Naturschutz
Gutachter: Uralte Blutbuche in Aurich muss gefällt werden
Der an einer Blutbuche festgestellte Brandkrustenpilz hat sich rasant ausgebreitet. Deshalb muss der Baum am Carolinengang in Aurich gefällt werden. Er sei nicht mehr standsicher, sagt ein Experte.
Aurich - Schocknachricht für die Bürgerinitiative Baumschutz Aurich (Biba): Die Blutbuche am Carolinengang in Aurich muss gefällt werden. Das hat Andreas Block-Daniel (Bremen) am Dienstagvormittag bei seiner Frühjahrsinspektion festgestellt. Bei einer Sichtung des Stamms hat der Baumgutachter fünf Stellen mit massivem Brandkrustenpilzbefall am Stammfuß freigelegt.
Der Pilz ist sehr aggressiv und beeinträchtigt die Standsicherheit der Buche. „Das Risiko kann ich jetzt nicht mehr tragen. Das wäre fahrlässig“, sagte Andreas Block-Daniel. Der Bremer Gutachter betreut den Baum seit drei Jahren. Während dieser Zeit hatte sich der Pilz nicht mehr ausgebreitet. Die trockenen Sommer der zurückliegenden zwei Jahre hätten der Buche aber zugesetzt, vermutet der Experte. Bereits an der Krone habe Veränderungen erkennen können. An der südlich ausgerichteten Seite gebe es einige unbelaubte, merkwürdig verformte Zweige. „Die haben eine Form wie eine monströse Hühnerkralle“, sagte der Experte.
Sitzblockade verhinderte Fällung
Schon mehrmals stand der 140 Jahre alte Baum kurz vor der Fällung. Erstmals war der Brandkrustenpilz 2012 entdeckt worden. Fünf Jahre später wollte ein Auricher Baumgutachter keine Verantwortung mehr für die Standsicherheit übernehmen. Die Stadt als Eigentümerin gab die Fällung bei einer Fachfirma in Auftrag. Mit einer mehrtägigen Sitzblockade verhinderten Mitglieder der Biba damals in letzter Sekunde den Tod der Buche. Die Aktion hatte medial für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Auch Passanten nahmen regen Anteil daran.
Die Aktivisten beließen es nicht bei dieser Aktion und übernahmen langfristig Verantwortung. Ihnen gehört mittlerweile das 348 Quadratmeter große Grundstück, auf dem die Buche steht. Sie haben auch eine Versicherung gefunden, die das Risiko abdeckt. Die Nachricht von Andreas Block-Daniel hat bei den Baumschützern große Bestürzung ausgelöst: „Ich bin sehr traurig darüber, dass die Buche jetzt doch gefällt werden muss“, sagte Biba-Sprecherin Cornelia Beukenberg am Dienstag beim Ortstermin. Sie sei aber froh darüber, dass man ihr drei zusätzliche Jahre geschenkt habe. Nicht vergessen dürfe man, wie viel zusätzlichen Sauerstoff die Buche innerhalb dieser Zeit noch spenden konnte.
Für Schäden haften
Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) sieht sich unterdessen in seiner ursprünglichen Einschätzung bestätigt. Er hatte Ende des Jahres nach einer neuen Lösung für die Blutbuche gesorgt, nachdem die Versicherung der Stadt, der Kommunale Schadenausgleich (KSA), keine Verantwortung mehr dafür übernehmen wollte. Die Konsequenz: Feddermann hatte persönlich für Schäden haften müssen. Das hat er abgelehnt. Anfang des Jahres kam es deshalb zu einem Verlauf des Grundstücks an die Biba. Die hatte dafür eigens eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet.
Feddermann will diesen Verkauf jetzt rückabwickeln. „Das ist kein Problem. Wir haben das vertraglich für den Fall vereinbart, dass die Standsicherheit der Buche nicht mehr gegeben ist“, sagte der Bürgermeister. Alles Weitere müsse er mit Cornelia Beukenberg in dieser Woche besprechen. Er gehe davon aus, dass der Baum schnell gefällt werden müsse. Wie das zeitlich zu fassen ist, könne er noch nicht sagen.