Bürgermeisterwahl Krummhörn

Die Kandidaten im Überblick

| | 26.08.2021 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 10 Minuten
Wer wird der neue Bürgermeister oder die neue Bürgermeisterin der Krummhörn? Die Kandidaten im Überblick. Foto: Archiv
Wer wird der neue Bürgermeister oder die neue Bürgermeisterin der Krummhörn? Die Kandidaten im Überblick. Foto: Archiv
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Ihre Gesichter sind überall auf Plakaten und Bannern zu sehen. Doch wer sind die Bürgermeisterkandidaten und die -kandidatin für die Krummhörn? Wer sind die Menschen hinter den Wahlprogrammen?

Krummhörn - Am 12. September wird nicht nur ein neuer Gemeinderat für die Krummhörn gewählt. Auch das Amt des Bürgermeisters wird neu besetzt. Zur Wahl stehen Henning Paulsen-Jacobs (Freie Bürgerliste), Hilke Looden (parteilos) und Alfred Jacobsen. Doch wer sind die Menschen hinter den Wahlprogrammen?

Am Ende des Artikels gibt es noch „3-Fragen-an“ die beiden Kandidaten und die Kandidatin.

Alfred Jacobsen (SPD)

Alfred Jacobsen, Jahrgang 1958, ist „fast“ gebürtiger Greetsieler. Zur Welt gekommen ist er in Pewsum, sein Leben hat er seitdem aber eigentlich in Greetsiel verbracht. Nach dem Abitur in Emden und dem Grundwehrdienst bei der Bundeswehr hat Jacobsen Wirtschaftswissenschaften studiert den Abschluss als Diplom-Kaufmann erlangt. Bis Ende 2016 war er selbständig, verkaufte dann aber seine Firma und betreut seitdem Ferienwohnungen – und engagiert sich seit 2006 politisch im Gemeinderat als Mitglied der SPD. Den Weg zu den Sozialdemokraten fand er schon 1990.

Alfred Jacobsen (SPD). Foto: Hock
Alfred Jacobsen (SPD). Foto: Hock

Radrunde mit den Hunden

Jacobsen ist verheiratet und zum Haushalt gehören noch zwei Hunde. „Die brauchen viel Auslauf“, sagt er. Nur mal eine Runde zu Fuß durch Greetsiel würde da nicht reichen. „Da gucken mich die beiden nur komisch an“, sagt Jacobsen. Das müsse schon schneller zugehen. Deswegen gehört es für den Greetsieler regelmäßig dazu, sich aufs Rad zu schwingen und sich und den Hunden die nötige Bewegung zu gönnen. „Ich fahre aber auch gerne Inliner und bewege mich allgemein sehr gerne.“ Bei der Bewegung an der frischen Luft würden ihm zudem die besten Ideen kommen.

Den Kopf frei bekommen, das schafft der Greetsieler Ortsvorsteher am besten mittwochs beim Fußballspielen. „Das ist so eine Art offenes Training“, sagt er. Da sei jeder willkommen, auch Urlauber hätten schon mitgespielt. Aber auch das Knobeln lässt ihn seit gut 40 Jahren als Freizeitbeschäftigung nicht los. Neben Politik, Ortsvorsteher, Interessengemeinschaft Greetsiel und Ferienwohnungsverwaltung bleibe aber nicht immer so viel Zeit übrig. „Hier in Greetsiel gibt es eigentlich immer was zu tun“, sagt er.

Die Ratsarbeit muss sich ändern

Die Arbeit mit Menschen sei das, was ihn antreibt, sagt Jacobsen. „Ich möchte aber auch die Gemeinde gestalten. Ich glaube, wir haben noch viel Potenzial“, sagt er über die Krummhörn. Das betreffe auch den Klimaschutz. „Da sind wir jetzt gerade im Umbruch“, sagt Jacobsen. So könne er sich beispielsweise einen Klimaschutzbeauftragten für die Krummhörn gut vorstellen. „Es gibt viele Ideen“, sagt er. Dringend sei das Thema auf jeden Fall, da müsse man nicht mehr drüber diskutieren.

Beim Thema Gendern liegt derweil keine Priorität des Bürgermeisterkandidaten. „Das ist wichtig, aber im Moment haben wir hier vor Ort andere Probleme“, sagt er. Eines dieser Probleme sei die Arbeit des Rates. „Aktuell beschäftigt sich der Rat vor allem mit sich selbst. Da müssen sich alle, auch die SPD und ich, an die eigene Nase fassen.“ Denn so könne der Rat auch die Bevölkerung – und vor allem die Jugend nicht erreichen. Eine gewisse Politikverdrossenheit sei bei den jüngeren Generationen auch deswegen durchaus verständlich. Verallgemeinern lasse sich das aber nicht. „Dass die Jugend interessiert ist, zeigen die Listen der Parteien“, so Jacobsen.

Urlaub und die Beatles

Nach durchaus turbulenten Jahren, was reizt Jacobsen da am Amt des Bürgermeisters? „Es ist ein sehr ehrenvolles Amt und wenn alle an einem Strang ziehen, dann kann viel bewegt werden“, sagt er. Herausforderungen seien genügend da: Tourismus, Mobilität, Ehrenamt – nennt Jacobsen unter anderem. „Und ich will etwas bewegen.“ Die Krummhörn, die liege ihm am Herzen. „Hier in den Dörfern ist noch viel authentisch geblieben“, sagt er. Das müsse auch erhalten bleiben.

Wenn Jacobsen die Krummhörn mal verlässt, dann gerne für einen Urlaub in der Sonne. Gran Canaria zum Beispiel. „Da tanke ich dann neue Energie“, sagt er. Ansonsten mache er aber auch gerne „kulturelle Urlaube“, wo er neue Orte und Dinge sehen und etwas Neues lernen wolle. Auf der Fahrt dahin dürfe dann gerne Supertramp, Beatles oder Slade laufen. „Die Musik höre ich gerne“, sagt er.

Hilke Looden (parteilos)

Die gebürtige Pilsumerin Hilke Looden, Jahrgang 1967, hat einen „etwas anderen“ Werdegang hinter sich, wie sie selbst sagt. In der 12. Klasse wurde sie schwanger und kümmerte sich dann 20 Jahre lang um Kinder, Haushalt – und das Büro ihres Mannes. Der war als Fischer von Greetsiel aus unterwegs. Looden fand dennoch die Zeit, sich weiterzubilden zur Büroassistenz. 2010 kam sie zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen, studierte nebenberuflich Betriebswirtschaft – und über viele Jahre engagierte sie sich auch noch bei der Arbeiterwohlfahrt und im Kirchenkreis. „Vom Ehrenamt ist aber nur noch die Greetsieler Woche geblieben“, sagt sie. Für mehr sei einfach keine Zeit mehr gewesen irgendwann.

Hilke Looden (parteilos). Foto: Hock
Hilke Looden (parteilos). Foto: Hock

Auch mal ein Abend auf der Couch

Die Energie für ihre Tätigkeiten, ihren eigenen Antrieb, habe sie stets aus einem ganz besonderen Umstand ziehen können: „Ich hatte das Glück, immer etwas machen zu können, was mir Spaß macht, was mich erfüllt“, sagt sie. Wenn sie doch mal abschalten müsse, dann gerne auf dem Rad. „Dabei höre ich auch nie Musik, weil ich es viel zu sehr genieße“, sagt sie. „Ich fahre definitiv lieber Rad als Auto.“ Aber auch ein Abend auf der Couch dürfe es mal sein. „Obwohl man im Fernsehen ja vieles schon sehr oft gesehen hat.“

Entscheidend sei aber auch, wo Rad gefahren und der Couchabend genossen wird. Denn auch, wenn sich Looden durchaus vorstellen könnte zum Beispiel in Oldenburg zu wohnen: „Hier in der Krummhörn ist es einfach schön“, sagt sie. „Man kennt die Menschen und man gehört hier einfach her.“ Zumindest ihr persönlich fehle es in der Gemeinde auch an nichts. Das Gespräch mit Looden fand übrigens am Diekskiel statt. „Das war einer der Lieblingsorte meines Vaters“, verrät sie.

Beim Klimaschutz profilieren

Bei aktuellen Themen hat Looden natürlich auch eine Meinung. Gendern? „Jeder hat das Recht, wahrgenommen zu werden, aber es sollte auch lesbar bleiben“, sagt sie. Bei der Sichtbarkeit speziell von Frauen in der Gesellschaft sei „aber noch Luft nach oben“. Looden könnte die erste Bürgermeisterin der Gemeinde Krummhörn werden und ist, soweit sie weiß, auch die erste Kandidatin für das Amt. „Aber ich spiele diese Karte nicht“, sagt sie.

Auf welche Karte sie allerdings setzt, ist der Klimaschutz. „Wir können uns nicht mehr aussuchen, ob wir uns mit dem Thema beschäftigen oder nicht“, sagt sie. Für die Krummhörn sieht sie hier aber vor allem eine Chance. „Wir müssen nicht nur das Notwendige tun, sondern uns beim Klimaschutz auch profilieren“, sagt sie.

Jugend erreichen, aber wie?

Beim Thema Jugend und Politik sieht Looden weniger das Problem der Verdrossenheit, sondern: „Ich habe den Eindruck, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene gar nicht genügend informiert sind“, sagt sie. Es gebe zwar Themen, wie Klimaschutz, die mitunter besonders auf der Agenda stehen. „Das ist auch gut und richtig, aber es sind oft nur die Einzelthemen.“

Die Kommunalpolitik erreiche die jungen Leute „eher nicht“. Das sei aber ein Problem beider Seiten. „Man muss erreicht werden wollen, aber die Politik muss auch ein offenes Ohr haben“, sagt sie. Die jungen Leute seien für die Politik wichtig, da der Rat „absolut kein Querschnitt der Bevölkerung“ darstelle – und ohne Anregung und Beteiligung durch die Jugend und jungen Erwachsenen „am Bedarf vorbei arbeitet“.

Doch was reizt Looden am Amt der Bürgermeisterin? „Ich habe schon öfters gedacht: Das kannst du besser“, sagt sie mit Blick auf die vergangenen Amtszeiten. Als sie dann gefragt wurde – Looden wird durch die CDU und auch die SWK unterstützt – konnte sie nicht hinter ihrer eigenen Aussage zurückstehen. „Aber ich mache das nicht für mich, sondern für die Menschen und die Gemeinde“, sagt sie.

Henning Paulsen-Jacobs

Henning Paulsen-Jacobs, Geburtsjahr 1968, kommt gebürtig aus Eutin, zog mit elf Jahren zusammen mit seinen Eltern in die Krummhörn, wuchs in Woquard auf. Er hat Landwirt gelernt, technischen Umweltschutz studiert und arbeitet seit 24 Jahren im Bereich Wasserwirtschaftsverwaltung. „Da habe ich eigentlich immer Planung und Bauleitung gemacht“, sagt er. Seit neun Jahren liege der Schwerpunkt vor allem beim Küsten- und Hochwasserschutz.

Henning Paulsen-Jacons (fbl). Foto: Hock
Henning Paulsen-Jacons (fbl). Foto: Hock

Die besten Ideen beim Ausmisten

Ob man ihn nun mit Paulsen oder Paulsen-Jacobs anspricht, ist ihm egal. „Die einen kennen mich so, die anderen so“, sagt er. Wenn Paulsen-Jacobs nicht gerade arbeitet oder sich kommunalpolitisch engagiert, nimmt sein Hof in Grimersum die meiste Zeit in Anspruch. „Den haben wir 2002 gekauft“, sagt er. Dort leben seine Frau und er mit seinen Kindern – und einigen Tieren. Pferde, Schafe, Hühner – und ein bisschen Landwirtschaft ist auch noch dabei. „Das macht mir Spaß“, sagt Paulsen-Jacobs. „Die Tierhaltung und die Landwirtschaft ist das, worum ich mich kümmere.“

Gerade die Zeit im Stall mit den Pferden sei für ihn auch ein gewisser Ausgleich. „Beim Ausmisten kann ich abschalten“, sagt er. „Und die besten Ideen hat man dabei auch.“ Wenn er sich um die Tiere kümmert, seien das die Momente, in denen er den Tag Revue passieren lassen könne. „Musik höre ich gar nicht so viel, habe ich noch nie“, sagt Paulsen-Jacobs. Und die Hände in den Schoß legen, das liege ihm nicht. Auch im Urlaub müsse es „eine Mischung aus Aktivität und Erholung“ sein. Wobei er die Planung der Aktivitäten dann gerne seiner Frau überlasse. „Im Urlaub bin ich der, der sagt: Jetzt könnten wir auch mal in Ruhe einen Kaffee trinken.“

Frauen nicht genügend vertreten

Auch wenn Paulsen-Jacobs schon außerhalb der Krummhörn gelebt und gearbeitet hat, die Menschen und die Landschaft sind ihm besonders ans Herz gewachsen. Das treibe ihn auch an, sich politisch zu engagieren. Sei es als Ratsmitglied oder vielleicht als Bürgermeister. „Ich habe den Wunsch, etwas zu bewegen“, sagt er. Nach rund 14 Jahren Gemeinderat reize ihn das Amt des Verwaltungschefs, weil „es noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten gibt.“

Doch wie steht es mit aktuellen Themen, wie tickt der Bürgermeisterkandidat da? Stichwort „Gendern“: „Das ist kein kommunalpolitisches Problem“, sagt Paulsen-Jacobs und zuckt mit den Schultern. Was allerdings ein lokalpolitisches Problem sei: „Frauen stellen mehr als 50 Prozent der Frauen, sie sind aber in politischen Gremien nicht stark genug vertreten“, sagt er. Es sei aber auch schwer, Frauen für die Mitarbeit in der Kommunalpolitik zu gewinnen.

Problem: Jugendliche und junge Erwachsene erreichen

Stichwort Klimaschutz: „Das Thema ist für die Gemeinde natürlich wichtig“, sagt Paulsen-Jacobs. „Nur, wenn wir alle mitmachen, funktioniert der Klimaschutz.“ Hier sei eine Chance für die Krummhörn, den Umschwung in verschiedenen Bereichen mitzumachen und zu gestalten.

Nun ist Klimaschutz ein Thema, was auch durch das Engagement von Jugendbewegungen wie „Fridays for Future“ auf die Agenda gehoben wurde. Gleichzeitig wird der Jugend immer wieder vorgeworfen, politikverdrossen oder wenig politikinteressiert zu sein. „Ich glaube, es gibt wieder mehr Interesse bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen an der Politik als noch vor ein paar Jahren.“ Das gelte auch für die Kommunalpolitik. Allerdings gebe es, auch auf das Kommunale bezogen, „sicher eine gewisse Verdrossenheit in der Gesellschaft“. Das liege zum Teil auch an den politischen Vertretungen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass die Kommunalpolitik die Jugend erreicht“, sagt Paulsen-Jacobs. Das sei auch eine Herausforderung für die gewählten Vertreter – und den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin.

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