Bildung
Rat entscheidet über Zukunft der Grundschule Jennelt
Seit mehreren Jahren wird über den Zustand der Grundschule Jennelt diskutiert. An diesem Mittwochabend soll nun endlich eine Entscheidung fallen: Neubau oder Sanierung.
Was und warum
Darum geht es: Die Jennelter Schulleiterin plädiert: Nicht nur an das Geld denken, sondern auch an die Ansprüche an eine moderne Schule.
Vor allem interessant für: Diejenigen, die Kinder haben (wollen) und im Einzugsbereich der Grundschule wohnen, aber auch diejenigen, die sich für Bildungsthemen interessieren.
Deshalb berichten wir: Im Rat der Gemeinde Krummhörn steht die Entscheidung über die Zukunft der Grundschule Jennelt an. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Die Schulleiterin spricht sich dabei explizit für einen Neubau aus. Eine Option, die aufgrund der zu erwartenden Kosten in der Politik nicht unumstritten ist, die Entscheidung im Rat der Gemeinde könnte knapp werden. Ein Neubau würde laut Schätzung rund 8,3 Millionen Euro kosten, eine Kernsanierung rund 4,8 Millionen Euro. Bei der Sanierung müssten aus Gründen der Barrierefreiheit vier Plattformlifte und drei außenliegende Treppentürme für den Brandschutz in das bestehende Gebäude gebaut werden, fehlende Räume sollen in einem Anbau ergänzt werden. Die Schulkinder müssten während der auf 1,5 Jahre geschätzten Bauzeit in Containern unterrichtet werden.
Entscheidung beeinflusst pädagogisches Konzept
„Uns fehlen aktuell 22 Räume“, sagt dazu Lerche-Schaudinn. „Ich weiß nicht, ob das alles in einem Anbau realisiert werden könnte.“ Dazu gehören zwei fehlende Klassenräume, von denen es aktuell nur sechs gebe, ab kommendem Schuljahr aber acht benötigt werden. Gleiches gilt für Gruppenräume. Was komplett fehlt, seien unter anderem: Computer-, Erste-Hilfe-, Kopier-, Besprechung-, Sprachförder- und Bewegungsraum.
Die Kosten, die von der Politik immer wieder diskutiert werden, seien aber nur eine Seite der Medaille. „Was mir zu kurz kommt: Wie muss eine moderne Schule aussehen?“, sagt Lerche-Schaudinn. Die pädagogischen Konzepte, die heute von Schulen verfolgt werden, seien andere als in den 1960er Jahren – da wurde die Grundschule Jennelt gebaut. Abgeschlossene Räume, lange und ungenutzte Flure, das seien Beispiele für Konzepte, die sich überholt haben. „Eine Sanierung würde daran nichts ändern“, so die Schulleiterin. „Die Zeit, in der Lehrkräfte hinter verschlossenen Türen im Klassenzimmer zielgleich unterrichten, während lange, ungenutzte Flure verwaisen, gehört der Vergangenheit an.“
Diskussion zieht sich
Doch warum zieht sich die Diskussion um die Grundschule Jennelt so lange? „Warum die politische Entscheidungsfindung aus Ihrer Wahrnehmung ,so lange dauert‘, müssten sie bei den politischen Mandatsträgern in Erfahrung bringen. Es steht mir nicht an, das zu bewerten“, schreibt dazu Fritz Harders, Sprecher der Gemeinde Krummhörn. Die Gemeinde ist Trägerin der Schule und für das Schulgebäude verantwortlich. Untätig sei die Gemeinde in den vergangenen Jahren nicht gewesen, so Harders. „Das Schulgebäude ist wie andere gemeindeeigene Einrichtungen stetig instand gehalten, repariert und in Teilen modernisiert worden“, so Harders. Aus der Politik habe es aber Kritik gegeben, „dass die Instandhaltungs-Arbeiten nicht immer ausreichend waren“. Um eine inklusive Beschulung gewährleisten zu können, seien unter anderem elektrische Eingangstüren und ein Treppenlift eingebaut worden. Das stimmt, letzterer wurde aber tatsächlich erst kurz vor Ende der Grundschullaufbahn einer im Rollstuhl sitzenden Schülerin eingebaut. Auch hier zog sich die Schaffung einer Lösung über eine längere Zeit. Eine Mensa wurde vor ein paar Jahren ebenso gebaut. „Dafür haben wir einen Klassenraum geopfert“, so Lerche-Schaudinn. „Das war im Nachhinein auch keine gute Lösung.“
2019 wurde dann eine Bestandsaufnahme der fast 60 Jahre alten Schule gemacht. Da wurde dann auch gemessen, wie stark der Schimmelbefall in einem Raum der Schule ist. „Den Schimmel hatte ich das erste Mal 2011 gemeldet“, so Lerche-Schaudinn. Seit zwei Jahren darf der „verbotene Schimmelraum“ nun nicht mehr betreten werden, was dort an Materialien lagerte, musste professionell gereinigt und anderweitig untergebracht werden. „Im Lehrerzimmer stapeln sich seitdem zum Beispiel Bücher“, so die Schulleiterin.
Noch keine genauen Pläne
Die 2019 erfolgte Bestandsaufnahme bildet auch jetzt die Grundlage für die weitere Entscheidung – mit den Baupreisen von vor zwei Jahren. Dringend erneuert werden müsse laut Harders die gesamte elektrische Anklage, auch das Außenmauerwerk an der Wetterseite sei in die Jahre gekommen. „Weiterhin sind unter anderem auch die Fenster erneuerungsbedürftig.“ Weitere „erkennbare Schäden“ seien seit der Bestandsaufnahme nicht hinzugekommen. Die Verwaltung gibt aber auch in Richtung Politik ein eindeutiges Statement ab: „Seit ungefähr sechs Jahren wurde von der Verwaltung fortlaufend eine aus ihrer Sicht erforderliche energetische Sanierung auf die politische Tagesordnung gebracht. Die aber nicht entschieden wurde.“
Lerche-Schaudinn hat sich jüngst in einem Brief an die Ratsmitglieder der Krummhörn gewandt und nochmal ihre Sicht der Dinge dargelegt. Darin geht sie vor allem auf die Bedeutung eines Neubaus für das pädagogische Konzept der Schule aus. „Hier in Jennelt hätte man jetzt die Chance für eine moderne Schule“, sagt Lerche-Schaudinn gegenüber unserer Zeitung. Wie genau dieser Neubau aussehen soll und wie lange die Bauzeit – oder auch Sanierungszeit –sein wird, darüber ist noch nichts bekannt. „Exakte Ansichten und Baupläne gibt es noch nicht, sie wurden von der Politik auch noch nicht eingefordert“, so Harders. Fest steht nur, das wurde in der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses deutlich, dass bei der Variante Neubau die Kinder wahrscheinlich im alten Gebäude unterrichtet werden, bis der Neubau fertiggestellt ist. Für den Neubau müsste aber auch der aktuelle Sportplatz weichen und neu gebaut werden. Ob es für eine von beiden oder gar beide Varianten Fördermittel geben könnte, ist auch noch unbekannt. „Da muss man erst einmal gucken, was man überhaupt machen will“, so Bürgermeister Frank Baumann (SPD).
Der Rat der Gemeinde Krummhörn tagt an diesem Mittwoch, 16. Juni, ab 18.30 Uhr in der Mensa der IGS Krummhörn-Hinte, Bunter Weg 15 in Pewsum. Der Platz für Zuschauer ist begrenzt, es gelten die üblichen Hygiene- und Abstandsregeln.