Demographie
Wo wohnt sie eigentlich, die Jugend?
Vor allem in der Krummhörn, aber auch in der Nachbargemeinde Hinte, wird viel über Angebote für Jugendliche diskutiert. Aber wo wohnt diese Gruppe eigentlich und wie viele Jugendliche gibt es?
Krummhörn/Hinte - Im Bürgermeisterwahlkampf in der Krummhörn waren sie immer mal wieder Thema und auch in der Nachbargemeinde Hinte will man sich um sie kümmern: Kinder und Jugendliche. In der Krummhörn gibt es sogar einen Jugendpfleger, nach den Herbstferien soll auch das Jugendhaus in Pewsum wieder öffnen. Für „Schlagzeilen“ sorgen die Jugendlichen in der Krummhörn meist nur, wenn Einzelne über die Stränge schlagen und irgendwo randalieren oder Müll hinterlassen. Mehr Angebote auch außerhalb der Schulzeit fordert deswegen unter anderem der TuS Pewsum, vor allem die Schwimmsparte, daher schon länger. .
Was und warum
Darum geht es: Im Wahlkampf wurden Angebote für Kinder- und Jugendliche immer wieder als Thema genannt. Doch wie viele junge Menschen gibt es eigentlich in den Gemeinden Hinte und Krummhörn?
Vor allem interessant für: Diejenigen, die sich für Jugendarbeit, Demographie und ähnliche Themen interessieren.
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wo genau in den beiden Gemeinden wie viele Kinder und Jugendliche wohnen. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Das Problem, das wird immer wieder deutlich, ist auch eines der Örtlichkeiten. Soll es Angebote für Kinder und Jugendliche nur in Pewsum geben? Oder würden sich auch andere Dörfer anbieten? Auch in der Nachbargemeinde Hinte, wo man einen Platz schaffen möchte, an denen sich Jugendliche treffen können, ist die Frage des Standorts eine wichtige – und noch ungeklärte. Unsere Zeitung hat deswegen beide Gemeinden um die entsprechenden Zahlen gebeten. Die Frage: In welchen Orten wohnen wie viele Kinder und Jugendliche? Zunächst ein Blick auf die 19 Dörfer der Krummhörn.
Die Jugend in der Krummhörn
Geht es nach dem prozentualen Anteil an der gesamten Dorfbevölkerung, dann ist Woltzeten der „Jungbrunnen“ der Krummhörn. 22,36 Prozent der 161 Einwohner sind bis zu 18 Jahre alt. 36 Dorfbewohner sind das in ganzen Zahlen, 13 davon sind bis zu fünf Jahre alt, zwölf sind Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren.
Insgesamt bilden bei den 1910 Kindern und Jugendlichen diejenigen in der Altersgruppe sechs bis 13 Jahren den größten Anteil in der Gemeinde. 785 Krummhörnerinnen und Krummhörner fallen in diese Kategorie. 579 fallen in die Kategorie zwischen 14 und 18 Jahre.
In Pewsum, wo sowohl die Außenstelle des Familienzentrums des Landkreises Aurich als auch das Jugendhaus und die IGS als weiterführende Schule untergebracht sind, wohnen 153 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren – 4,76 Prozent der Gesamtbevölkerung des Verwaltungssitzes. Betrachtet man die Altersgruppe 0 bis 18 Jahre zusammen, dann zeigt sich: Die meisten Dörfer sind hier relativ gleich auf. Der prozentuale Anteil an der jeweiligen Dorfbevölkerung liegt meist um die 15 Prozent. Einen deutlichen Ausreißer macht Greetsiel – hier sind es nur 8,58 Prozent.
Bedarf gibt es überall
Aber auch, wenn man sich nur die Gruppe der 14- bis 18-Jährigen ansieht, wird deutlich: Bedarf an Angeboten gibt es theoretisch in nahezu jedem Dorf. Der Anteil dieser Altersgruppe an der Bevölkerung des jeweiligen Dorfes liegt meist zwischen 4 und 6 Prozent, Ausreißer nach oben: Upleward (7,49 Prozent) und Woltzeten (7,45 Prozent). Für ein zentrales Angebot, das betonte auch der Krummhörner Jugendpfleger Christian Behringer in verschiedenen Gesprächen, spreche natürlich die IGS. Am Standort in Pewsum werden laut Landkreis Aurich, der Träger der Schule ist, die Jahrgänge 5 bis 8 beschult – also Kinder ungefähr im Alter von 11 bis 14 Jahren. Auch die Busverbindungen in die umliegenden Dörfer laufen über Pewsum, so dass eine gewisse Erreichbarkeit des Ortes gegeben ist. Außerdem wohnen 539 Kinder und Jugendliche hier.
Allerdings ist die Mobilität gerade bei Kindern und Jugendlichen ein Thema, welches gerade in weitläufigen Gemeinden wie der Krummhörn immer wieder ein Problem ist. Nicht alle Strecken sind gut mit dem Fahrrad zu bewältigen und wenn kein Bus fährt und das Alter für einen eigenen Führerschein noch nicht erreicht ist, sind die Jugendlichen auf Erwachsene angewiesen. Auch deswegen sprach sich die neue Bürgermeisterin der Krummhörn, Hilke Looden, schon im Wahlkampf für die Schaffung eines Bürgerbusses aus, dessen Fahrplan aber auch an die Bedürfnisse von Jugendlichen angepasst werden solle.
Die Jugend in Hinte
Das Problem der Weitläufigkeit ist in Hinte nicht so drängend, wie in der Krummhörn. Letztere hat 159,2 Quadratkilometer, Hinte kommt auf 48,06 Quadratkilometer. In Hinte gibt es keine Jugendpflege, wie Bürgermeister Uwe Redenius (parteilos) jüngst auf Nachfrage bestätigte. Angebote gezielt für Kinder und Jugendliche gebe es vor allem von den Vereinen und durch Organisationen wie die Feuerwehr. Dafür gibt es, anders als in der Krummhörn, aber ein Kinder- und Jugendparlament. Aus dessen Reihen wurde jüngst ein Antrag an die Politik formuliert, dass ein Platz geschaffen werden sollte, wenn möglich überdacht, an dem sich Jugendliche treffen können.
Geht man nach den Zahlen, dann wäre Hinte der perfekte Ort für einen solchen Treffpunkt. 599 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 18 Jahren wohnen hier – etwas mehr als 21 Prozent der Einwohner von Hinte-Ort. Denkbar ungeeignet wären hingegen Canhusen und Cirkwehrum. Wie realistisch so ein Treffpunkt ist, wird die nun angestoßene Debatte zeigen. Blickt man in die Nachbargemeinde, die Krummhörn, scheint ein solcher Treffpunkt schwierig zu sein.
Denn auch in der Krummhörn werde vereinzelt, so Gemeindesprecher Fritz Harders im September gegenüber unserer Zeitung, der Vorschlag an die Gemeinde herangetragen, dass man den Jugendlichen doch einfach irgendwo eine Fläche zur Verfügung stellen könnte, wo sie sich treffen können. „Das können wir als Gemeinde aus Haftungsgründen nicht. Das kann auch kein Verein einfach so“, sagte Harders damals. In der Stadt Norden wurde während des Bürgermeisterwahlkampfes vorgeschlagen, dass man die Spielplätze der Stadt Jugendlichen unter bestimmten Bedingungen als Treffpunkte zur Verfügung stellen könnte.