Fußball
So läuft es für acht Ostfriesen in der Regionalliga
Wie machen sich die ostfriesischen Fußballer in der Regionalliga? Zwei dürfen mit Oldenburg vom Aufstieg in die Dritte Liga träumen, auch für die „Jeddeloh-Ostfriesen“ sieht es besser aus.
Oldenburg - Acht ostfriesische Fußballer mit ganz unterschiedlichen Werdegängen haben ihr sportliches Zuhause in dieser Saison in der Fußball-Regionalliga Nord – so viele wie schon viele Jahre nicht mehr. Dabei sind die jeweiligen Mannschaften in der Südstaffel erfolgreich unterwegs. Ein Duo darf mit dem VfB Oldenburg ebenso vom Drittliga-Aufstieg träumen wie ein U20-Nationalspieler von der U23 von Werder Bremen. Ein Trio steht mit Atlas Delmenhorst überraschend auf Platz drei. Und die beiden „Jeddeloh-Ostfriesen“ haben mit ihrem SSV nun auch in die Punkte-Spur gefunden. Unsere Zeitung gibt einen Überblick, wie es für die Ostfriesen momentan in der 4. Liga läuft.
VfB Oldenburg
Neun Siege und zwei Remis: Die Zwischenbilanz des Tabellenführers sieben Spiele vor Ende des ersten Saisonteiles der zweigeteilten Liga ist herausragend. Die Qualifikation für die Aufstiegsrunde ist im Grunde sicher. „Jetzt geht es darum, in den direkten Duellen weiter viel zu punkten und so viele Zähler mitzunehmen“, sagt Marten Schmidt. Der 25-jährige Ostfriese ist Leistungsträger im Team, hat als Mittelfeldmann schon vier Treffer erzielt. „Bei uns herrscht natürlich eine super Stimmung, das ist ja klar.“ Je mehr Zähler gesammelt werden, desto größer die Chance, dass der VfB in der Aufstiegsrunde lange vom großen Coup träumen dürfte.
Bereits in der vergangenen abgebrochenen Saison spielte der VfB eine gute Rolle. Die Entwicklungskurve des Teams von Erfolgstrainer Dario Fossi, der Schmidt im Sommer 2020 mit vom Oberligisten VfL zum VfB genommen hatte, geht steil nach oben. „Ich wusste, dass wir eine gute Mannschaft haben. Aber mit so einem Start konnte niemand rechnen.“
Wegen Corona öfter beim Training
Schmidt stammt aus dem Wittmunder Ortsteil Asel, wechselte schon in der Jugend zum VfL Oldenburg. Die Corona-Pandemie hilft ihm persönlich nun, dass er mit dem VfB auf Wolke sieben schweben kann. Sein Studienort ist eigentlich Kiel. „Doch weil nun fast alle Kurse online sind, kann ich weiter in Oldenburg leben und auch alle Trainingseinheiten mitmachen.“
Eine andere Team-Rolle nimmt Tade Niehues ein – die des „Lehrlings“. Der Sohn vom ehemaligen Kickers- und Aurich-Trainer Wolfgang Niehues rückte im Sommer nach zwei „Corona“-Jahren bei den A-Junioren des JFV Nordwest mit wenigen Spielen und viel Pause ins Männer-Team des VfB Oldenburg. Über gute Trainingsleistungen hatte sich der 18-Jährige für einen Zwei-Jahres-Vertrag empfohlen.
Der Stürmer stand bisher immer im Kader und kam zu fünf Kurzeinsätzen in der Schlussphase. Von seinem Wohnort Riepe pendelt der Abiturient fast täglich nach Oldenburg (Spiel plus fünf- bis sechsmal Training). Die 80-Kilometer-Strecke kennt er seit drei Jahren, nachdem er im zweiten B-Jugend-Jahr von der JSG Großefehn den Sprung in die Jugend-Regionalliga zum JFV gewagt hatte.
Werder Bremen U23
Im Sommer verließ der aus Willmsfeld (Landkreis Wittmund) stammende Lasse Rosenboom altersbedingt die Werder-Jugend und das Internatszimmer in der Ostkurve des Weserstadions und rückte ins U23-Team der Bremer. Ausgestattet mit einem Erwachsenen-Vertrag und der Perspektive, sich dort für höhere Aufgaben zu empfehlen, startete der Außenverteidiger in die Saison.
Dort ist der Ostfriese, der zum erweiterten Kader der U20-Nationalmannschaft gehört, weitestgehend Stammkraft. Die junge Mannschaft um den langjährigen Bundesligaspieler Philipp Bargfrede als Routinier ist ärgster Verfolger von Süd-Staffel-Spitzenreiter VfB Oldenburg und einer der Kandidaten für den Drittliga-Aufstieg.
Atlas Delmenhorst
Magere zwei Punkte aus sieben Spielen lautete die magere Bilanz des SV Atlas, als die Spielzeit 2020/2021 abgebrochen wurde. Nun sind es 16 aus elf Partien und Platz drei. „Wir haben diese Saison eine stärkere Mannschaft als zu Beginn der letzten“, gibt Marek Janssen einen Erklärungsansatz. Der Jemgumer und frühere Germania-Leer-Spieler war im Sommer 2019 aus Papenburg nach Delmenhorst gewechselt und schlug auch direkt ein. Zuletzt setzte ihn ein Muskelfaserriss außer Gefecht. Nach zwei Joker-Einsätzen sollen es bald wieder mehr Minuten werden. Wie zum Saisonstart, als die Stammkraft auch zwei Tore schoss.
Zuschauermagnet Atlas (Schnitt von 1260 Fans) liebäugelt mit dem Erreichen der Aufstiegsrunde. „Allerdings müssen wir dazu jede Woche alles abrufen. Die Liga ist sehr, sehr eng“, sagt Janssen. Der Lehramtsstudent hat im Sommer „Ostfriesen-Verstärkung“ erhalten. Vom VfB kam Offensivspieler Tobias Steffen hinzu. Der 29-jährige Offensivspieler ist eine Bereicherung. Der Rhauderfehner hatte seine Heimat als B-Jugendlicher Richtung Bayer Leverkusen verlassen und ist im Herrenfußball viel in der 3. und 4. Liga herumgekommen.
Einen ähnlichen Werdegang hat auch Julian Stöhr. Der Emder spielte in der Jugend viele Jahre bei Werder Bremen. Der SV Atlas ist nun die fünfte Station in der Regionalliga Nord, bei der er direkt zum absoluten Stammspieler wurde. Der 23-jährige Außenverteidiger stand von den elf Partien zehnmal in der Startelf.
SSV Jeddeloh
Mit dem Norder Julian Bennert und dem Emder Marcel Bergmann spielen zwei Ostfriesen für den SSV, der den Klassenerhalt als großes Ziel hat. Seit dem Wochenende besteht auch wieder die Chance, den sehr früh zu erreichen. Durch den 3:1-Sieg gegen Hildesheim liegen die Ammerländer nur noch zwei Punkte hinter Platz fünf (Hildesheim), der noch zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde berechtigt – und somit gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt wäre.
Offensivspieler Bennert (früher Kickers Emden) gehört zu den dienstältesten SSV-Spielern. Der 30-jährige Offensivspieler kam 2014 ins Ammerland und diese Saison auch wieder auf zehn Einsätze: fünf von Beginn an, fünf als Joker. Dabei hat er einen Treffer erzielt. Fürs Toreverhindern ist Marcel Bergmann zuständig, der eine beachtliche Entwicklung genommen hat. Aus der Landesliga wechselte er im Sommer 2020 von Germania Leer in die 4. Liga, startete dort als Nummer drei. Inzwischen liefert er sich einen offenen Kampf um die Nummer eins mit Felix Bohe. „Oft erfahren wir auch erst am Spieltag, wer im Kasten steht“, sagt der 23-Jährige, der nach Oldenburg gezogen ist.
Jeder Keeper kam bisher fünfmal zum Einsatz. Die letzten drei Partien musste Bergmann zuschauen. „Ich muss mich weiter über das Training empfehlen und hoffe bald auf die nächste Chance.“