Wirtschaft

Enercon zieht weitere Aufträge aus Magdeburg ab

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 13.08.2021 11:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blick auf die Windkraftanlage auf dem Betriebsgelände in Aurich. Foto: Assanimogghadam/DPA
Blick auf die Windkraftanlage auf dem Betriebsgelände in Aurich. Foto: Assanimogghadam/DPA
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Ab dem Jahresende bestellt Enercon keine Stahlturmteile mehr beim langjährigen Zulieferer SAM. Schon im Vorjahr hatten die Auricher das Volumen reduziert. Nun wächst dort die Sorge vor Jobverlusten.

Aurich/Magdeburg - Der Auricher Windkraftanlagenhersteller Enercon zieht im Zuge seiner Konzern-Umstrukturierung weitere Stahlbau-Aufträge aus Magdeburg ab, was dort zu neuen Sorgen um Jobs führt. Konkret geht es dabei um das Unternehmen Stahlturm- und Apparatebau, kurz: SAM, das seit Anfang der 2000er Jahre nahezu ausschließlich Enercon-Aufträge für Stahlturmsegmente und schwere Maschinenteile erledigt hat. Enercon-Sprecherin Anke Cznottka bestätigte auf Nachfrage entsprechende Informationen unserer Redaktion, wonach die Auricher „die Kooperation bei Stahlbau-Aufträgen zum Ende dieses Jahres beenden werden“. Ende vorigen Jahres hatte der Turbinenhersteller das Volumen seiner Aufträge an die Magdeburger bereits deutlich reduziert, nun werden die Stahlturm-Segment-Bestellungen auf Null gefahren. Was bis auf Weiteres bleiben werde, seien Aufträge für Aluminium-Teile, sagte Cznottka. Bereits im vergangenen Jahr hatte dort ein Teil der zuvor noch gut 400 Mitarbeiter mangels Aufträgen gehen müssen.

Um konkurrenzfähiger auf dem Weltmarkt zu werden, hat sich Enercon zu einer Kehrtwende entschieden und versucht – wo möglich – die Produktionskosten für seine Anlagen deutlich zu senken. Dem Vernehmen nach sollen dabei auch die Kosten für Zulieferteile um etwa ein Drittel gegenüber dem Niveau von vor noch ein paar Jahren gesenkt werden, und dafür sind die Einkäufer des Unternehmens inzwischen verstärkt in Asien unterwegs, weil dort das Kostenniveau niedriger ist. „Der Auftraggeber begründet seine Entscheidung mit zunehmendem Preisdruck, weshalb er seine Stahltürme künftig in günstigeren Herstellungsländern einkaufen wird“, erklärte SAM-Geschäftsführer Frank Goerke auf Nachfrage und setzte hinzu: „Auch wenn der Verlust der Windenergie-Aufträge des Kunden Enercon das Unternehmen hart trifft, erhöht dies die Chancen für eine Neuausrichtung. In diesem Kontext wird auch ein Verkauf von SAM an einen strategischen Investor geprüft, der die gestartete Neuausrichtung auf Neukunden aus dem Bereich schwerer Stahlbau positiv begleitet und unterstützt.“ Dass SAM sich im Vorjahr durch die damals bereits weggebrochenen Enercon-Aufträge schon „deutlich verkleinern“ musste, habe SAM bereits gezwungen, sich „stärker auf das bereits vorhandene Geschäft mit Auftraggebern aus anderen Branchen – etwa Ofen- und Brückenbau – zu fokussieren“, so Goerke.

Aktuell versuche man, „die entstandene Auftragslücke kurzfristig mit Aufträgen von neuen Kunden und aus anderen Branchen zu schließen“. Ob und wie gut dies gelinge, davon hänge ab, welche Auswirkungen der Enercon-Auftragsverlust für die Belegschaft habe. „Dass eine Anpassung der Personalkapazität erforderlich sein könnte, kann daher nicht ausgeschlossen werden“, so Goerke. Der Standort werde zunächst ab Anfang kommenden Jahres nicht mehr komplett ausgelastet sein. „Die Geschäftsführung wird alles versuchen, auf diese Weise das weggebrochene Auftragsvolumen kurzfristig zu ersetzen, um Arbeitsplätze bei SAM zu erhalten“, so Goerke. Das Unternehmen besitze sehr gute Referenzen, verfüge über umfangreiche Erfahrung und sei „mit seinen innovativen Fertigungstechnologien im anspruchsvollen Stahlbau führend“. Die Lücke, die der Verlust der Enercon-Aufträge reißt, mit denen SAM jahrelang fast ausschließlich seine Erlöse erwirtschaftet hatte, ist allerdings groß.

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