Fischerei
Fischern gehen vorwiegend kleine Krabben ins Netz
Wer frische Krabben kaufen will, musste in den vergangenen Wochen oft lange suchen. Krabbenfleisch gab es zwar zu kaufen, ungeschälter Granat war dagegen Mangelware. Wir fragten nach, woran das liegt.
Ostfriesland - Ein Fischerfrühstück mit frischem Granat gehört zu einem Urlaub in Ostfriesland einfach dazu. Auch für viele Einheimische ist so ein Krabbenbrötchen ein kulinarischer Leckerbissen. Wer in den vergangenen Wochen Krabben zum Selberpulen kaufen wollte, wurde aber nicht so leicht fündig. „Wir hatten mehrere Wochen keine im Angebot“, erzählt Stefan Burlager, seit 2018 Eigentümer vom Fischhaus Ditzum, „die Krabben waren zu klein, um sie ungeschält im Geschäft vermarkten zu können.“
Was und warum
Darum geht es: In den Monaten September bis Oktober ist normalerweise Hochsaison für Krabbenfischer. Bislang fielen die Fänge aber vielerorts mau aus.
Vor allem interessant für: Ostfriesen und Urlauber, die gerne Krabbenbrötchen oder Fischerfrühstück essen und Krabben gerne selbst pulen.
Deshalb berichten wir: Ausgerechnet im Fischerdorf Ditzum gab es in letzter Zeit nur selten frische ungepulte Krabben zu kaufen. Wir wollten wissen, woran das liegt. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Die kleinen Krabben seien zum maschinellen Pulen nach Holland oder nach Marokko gebracht worden, wo sie von Hand gepult werden. Anschließend kommt das Krabbenfleisch wieder zurück nach Ostfriesland. Das geringe Angebot an großen Krabben schlägt sich in hohen Preisen nieder. „Die Schmerzgrenze ist normalerweise bei einem Kilopreis von zehn Euro erreicht“, sagt Klaas Bruhns. Der Ditzumer geht mit dem Krabbenkutter „Amisia“ auf Fangfahrt und hatte schon selbst einen Verkaufsstand im Ditzumer Hafen. „Als Händler will man ja schließlich auch an den Krabben verdienen.“ Bei einem Kilopreis von 20 Euro würden nach seiner Erfahrung aber höchstens Kleinmengen über den Verkaufstresen gehen. Wenn sie den Fischern 50 Kilogramm abnehmen und fürchten müssten, 20 Kilogramm nicht loszuwerden, würden die Wiederverkäufer lieber die Finger davon lassen.
„Bei Krabben weiß man nie so genau, woran das liegt“
Viele Fischer gehen inzwischen auf Nummer sicher und vermarkten ihre Fänge ausschließlich an die niederländischen Großhändler. So wie Heinz Steffens aus Neuharlingersiel, der mit seinem Krabbenkutter „Möwe“ auf Fangfahrt geht. „Wenn wir gerade in den Hafen gekommen sind und jemand ein Kilo Krabben haben will, verkauf ich ihm das. Ansonsten geht alles nach Holland.“ Auch Steffens hat festgestellt, dass die Fangmenge und die Größe der Krabben nicht stimmt. „Dabei sind September bis Dezember eigentlich die wichtigsten Fangmonate.“ Warum die Krabben so klein sind, darüber könne man nur spekulieren. „Bei Krabben weiß man nie so genau, woran das liegt.“
Nach Einschätzung von Klaas Bruns aus Ditzum ist das Wetter ein Grund für das Phänomen. „In guten Sommern wachsen die jungen Krabben schneller“, sagt er, „manchmal legen sie sogar zwei Eier.“ Bei dem vergleichsweise kühlen Sommerwetter seien die Bedingungen schlechter gewesen. Entsprechend klein seien viele Krabben jetzt. „Die ganz kleinen rutschen sowieso durch die Netze und die anderen, die noch nicht die richtige Größe haben, werdem vor dem Kochen in der Sortiertrommel aussortiert und gehen wie der Beifang über Bord“, erklärt der Fischer. Diese Methode sorge dafür, dass die Krabbenfischer auch in Zukunft etwas fangen.
In Ditzum legen die Krabbenfischer laut Bruns eine Winterpause ein. „Meistens im Januar und Februar“, erzählt er. Die Niederländer fischen nach seinen Worten das ganze Jahr über durch und auch einige seiner Kollegen an der deutschen Küste seien dazu übergegangen. „Wenn man einen neuen Kutter oder teure Reparaturen hatte, muss man nach einer schlechten Saison sehen, dass man die Verluste wettmachen kann und sehen, dass man im Winter noch was reinbekommt.“