweil aber noch eine Neuerung nach Emden kommen. Denn der Backwarenbereich im Innern des Marktes wird von einem externen Partner betrieben: der Bäckerei Musswessels. Die Bäckerei mit dem Hauptsitz in Rhede (Ems) hatte früher schon mehrere Filialen in Emden, aktuell aber nur noch eine am Bahnhof. „Wir wollen aber gerne wieder nach Emden zurück“, sagt Sascha Beyer auf Nachfrage unserer Zeitung. Beyer ist der zuständige Verkaufsleiter. Im Combi-City plane man allerdings keine klassische Filiale, sondern ein ganz neues Selbstbedienungskonzept. „Das ist für uns als Bäckerei auch Neuland“, sagt Beyer. Ähnlich wie bei schon bekannten Selbstbedienungs-Backshops in Discountern und Supermärkten werde es im Combi-City in den Neutor-Arkaden ein Angebot aus dem Sortiment von Musswessels geben. „Es werden auch regelmäßig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort sein, um frische Ware zu backen“, sagt Beyer. Zudem wolle man einen Snackbereich, in dem es auch Kaffee geben soll, ausprobieren.
Der Stand an den Neutor-Arkaden