Handel

Rückgabe von Elektroschrott wird ab 2022 erleichtert

| | 28.10.2021 19:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Künstler Alex Wreckage (l) und Joe Rush hatten zum G7-Gipfel in Cornwall im Juni für das Kunstwerk „Mount Trashmore“ metergroße Ebenbilder der G7-Gipfelteilnehmer aus Gerätemüll geschaffen. Damit wollten die Künstler auf die Gefahr durch Elektromüll aufmerksam machen. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa
Die Künstler Alex Wreckage (l) und Joe Rush hatten zum G7-Gipfel in Cornwall im Juni für das Kunstwerk „Mount Trashmore“ metergroße Ebenbilder der G7-Gipfelteilnehmer aus Gerätemüll geschaffen. Damit wollten die Künstler auf die Gefahr durch Elektromüll aufmerksam machen. Foto: Ben Birchall/PA Wire/dpa
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In ausgedienten Elektrogeräten stecken viele brauchbare Stoffe. Um diese zu nutzen, soll der Handel den Elektroschrott einsammeln und sachgerecht entsorgen. Sogar einige Kleidungsstücke gehören dazu.

Ostfriesland - Früher hielt gefühlt alles ewig: Man benutzte jahrzehntelang dasselbe Telefon, der Kühlschrank hatte schon Opa gehört und die Stehleuchte war bereits ein gesuchtes Vintageteil, funktionierte aber tadellos. Der Drucker heute dagegen, drei Jahre alt, hat schon den Geist aufgegeben, am Mobiltelefon ist der Screen gesplittert und die Kaffeemaschine ist unmodern. Damit all dieser Elektroschrott wenigstens ausgeschlachtet und Wertstoffe wiederverwendet werden können, gilt in Deutschland seit 2016 ein Rückgaberecht im Handel. Dieses soll ab kommendem Jahr erweitert werden.

Was und warum

Darum geht es: Seit 2016 können alte oder defekte Elektrogeräte im Handel kostenlos abgegeben werden. Ab dem nächsten Jahr gibt es dazu Ergänzungen.

Vor allem interessant für: Leute, die Elektroschrott zu Hause liegen haben und nicht wissen, wohin damit.

Deshalb berichten wir: Leider landen sogar Kühlschränke und anderer Müll immer wieder in der offenen Landschaft. Dabei können nicht mehr benötigte Elektrogeräte problemlos entsorgt werden.

Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de

Bisher galt, dass Geschäfte, die Elektrogeräte verkaufen, diese ab einer Ladengröße von 400 Quadratmetern kostenlos zurücknehmen müssen. Bei Großgeräten wie Kühlschränken oder Waschmaschinen gilt: Beim Neukauf wird das Altgerät zurückgenommen, bei Kleingeräten (die längste Seite des Artikels ist kleiner als 50 Zentimeter) muss das Geschäft es jederzeit zurücknehmen. Das gilt bei Kleingeräten unabhängig von einem Neukauf oder wo das Gerät erworben wurde. Im Onlinehandel gilt die 400-Quadratmeter-Grenze ebenfalls, aber bezogen auf die Lagerfläche, und laut Umweltbundesamt bleibt es dem Händler überlassen, ob man das Gerät kostenfrei zurückschicken darf, oder ob es eine andere Rückgabemöglichkeit gibt.

Quote in Deutschland zu niedrig

Doch so richtig funktioniert hat die Rückgabe laut Umweltbundesamt bisher nicht. EU-weit wird eine Rückgabequote von 65 Prozent des gemittelten Gesamtgewichts der in den drei Vorjahren in Verkehr gebrachten Elektro- und Elektronikgeräte angestrebt. Laut Umweltbundesamt wurden 2019 insgesamt 947.067 Tonnen Elektroschrott gesammelt, doch das waren lediglich 43,3 Prozent der verkauften Menge von 2.590.244 Tonnen. Zwar werde Jahr für Jahr mehr Elektroschrott eingesammelt, doch bei steigendem Absatz bleibe die Sammelquote konstant.

Viele Wertstoffe aus Elektrogeräten können wiederverwertet werden. Die Voraussetzung ist jedoch eine ordentliche Entsorgung. Über die kommunalen Wertstoffhöfe und Sammelstellen oder den Handel wird das weitgehend gewährleistet. Foto: Christian Charisius/dpa
Viele Wertstoffe aus Elektrogeräten können wiederverwertet werden. Die Voraussetzung ist jedoch eine ordentliche Entsorgung. Über die kommunalen Wertstoffhöfe und Sammelstellen oder den Handel wird das weitgehend gewährleistet. Foto: Christian Charisius/dpa

Um die Rückgabemöglichkeiten zu verbessern und die Quote zu erhöhen, gilt ab dem nächsten Jahr eine neue Regelung. So müssen laut Umweltbundesamt beispielsweise ab 1. Juli 2022 auch Lebensmittelhändler, also Supermärkte und Discounter, mit einer Verkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmetern Altgeräte kostenfrei zurücknehmen, wenn sie mehrmals im Jahr oder dauerhaft Neugeräte anbieten. Der Elektrogerätehandel muss ab nächstem Jahr außerdem stärker über Rücknahmepflichten und Rückgabemöglichkeiten informieren. Auch sollen alle Sammel- und Rücknahmestellen einheitlich gekennzeichnet werden.

Zu viel landet im Hausmüll

Wenn nur 43,3 Prozent der Altgeräte eingesammelt werden, wo bleibt der Rest? Während manches defekte oder alte Gerät einfach auf dem Dachboden oder in Schubladen liegt, würden in Deutschland noch zu viele Altgeräte verbotenerweise im Hausmüll entsorgt, so das Umweltbundesamt, oder gelangten möglicherweise auf andere falsche Entsorgungspfade. Es gibt daher den Rat, Elektroschrott nicht an gewerbliche Sammler zu geben, die über Hauswurfsendungen werben. Diese seien häufig nicht zur Elektroaltgerätesammlung und -entsorgung berechtigt. Mit der Rückgabe über den Handel sei man auf der sicheren Seite. In Ostfriesland landen vor allem große Geräte noch oft im Sperrmüll, statt im Handel zurückgegeben zu werden. Die Stadt Emden hat zwar keine Mengenangaben, wie viele Kleingeräte im Hausmüll landen. Doch die Menge in den dafür aufgestellten Containern sei in den vergangenen Jahr kontinuierlich gewachsen. Die Sammelbehälter stehen laut Pressesprecherin Theda Eilers an verschiedenen Stellen, „um den Bürger*innen eine weitere Möglichkeit zur unkomplizierten Abgabe zu geben“.

Im Landkreis Leer können Altgeräte kostenlos bei den Wertstoffhöfen abgegeben werden. Auch bei der Sperrmüllabfuhr würden die Geräte weiterhin mitgenommen, sagte Pressesprecherin Franziska Bothe auf Anfrage. Dabei seien im Jahr 2020 rund 500 Tonnen über die Wertstoffhöfe sowie 890 Tonnen beim Sperrmüll zusammengekommen. Obwohl seit 2016 die Rückgabemöglichkeit im Handel gegeben ist, hat sich laut Bothe die Gesamtmenge von rund 1.490 Tonnen auf rund 1.551 Tonnen pro Jahr erhöht.

Was genau ist Elektroschrott?

Was genau zählt eigentlich zum Elektroschrott? Das sind bei Weitem nicht nur Fernseher, Computer, Waschmaschinen oder Lichterketten. „Elektrogeräte sind laut Gesetz prinzipiell alle Geräte, die Strom benötigen. Ob der Strom aus der Steck­dose kommt oder sich aus einer Batterie speist, spielt dabei keine Rolle“, schreibt die Stiftung Öko-Test auf ihrer Homepage. Dort gibt es weitere Tipps zur Entsorgung von Elektroschrott (http://go.zgo.de/hvki2). Erkennbar seien die Geräte über die durchgestrichene Mülltonne, die auf dem Gerät aufgedruckt ist – leider fehle diese manchmal, so Öko-Test.

Ein Kleingerät darf nicht größer als 50 Zentimeter sein. Dazu gehören zum Beispiel unter anderem Steckerleisten oder Kaffeemaschinen. Foto: pixabay.com
Ein Kleingerät darf nicht größer als 50 Zentimeter sein. Dazu gehören zum Beispiel unter anderem Steckerleisten oder Kaffeemaschinen. Foto: pixabay.com

Nicht immer haben Elektrogeräte eine Schnur mit Stecker. Es zählen auch batteriebetriebenes Spielzeug dazu, ebenso blinkende Schuhe und Kleidung mit LED. Adapterstecker, LCD-Fotorahmen, Antennen, elektrische Messer oder Kopfhörer – alles Elektroschrott. Nicht jedoch die Akkus, mit denen manches davon betrieben wird. Diese müssen vor der Entsorgung herausgenommen und separat über die im Handel aufgestellten Boxen beseitigt werden.

Öko-Test erinnert außerdem daran, dass sich viele Geräte reparieren lassen. Dabei sind inzwischen sogenannte Repair-Cafés behilflich. Ehrenamtliche setzen Schraubendreher und Lötkolben ein, um defekte Staubsauger, Haartrockner und andere Apparate zu neuem Leben zu erwecken. Solche Repair-Cafés gibt es zum Beispiel in Westoverledingen (Kontakt unter Tel. 04961 /6672730 oder Telefon 04955 / 987675), in Aurich (Tel. 04941 / 6976860) oder in Emden (www.repaircafe-emden.de).

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