Todesanzeige aus Leer

Starb Wilko Völker an den Folgen einer Astrazeneca-Impfung?

Von Andreas Ellinger
 | 11.05.2021 22:05 Uhr  | 7 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Wilko Völker ist nach seinem Tod zu einer Art Märtyrer für Impfgegner geworden – nachdem seine Familie aus Leer in einer Todesanzeige schrieb, er sei nach einer Astrazeneca-Impfung gestorben.

Leer - „Der erst 43-jährige Wilko Völker wird seine möglicherweise erhofften, durch die Impfung zu einem hohen Preis wiedererkauften ‚Freiheiten und Grundrechte‘ in diesem Leben leider nicht mehr nutzen können.“ Solche und ähnliche Beiträge sind auf Facebook zu finden – samt einer Todesanzeige aus der Ostfriesen-Zeitung vom Samstag. In der hatte die Familie des Verstorbenen geschrieben: „Nach der Astrazeneca-Impfung, mitten aus dem Leben gerissen, starb Wilko den Hirntod.“

Daraufhin haben ihn Impfgegner und Verschwörungstheoretiker innerhalb weniger Tage zu einer Art Märtyrer gemacht. Über seinen Tod berichten nun Internetseiten, auf denen teilweise nicht einmal angegeben ist, wer sie betreibt und wer dort schreibt.

0,0018 Prozent der Geimpften sind als Todesfälle registriert

Diese Todesanzeige war am Samstag in der Ostfriesen-Zeitung. Seither wird sie im Internet von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern verbreitet. Repro: OZ
Diese Todesanzeige war am Samstag in der Ostfriesen-Zeitung. Seither wird sie im Internet von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern verbreitet. Repro: OZ
Dass Menschen an den Folgen einer Corona-Impfung versterben können, ist bekannt. Das Bundesinstitut für Impfstoffe, das Paul-Ehrlich-Institut, berichtet in seinem „Sicherheitsbericht“ vom 7. Mai von 524 Todesfällen, die ihm „in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung“ gemeldet worden seien. Das entspreche 0,0018 Prozent der geimpften Personen. 48 von ihnen seien nach einer Astrazeneca-Impfung verstorben – zwei allerdings nicht wegen einer Impfnebenwirkung, sondern wegen einer Covid-19-Erkrankung. 14 von diesen Geimpften seien an der Folge eines Thrombozytopenie-Syndroms (TTS) gestorben, vier weitere an einer Hirnblutung bei gleichzeitiger Thrombozytopenie. Zum Vergleich: Laut Robert-Koch-Institut hat es – so berichtet das Paul-Ehrlich-Institut – bis zum 29. April knapp 5,8 Millionen Astrazeneca-Impfungen gegeben.

Unsere Zeitung hat beim Paul-Ehrlich-Institut angefragt, ob und gegebenenfalls was die Einrichtung vom Todesfall Völker wisse. Auszug aus der Antwort: „Wir nehmen die Verdachtsfallmeldungen, die wir erhalten, in pseudonymisierter Form in die Datenbank auf, so dass eine Identifizierung nur mit einer spezifischen Fallnummer möglich ist. Ob uns der Fall gemeldet wurde, kann ich also nicht beantworten. Sofern er gemeldet wurde, haben wir ihn selbstverständlich untersucht.“ Obduktionen könne das Paul-Ehrlich-Institut allerdings nicht anordnen: „Wir können nur um die Ergebnisse bitten, wenn wir erfahren, dass eine Obduktion stattgefunden hat.“ Abgesehen davon gelte der Daten- und Persönlichkeitsschutz.

Familie des Verstorbenen will „keine Presseinformation geben“

Aus diesem Grund hatte sich die Redaktion unserer Zeitung schon vor Veröffentlichung der Anzeige an den Vater des Verstorbenen gewandt. Da die Familie mit der Anzeige selbst an die Öffentlichkeit ging, haben wir Ihno Völker aus Leer unter anderem gefragt, ob er unserer Zeitung Auskunfts-Vollmachten erteilen würde. In der Hoffnung, dass Eltern beispielsweise Ärzte oder Gerichtsmediziner bezüglich ihres verstorbenen Sohnes von der Schweigepflicht entbinden können. Zudem hätte es ja sein können, dass es einen Obduktionsbericht gibt, der den Tod infolge der Astrazeneca-Impfung bestätigt. Doch zunächst kam keine Antwort und auf telefonische Nachfrage in dieser Woche dann folgende: „Solche Anfragen erhalten wir jetzt öfter. Mit unserem Rechtsanwalt haben wir abgesprochen, dass wir vorerst keine Presseinformation geben wollen.“

Eine Umfrage unter ostfriesischen Verwaltungen und Kliniken hat in der vergangenen Woche ergeben, dass zwar ein paar Leute wegen Impfreaktionen im Krankenhaus behandelt wurden – aber niemand von ihnen gestorben sei.

Arbeitgeber des Verstorbenen beendet telefonische Presseanfrage abrupt

Auch der Arbeitgeber von Wilko Völker hatte einen Nachruf veröffentlicht – die Klinik Brilon-Wald im Hochsauerlandkreis. Eine schriftliche Presseanfrage wurde von der Klinik nicht beantwortet. Auf eine mündliche Anfrage hin wies der Verwaltungsleiter auf den Datenschutz hin. Die allgemeine Frage, ob ein Klinik-Mitarbeiter an den Folgen einer Corona-Impfung gestorben sei, wollte er nicht einmal zu Ende anhören. „Ich möchte das Gespräch beenden“, sagte er – und legte auf.

Die Verwaltung des Hochsauerlandkreises teilte auf Anfrage mit: „Der von Ihnen geschilderte Fall ist dem Kreisgesundheitsamt nicht bekannt.“ Die Fragen, ob es im April im Kreisgebiet einen Todesfall nach einer Astrazeneca-Impfung gegeben habe oder der Verwaltung ein solcher Todesfall eines Arbeitnehmers aus dem Hochsauerlandkreis bekannt sei, wurden mit „Nein“ beantwortet.

Es lässt sich nicht einmal verlässlichen, ob Wilko Völker geimpft war

Fazit: Über die Todesursache von Wilko Völker ließ sich nichts in Erfahrung bringen – nicht einmal, ob er mit Astrazeneca geimpft wurde. Das Paul-Ehrlich-Institut wies aufgrund des Textes in der Todesanzeige darauf hin, dass die Angabe „Hirntod“ viele verschieden Ursachen beschreiben könne: „Es ist also möglich, dass ein Mensch nach einer Impfung mit der Diagnose ,Hirntod‘ stirbt, ohne dass es sich um ein TTS gehandelt hat.“ Und: „Es kann auch sein, dass dieser Mensch nach der Impfung stirbt, die Impfung aber nicht die Ursache war.“

Alle Kommentare (7)
Dietmar Ferger
27.06.2021 22:10 Uhr

Es gibt eine Meldestelle Impftod. Geleitet von einem führenden Pathologen. Da kann objektiv festgestellt werden, ob jemand an den Folgen der Impfung verstorben ist. https://www.mwgfd.de/meldestelle-impftod/

Dietmar Ferger
27.06.2021 22:07 Uhr

Wer hier Klarheit haben will, der kann dies jetzt relativ einfach machen. https://youtu.be/fhkIW9VGDbs

Stefan Grensemann
12.05.2021 17:47 Uhr

Grundsätzlich haben Sie völlig recht, Herr Pastoor, aber wenn jemand eine Traueranzeige so formuliert und damit riskiert, dass Querdenker den Tod des Angehörigen instrumentalisieren, dann fordert man das öffentliche Interesse geradezu heraus.

Johann Pastoor
12.05.2021 17:14 Uhr

Es ist ein Mensch gestorben. Die Eltern trauern um ihr Kind. Die Mitteilung in der Traueranzeige zur Impfung mag der Verbitterung um den Verlust eines lieben Menschen geschuldet sein. Es steht dort keine Behauptung, dass die Impfung ursächlich war. Der "boulevardmäßige" Artikel ist pietätlos und geschmacklos! Mit welchem Recht werden die trauernden Angehörigen bedrängt?

Bert Reinders
12.05.2021 12:53 Uhr

Eine Todesanzeige einen Monat nach dem Tod, ohne Traueranschrift und mit dieser subtilen Aussage, ist ist Instrumentalisierunmg in Reinkultur. Und wenn ich die Namen der Familienangehörigen mal dur ne Suchmaschine schicke, dann steht der Nabu ganz oben.... Naja, Übung macht den Meister.

Andre Kauth
12.05.2021 10:58 Uhr

Für die Impfgegner und Querdenker ist das natürlich ein gefundenes Fressen.Da wird schnell mal etwas zum Anlass genommen, um die wirren Gedanken zu unterstützen. Recherche wurde da sicherlich nicht betrieben. Die ganzen Hintergründe und Ursachen scheinen ja überhaupt nicht bekannt zu sein. Warum sperrt sich der Arbeitgeber des Verstorbenen Auskünfte zu geben und reagiert harsch auf die Anfrage der OZ. Das sollte doch schon zu Denken geben.

Helga Gastmann
12.05.2021 00:22 Uhr

Danke für diese Nachrichten. Ich bin selber mit Astra geimpft und habe mich nach einer sehr ausführlichen Aufklärung mit einem guten Gefühl dafür entschieden. Solche Behauptungen in einer Todesanzeige sind das Letzte und das haben auch viele in meinen Bekanntenkreis gefunden. Einen geliebten Menschen durch den Tod zu verlieren ist sehr schwer. Auf Grund dieser Aussage der Hinterbliebenen lassen sich vielleicht weniger Menschen impfen und riskieren evtl. an Corona zu sterben. Haben die Angehörigen sich darüber Gedanken gemacht.? Sicher nicht!!!!