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Emder Wochenmarkt ist ein Corona-Gewinner

| | 06.10.2021 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Frans Posthumus ist zwei Mal pro Woche mit seinem Käsewagen auf dem Emder Wochenmarkt vertreten. Die Pandemie hat ihm neue Kunden beschert. Foto: Ortgies
Frans Posthumus ist zwei Mal pro Woche mit seinem Käsewagen auf dem Emder Wochenmarkt vertreten. Die Pandemie hat ihm neue Kunden beschert. Foto: Ortgies
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Die Pandemie hat einige Branchen beflügelt. Ein Beispiel ist der Emder Wochenmarkt. Doch Marktsprecher Hayo de Wall blickt auch mit Sorge in die Zukunft.

Emden - Der Emder Wochenmarkt ist ein Gewinner der Corona-Pandemie. Davon ist zumindest Frans Posthumus überzeugt. Der Käsehändler steht jeden Dienstag und Freitag auf dem Emder Wochenmarkt. Dieser sei vor allem zur Zeit des Lockdowns gut frequentiert gewesen. „Viele Menschen wollten gerne an der frischen Luft einkaufen“, erklärt Posthumus. Dies habe dafür gesorgt, dass auch neue Kundschaft den Wochenmarkt für sich entdeckt hätte, die bis heute den Ständen auf dem Marktplatz treu geblieben ist. „Wir sind total zufrieden“, sagt der gebürtige Niederländer. Vielfach sei der Wochenmarkt regelrecht ein Ausflugsziel für die Menschen gewesen. „Die Auswahl und die Bedienung sind hier natürlich auch etwas anders als im Geschäft“, nennt Posthumus weitere Gründe für die Beliebtheit des Marktes.

Was und warum

Darum geht es: Der Wochenmarkt ist gut besucht, aber Marktsprecher Hayo de Wall hat Sorge, dass bald weniger Stände auf dem Markt vertreten sein werden.

Vor allem interessant für: Besucher und Besucherinnen des Wochenmarkts und alle, die sich für die Entwicklung der Innenstadt interessieren

Deshalb berichten wir: Wochenmärkte gehören zu den Gewinnern der Corona-Pandemie. Wir hörten uns um und fragten nach der Stimmung und nach Ideen, wie sich der Wochenmarkt weiterentwickeln kann.

Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de

Diesen Eindruck hat auch Henriette Freerk, die seit vielen Jahren schon Obst und Gemüse in Bio-Qualität auf dem Emder Wochenmarkt verkauft. „Das war eine sehr starke Zeit für uns“, sagt die Händlerin aus Südarle. Zugutegekommen sei den Händlern auch, dass die Menschen sich im Lockdown wieder öfter selber an den Herd gestellt und dafür dann auch mehr eingekauft haben.

Neue Markthändler sollen angeworben werden

Marktsprecher Hayo de Wall kann dies bestätigen. Um den nötigen Abstand zu gewährleisten, sind die Marktstände weiter auseinandergestellt worden. „Das hat hervorragend geklappt“, so de Wall. Doch durch die Corona-Pandemie sei es nicht möglich gewesen, neue Bewerber auf den Platz zu lassen. Und diese seien dringend nötig. Mit Sorge blickt de Wall auf die Zukunft und denkt dabei an Marktstände, die bald aus Altersgründen nicht mehr auf dem Marktplatz in Emden vertreten sein werden.

Norbert Jetses und sein Fischstand werden nur noch bis Ende des Jahres auf dem Emder Wochenmarkt stehen. Der Händler setzt sich zur Ruhe. Foto: Ortgies
Norbert Jetses und sein Fischstand werden nur noch bis Ende des Jahres auf dem Emder Wochenmarkt stehen. Der Händler setzt sich zur Ruhe. Foto: Ortgies
Einer dieser Händler ist Norbert Jetses, der seit knapp neun Jahren mit seinem Fischwagen an allen drei Markttagen in der Innenstadt und auch ein Mal pro Woche in Borssum vertreten ist. Am 31. Dezember soll Schluss sein mit dem Verkauf von Fisch.

Hayo de Wall hat bei der Stadt bereits darum gebeten, neue Markthändler anzuwerben. Neu sind nach Auskunft der Stadt Emden bereits ein Händler, der Pilze im Sortiment hat, ein Süßwaren- sowie ein Gewürzstand. „Wir sind mit weiteren potentiellen Händlern laufend in konstruktiven Gesprächen, auch unter Einbindung der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings Emden“, berichtet Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage. Das Ausscheiden von Markthändlern aus Altersgründen sei eine Situation, die nicht nur in Emden zu beobachten sei. „Wir bleiben an der Vermarktung des Wochenmarktes dran und sind zuversichtlich, dass es weitere interessante Neuzugänge in naher Zukunft geben wird“, so Dinkela weiter. Ein Wochenmarkt lebe schließlich von der Vielfalt der angebotenen Waren. Aus diesem Grund sei die Stadt bestrebt, ein möglichst weit gefächertes Angebot bieten zu können. Das Akquirieren neuer Stände habe somit höchste Priorität.

Was vor allem auch fehle nach Meinung von Hayo de Wall sei ein Imbiss, der auch für eine längere Verweildauer auf dem Markt sorgt. „Man kann das zum Beispiel in Münster oder Oldenburg auf den Wochenmärkten gut beobachten, dass die Kunden alleine auch dies zum Anlass nehmen, um den Wochenmarkt anzusteuern“, so de Wall, der es aus diesem Grund sehr bedauert, derzeit keinen Verköstigungsstand auf dem Markt zu haben. Ein weiteres Problem: Einige Händler hätten auch Probleme, Personal zu finden. Lange und vor allem auch frühe Arbeitszeiten sowie die im Winter oft unangenehme Witterung schreckten viele ab.

Nicht nur das Angebot, sondern auch die Öffnungszeiten müssen schließlich so gestaltet sein, dass möglichst viele Besucher den Markt besuchen können. Aus diesem Grund stehe eine Verlängerung der Marktzeiten, insbesondere eine Verlängerung am Samstag, immer wieder mal zur Diskussion, so Dinkela. Konkretes dazu gebe es bislang jedoch nicht.

Gute Stimmung beim nachhaltigen Marktbummel

Einen Trend zur Beliebtheit von Märkten mit frischen Produkten kann auch Anna Gerritzen bestätigen. Die Koordinatorin für Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung an der Hochschule Emden freute sich über viele Besucher bei der ersten Auflage des Feierabendmarkts nach dem langen Lockdown. Dabei zeigten sich die Organisatoren fast schon ein wenig überrascht. Trotz nicht allzu guten Wetters seien viele Besucher gekommen, die nicht nur nachhaltige Produkte einkauften, sondern sich an den Ständen auf dem Emder Campus auch darüber informieren wollten. Viele Anbieter aus der Region waren gekommen, um ihre Produkte in Bio-Qualität oder aus fairem Handel anzubieten. An den Ständen auf dem Mensavorplatz reichte das Angebot von veganen Fischspezialitäten bis hin zu Käse und Gemüse. Es gab aber auch Süßes wie Honig, Bonbons und Eis sowie Streetfood und Backwaren.

Der Feierabendmarkt auf dem Emder Campus war gut besucht. Wenn es klappt, soll er wieder regelmäßig stattfinden. Foto: Hochschule
Der Feierabendmarkt auf dem Emder Campus war gut besucht. Wenn es klappt, soll er wieder regelmäßig stattfinden. Foto: Hochschule

Um dem Wochenmarkt in der Innenstadt keine Konkurrenz zu bieten, aber auch um vor allem Menschen einen Besuch zu ermöglichen, die vormittags arbeiten müssen, öffnet der Markt traditionell von 16 bis 19 Uhr. 2017 startete das Angebot, das mit Ausnahme zur Zeit des Lockdowns, jeweils im Herbst, Winter und Frühjahr stattfindet. Ob es in diesem Jahr noch eine Weihnachts-Ausgabe des Markts gibt, lässt Anna Gerritzen angesichts der Pandemie noch offen. Sollte es möglich sein, möchte sie den Markt aber gerne wieder regelmäßig öffnen.

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