Sanierung

Freibad Borssum: Hoffnung auf Wiedereröffnung schwindet

| | 01.10.2021 16:48 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ob das Becken in Borssum jemals wieder mit frischem Wasser gefüllt sein wird, daran haben einige ihre Zweifel. Foto: Archiv
Ob das Becken in Borssum jemals wieder mit frischem Wasser gefüllt sein wird, daran haben einige ihre Zweifel. Foto: Archiv
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Die Wiedereröffnung des maroden Freibads in Borssum rückt in weite Ferne. Derweil wächst die Sorge, dass es vielleicht gar nicht erst dazu kommen könnte.

Emden - Werden jemals wieder Badegäste im Borssumer Freibad ihre Bahnen ziehen können? Diese Frage war eigentlich schon beantwortet, mit einem klaren „Ja“. Für Juni 2022 war die Wiedereröffnung des maroden Bads geplant. Doch ein Bericht über den aktuellen Sachstand von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) in der Ratssitzung am Donnerstag lässt nun die Sorge aufkommen, dass das „Ja“ auf die Frage zur Wiedereröffnung einem „Vielleicht“ weichen muss. Das Problem: Der für die Sanierung aufgestellte Zeitplan geht nicht auf, weil eine Genehmigung auf sich warten lässt. Ohne diese darf die Stadt die für die Arbeiten nötigen Ausschreibungen nicht veröffentlichen.

„Wir sind noch optimistisch“, sagt der FDP-Fraktionsvorsitzende Erich Bolinius auf Nachfrage. Doch er gibt zu bedenken, dass ein weiterer Verzug mit Blick auf steigende Rohstoff- und Baupreise das Projekt gefährden könnte. „Uns läuft so langsam die Zeit weg“, so das Ratsmitglied. „Die Kosten könnten explodieren.“ Außerdem sieht er die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. „Man nimmt uns ja gar nicht mehr ernst“, so Bolinius. Ähnlich sieht dies auch die SPD-Fraktionsvorsitzende Maria Winter. „Wie will man das den Bürgern erklären“, fragt sie. Angesichts der Verzögerung für das Bad sei sie „sehr enttäuscht.“

Antrag auf vorzeitigen Maßnahmenbeginn

Für die Erneuerung ist eine Gesamtsumme in Höhe von 3,3 Millionen Euro angesetzt, diese Summe ist vom Rat gedeckelt. Der Bund hatte Förderzusagen in Höhe von knapp 1,5 Millionen Euro gegeben. Den Rest muss die Stadt selbst aufbringen. Die noch fehlende Genehmigung des vom Bund beauftragten Projekträgers hängt wiederum von einer Prüfung des Niedersächsischen Landesamts für Bau- und Liegenschaften ab, die zurzeit noch andauert und damit deutlich mehr Zeit einnimmt als angenommen. „Das ist schon seit zwei Monaten im Verzug“, erklärt Kruithoff auf Nachfrage. Die Gründe dafür seien der Verwaltung nicht klar. Bisher unvorhersehbare Probleme, die etwa bei der Prüfung ans Licht gekommen sein könnten, stünden dem Projekt jedenfalls nicht im Weg, versichert der Oberbürgermeister.

Das habe die Verwaltung abgefragt. Um weitere Verzögerungen zu vermeiden, habe die Stadt vorsorglich schon Anfang August Anträge auf einen sogenannten vorzeitigen Maßnahmenbeginn gestellt. Wird dieser bewilligt, kann schon mit der Baumaßnahme begonnen werden, obwohl der Bescheid zur Förderung noch nicht vorliegt. Obwohl zugesagt, sei diese Genehmigung bisher nicht eingegangen. „Die Verwaltung hat stetig nachgehakt und schriftlich, sowie telefonisch erinnert“, heißt es in einer Pressemitteilung der Verwaltung. Den schwarzen Peter sehen die Fraktionen im Rat aus diesem Grund nicht bei der Stadt. „Wir suchen keinen Schuldigen“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerold Verlee auf Nachfrage. „Wir werden das Projekt weiter unterstützen, aber eine weitere Aufstockung der finanziellen Mittel wird es nicht geben“, machte er deutlich. „Das Ganze wird nicht einfach und wir hoffen schnell auf die nötigen Zusagen“, so Verlee. Die Grünen wollten das Thema auf Nachfrage nicht näher kommentieren. „Wir bedauern es sehr, dass es zu Verzögerungen kommt, haben aber nicht den Eindruck, dass die Stadt dafür verantwortlich ist“, so der Fraktionsvorsitzende Bernd Renken.

Oberbürgermeister hat einen Plan B

Den an die Stadt gerichteten Vorwurf, die Verzögerungen würden ein Abschied auf Raten für das Freibad bedeuten, lässt Tim Kruithoff nicht gelten. „Dieses Projekt ist mir ganz wichtig und ich werde es gegen alle Widerstände verteidigen.“ Für den Fall, dass es zu höheren Kosten kommt, hat der Oberbürgermeister bereits einen Plan B: Man könne eventuell bei der Sanierung zunächst auch auf Bereiche verzichten, die nicht unmittelbar für den Schwimmbetrieb nötig sind und so Geld einsparen. Kruithoff denkt dabei zum Beispiel an den Garderobenbereich, der auch später fertiggestellt werden könnte.

Als neuer möglicher Eröffnungstermin steht nun Mai 2023 im Raum. Für November ist ein weiteres Treffen mit dem Rat und den Vertretern des runden Tischs geplant. Pastor Wolfgang Ritter, der das Projekt in seinem Stadtteil auch als Mitglied des Runden Tischs verfolgt, glaubt fest an diesen Termin. Er sieht das Projekt weder gefährdet, noch kommt die Nachricht der Verzögerung überraschend für ihn. „Das war abzusehen und ich glaube nicht, dass sich die Verwaltung derart blamieren wird. Dafür steht zu viel Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.“

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