Freizeit

Welche Konzepte hat die Gemeinde Krummhörn für die Jugend?

| | 15.09.2021 15:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Christian Behringer ist Jugendpfleger der Gemeinde Krummhörn. Er steht vor der Manningaburg, an der es jüngst Probleme mit Jugendlichen gab. „Es sind nur einige wenige, die sich nicht benehmen können“, so der Jugendpfleger.
Christian Behringer ist Jugendpfleger der Gemeinde Krummhörn. Er steht vor der Manningaburg, an der es jüngst Probleme mit Jugendlichen gab. „Es sind nur einige wenige, die sich nicht benehmen können“, so der Jugendpfleger.
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Im Krummhörner Wahlkampf wurde das Thema Jugend oft angeschnitten. An konkreten Konzepten fehlt es aber. In der Gemeinde gibt es einen Jugendpfleger. Was sagt er zu Stand und Zukunft der Jugendarbeit?

Krummhörn - Der Schulhof der Grundschule Pewsum wurde eingezäunt, an der Manningaburg gibt es mehr Videoüberwachung. Der Grund für beide Maßnahme: Jugendliche, die sich „nicht benehmen können“, die Müll und Scherben hinterlassen, laut sind und teilweise auch Sachbeschädigung betreiben. „An der Grundschule mussten wir reagieren, wir konnten nicht anders“, sagt Fritz Harders, Sprecher der Gemeinde Krummhörn. Doch die Gemeinde leistet sich als freiwillige Aufgabe einen Gemeindejugendpfleger: Christian Behringer, der halbtags auch noch von einer Kollegin unterstützt wird. Ist Aussperren wirklich die einzige Chance?

Was und warum

Darum geht es: Nach den Herbstferien öffnet das Jugendhaus in Pewsum wieder – an zwei Tagen in der Woche.

Vor allem interessant für: Eltern, deren Kinder im Jugendalter sind; diejenigen, die sich für die Jugendarbeit in der Krummhörn interessieren.

Deshalb berichten wir: Im Wahlkampf wurde deutlich, dass es an politischen Konzepten für Jugendliche fehlt. Wir wollen das Thema mit seinen unterschiedlichen Facetten genauer beleuchten.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

„Grundsätzlich wollen wir Jugendliche nirgendwo aussperren oder verjagen“, sagt Behringer. Es habe mehrere Gespräche mit den Jugendlichen, die für Probleme sorgen, gegeben. „Es sind nur ein paar wenige“, betonen sowohl Harders als auch Behringer. An der Grundschule in Pewsum habe man die nachmittäglichen und abendlichen Treffen auch lange toleriert. Nur war die Gefahr für die Grundschulkinder durch Glasscherben irgendwann nicht mehr tragbar. Deswegen: der Zaun.

Was für eine Art Jugendarbeit betreibt die Gemeinde?

Harders betont, dass die Gemeinde den Bedarf einer aktiven Jugendpflege erkannt habe. „Das ist eigentlich Aufgabe des Landkreises“, so der Sprecher. Aber man „leiste“ sich dennoch die 1,5 Stellen für die Jugendpflege. Behringer und seine Kollegin sind vor allem für den Betrieb des Jugendhauses in Pewsum zuständig. „Das lag wegen Corona jetzt eineinhalb Jahre brach“, so Behringer. Neben den Angeboten im Jugendhaus stehen auch Ferienpass-Aktionen und Ferienbetreuung ganz oben auf der Liste. „Das läuft auch sehr erfolgreich“, so der Jugendpfleger.

Was bei Bedarf noch dazu kommt, ist „Streetwork“, wie Behringer es ausdrückt. Also das aktive Aufsuchen von Jugendlichen an ihren Treffpunkten. Dies sei auch in Pewsum mehrfach geschehen, doch die Möglichkeiten sind begrenzt. „Das Erziehen von Jugendlichen ist nicht unsere Aufgabe, das müssen Elternhaus und Schule erledigen“, so Behringer. So funktioniere auch die offene Jugendarbeit im Jugendtreff: Bedingung für die Teilnahme ist, dass die Kinder und Jugendliche sich an Regeln halten können. Das „Aussperren“ von Jugendlichen sei die letzte Maßnahme, so Behringer. „Aber manchmal geht es nicht anders.“

Kann die Gemeinde den Jugendlichen nicht einfach einen Ort zur Verfügung stellen?

Dass junge Heranwachsende an Treffpunkten über die Stränge schlagen, ist kein neues Phänomen. „Wenn nichts passiert, interessiert sich auch niemand dafür“, sagt Harders. Nur wenn es zu viel wird, wie an der Grundschule oder der Manningaburg, ziehe das Interesse auf sich. „Diese Jugendlichen sind aber die Ausnahme“, betont Behringer – immer wieder.

Vereinzelt werde, so Harders, an die Gemeinde der Vorschlag herangetragen, dass man den Jugendlichen doch einfach irgendwo eine Fläche zur Verfügung stellen könnte, wo sie sich treffen können. „Das können wir als Gemeinde aus Haftungsgründen nicht. Das kann auch kein Verein einfach so“, sagt Harders.

Was wird aus dem Jugendhaus?

In den Ferien wurde das Jugendhaus nahe des Udo-Solick-Bades für Ferienpass und Ferienbetreuung genutzt. Ansonsten ist es aber schon lange ruhig um das Gebäude geworden. „Nach den Herbstferien wollen wir wieder an zwei Tagen die Woche öffnen“, so Behringer. Geplant sei, jeweils montags und mittwochs von 16 bis 19 Uhr Angebote für Jugendliche zu bieten. „Das sind die Tage, an denen die IGS Krummhörn keine langen Tage hat“, so Behringer.

Stärkere Jugendhaus-Nutzung durch mehr Kooperationen?

Wenn das Jugendhaus nur an zwei Tagen die Woche fest geöffnet ist, wie kann man dann die übrige Zeit nutzen? Ideen dazu gibt es, zum Beispiel von der Schwimmsparte des TuS Pewsum. Bereits im Juni 2019 schrieb die Schwimmbadteamleitung einen Brief an die Gemeinde. „Das ging zwar von uns aus, aber wir wollen Angebote für alle Krummhörner Jugendliche schaffen“, betont Jochen Risto vom TuS Pewsum auf Nachfrage. „Es geht uns nicht um Angebote nur für Vereinsmitglieder.“ Das wäre auch ein Problem, wie Behringer sagt. „Das Jugendhaus ist ein öffentliches Gebäude. Es ist schwierig, da nur Angebote für Vereine anzubieten“, sagt er.

An der Grundschule Pewsum sah sich die Gemeinde gezwungen, einen Zaun aufzustellen. Zu groß waren die Probleme mit Jugendlichen, die sich nicht an die Regeln gehalten haben. Foto: Wagenaar
An der Grundschule Pewsum sah sich die Gemeinde gezwungen, einen Zaun aufzustellen. Zu groß waren die Probleme mit Jugendlichen, die sich nicht an die Regeln gehalten haben. Foto: Wagenaar

Seit dem offenen Brief ist allerdings nicht viel passiert. Weitere Gespräche habe es noch nicht gegeben, so Risto. „Wir wollen einfach mehr Angebote schaffen“, sagt der Schwimmspartenleiter. Man würde gerne mit dem Gemeindejugendpfleger hier zusammenarbeiten, um gerade abends oder auch an Wochenenden Angebote zu schaffen. Da drängt sich die Frage auf: Warum schließen sich nicht die Vereine in der Krummhörn zusammen, um gemeinsam mit der Gemeinde neue Angebote zu schaffen? „Es gab mal einen Gemeindejugendring, der genau das machen sollte“, so Behringer. „Das hat aber nie richtig Fahrt aufgenommen“, so Risto. Aber er ist sich sicher: „Für die Zukunft wäre das eine Möglichkeit, um gemeinsam mit der Gemeinde ein Programm zu stricken.“

Wie wird es weitergehen?

In welche Richtung sich die Jugendpflege in der Gemeinde Krummhörn entwickelt, das hängt auch an der Politik. „Wenn wir einen konkreten Auftrag bekommen, dann setzen wir das auch um.“ Denkbar wäre für Behringer auch eine völlige Neuausrichtung der Jugendarbeit der Gemeinde. Ein Jugendzentrum, das sich auch an junge Erwachsene richtet, würde Behringer beispielsweise nicht ausschließen. „Aber das kostet natürlich auch Geld.“ Und das sei eines der Hauptprobleme: Fördertöpfe für Projektarbeit gebe es, aber für Investitionen im Bereich Jugendpflege kaum. Wenn die Politik mehr Angebote schaffen wolle, müsse man auch mehr Geld in die Hand nehmen.

Zudem müsse man zunächst die Jugendlichen selbst befragen. „Im Jugendhaus machen wir das nach den Herbstferien in klein“, so Behringer. Durch eine Spende gebe es ein Budget von 4000 Euro, was für die Gestaltung des Jugendhauses genutzt werden soll. „Ich würde ein großes Jugendforum machen, bevor die Richtung der Jugendarbeit neu gedacht wird“, so Behringer. „Sonst arbeiten wir am Bedarf vorbei.“ Die Abfrage des Bedarfs findet auch Jochen Risto wichtig. Für ihn steht aber auch das Thema Mobilität in direktem Zusammenhang damit. Das weiß auch Behringer. „Wenn ich ein Angebot in Pewsum mache, ist natürlich die Frage, wie die Jugendlichen dahin kommen“, sagt der Jugendpfleger.

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