Kriminalität

Windige Kredite für marode Schrott-Immobilien?

Daniel Noglik
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Von Daniel Noglik
| 18.05.2021 17:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Letztes Jahr durchsuchten Ermittler Räume von ostfriesischen Sparkassen – wegen mutmaßlich illegaler Kredite. Quellen zufolge sollen die in einem Milieu vergeben worden sein, das von Sorgen lebt.

Aurich/Emden - Sind bei der Sparkasse Aurich-Norden windige Immobilienkredite abgeschlossen worden? Dieser Frage gehen derzeit Staatsanwälte und Unternehmensverantwortliche nach. Zumindest die internen Ermittlungen sind inzwischen offenbar abgeschlossen. Das teilt Sparkassen-Pressesprecherin Petra Zschietzschmann auf Anfrage mit. „Unsere Fachabteilungen richten sich weiterhin auf die wenigen potenziell gefährdeten Kreditarrangements“, schreibt sie. Es sei derzeit „keine seriöse Aussage zu einer denkbaren Schadenshöhe möglich“. Auch weitere Details zu diesen „Kreditarrangements“ nennt sie nicht – wegen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien ihrem Hause die Hände gebunden. Unsere Recherchen haben allerdings ergeben, dass es sich vorrangig um Geschäfte im „grauen Wohnungsmarkt“ handeln soll – in denen die Wohnungsnot von Mietern durch Vermieter ausgenutzt wird.

Unseren Quellen zufolge kaufen – vereinfacht gesagt – Unternehmen billige, oftmals marode Immobilien, sanieren diese im kleinstmöglichen Rahmen und vermieten die Wohnungen an Arbeitslose, Menschen mit Mietschulden und Geringverdiener. Ist die Immobilie finanziell ausreichend ausgequetscht und stehen teurere Sanierungen an, überreden oder nötigen die Vermieter mitunter einen ihrer Mieter, ihnen das Gebäude abzukaufen – möglicherweise sogar zu einem höheren Preis als zur Zeit des eigenen Kaufs. Weil die Mieter die Immobilie natürlich nicht auf einen Schlag bezahlen können, brauchen sie einen Kredit – den sie über normalem Wege nicht bekommen würden. An dieser Stelle kommen Bankberater ins Spiel, die solche Kredite möglich machen.

Spur führt von Ostfriesland nach Oldenburg

Die Staatsanwaltschaft wirft insgesamt sechs Personen unter anderem Bestechlichkeit oder Bestechung im geschäftlichen Verkehr vor – darunter sind Sparkassen-Angestellte und Immobilienunternehmen. Der Drahtzieher bei der Auricher Sparkasse hat unseren Informationen zufolge selbst gekündigt – seine Machenschaften sollen kurz vor seinem Ausscheiden ans Licht gekommen sein. Auch soll es eine Querverbindung zur Sparkasse Emden geben, zu der ein Mitarbeiter des Drahtziehers gewechselt sein soll. Auch dieser arbeitet inzwischen nicht mehr für das Geldinstitut. Die Schutzmechanismen sollen in Emden so schnell gegriffen haben, dass dort keine illegalen Kredite zustande gekommen sind. In Aurich sind sie offenbar zu spät angeschlagen.

Im Fokus der Ermittler stehen Informanten zufolge auch mindestens zwei Maklerunternehmen aus Ostfriesland. Eine weitere Spur führt nach Oldenburg, wo ein Anbieter der Immobilien leben soll. Wie viele und welche Taten den Verdächtigen genau vorgeworfen werden, ist weder von den Sparkassen noch von der für Korruptionssachen zuständigen Staatsanwaltschaft in Osnabrück zu erfahren. Laut einem Pressesprecher dauern die Ermittlungen noch an. Fest steht: Erleidet die Sparkasse am Ende keinen finanziellen Schaden, bleibt es bei der Bestechung oder Bestechlichkeit. Geht dem Geldhaus allerdings tatsächlich Geld durch die Lappen, kommt noch der Vorwurf der Untreue hinzu. Für erstere Straftaten gibt es maximal drei Jahre Gefängnis, für Untreue höchstens fünf Jahre Haft.

Kürzlich habe die polizeiliche Zuständigkeit gewechselt, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. „Die nunmehr mit der Sache befassten Beamten sind insbesondere für Wirtschaftsdelikte besonders geschult und haben sich weiterhin mit der Sicherung des Materials und der Aufarbeitung der Akten befasst“, teilt er mit. Die Akten befänden sich derzeit bei der Polizei, zum jetzigen Zeitpunkt könnten keine näheren Informationen zum Gegenstand der abgewickelten Geschäfte gegeben werden. Unklar bleibt zunächst auch, wie und wem die Machenschaften aufgefallen sind. Ein Insider sagt, dass er davon ausgehe, dass bei einer Routinekontrolle Auffälligkeiten bemerkt worden seien. Immer wieder gebe es Überprüfungen, insbesondere mit Blick auf Geldwäsche und krumme Kreditgeschäfte.

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