Brauchtum

Einzelne Emder Händler nehmen Abstand vom Martini-Singen

| | 09.11.2021 09:47 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Am Sonntag zogen bereits hunderte Kinder durch die Emder Innenstadt. Am Mittwoch werden erfahrungsgemäß auch wieder Jungen und Mädchen mit der Laterne unterwegs sein. Traditionell ziehen sie an diesem Tag von Haustür zu Haustür, um Süßigkeiten zu sammeln. Foto: J. Doden
Am Sonntag zogen bereits hunderte Kinder durch die Emder Innenstadt. Am Mittwoch werden erfahrungsgemäß auch wieder Jungen und Mädchen mit der Laterne unterwegs sein. Traditionell ziehen sie an diesem Tag von Haustür zu Haustür, um Süßigkeiten zu sammeln. Foto: J. Doden
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So wie es zu Martini in den Wohngebieten Tradition ist, ziehen auch in der Emder Innenstadt wieder Kinder von Geschäft zu Geschäft. Einige Händler sind angesichts der Corona-Lage besorgt.

Emden - Mit der Laterne in der Hand von Geschäft zu Geschäft ziehen, singen und Süßigkeiten sammeln: Das hat seit vielen Jahren in der Emder Innenstadt eine große Tradition. In diesem Jahr werden die Martinisänger und -sängerinnen allerdings von einigen Geschäftsleuten nicht empfangen. Mindestens zwei Geschäftsleute möchten angesichts der steigenden Corona-Inzidenzwerte auf die liebgewordene Tradition verzichten. „Ich kann das bei einer Inzidenz von über 80 einfach nicht verantworten“, sagte am Montag Geschäftsmann Heiko Bockstiegel vom gleichnamigen Schuhfachgeschäft an der Neutorstraße. „So leid es mir auch tut.“ Ganz sicher gehe es nicht darum, den Kindern keine Schokolade geben zu wollen. „Ich habe einfach Angst, dass wir uns anstecken und dann das Geschäft schließen müssen“, so Bockstiegel weiter.

Ähnlich sieht es auch Heidi Wahren, Geschäftsführerin von Georg Fokuhl Augenoptik und Akustik, nur wenige Meter weiter an der Neutorstraße. Die Augenoptikmeisterin und Hörgeräteakustikerin möchte am Nachmittag des 10. Novembers ein Schild in die Tür hängen mit dem Hinweis, dass es in ihrem Jahr kein Martini-Singen bei ihr geben werde. Anders als beim Martini-Laufen in den Wohngebieten von Haus zu Haus würden die Kinder in der Innenstadt nicht an der Tür, sondern direkt im Geschäft singen. Auch Heidi Wahren hat aus diesem Grund Sorge, dass sie sich selbst oder aber ihre Mitarbeiter anstecken könnten. „Die Kinder können besser in den Privathaushalten singen“, so Wahren. Dort könne an der Haustür besser der Abstand eingehalten werden.

Jeder Händler kann selbst entscheiden

Wilhelm Eilers als Vorsitzender der Werbegemeinschaft Schaufenster Emden überlässt es den Händlern selbst, ob sie singende Kinder empfangen möchten oder nicht. „Das muss jeder selbst entscheiden“, so Eilers. Seiner Meinung nach wäre es schön, wenn man die Tradition aufrecht erhalten könnte. „Das stärkt ja auch die Kundenbindung.“ Er selbst habe keine große Sorge, sich anzustecken. Viele Kinder, die mit der Laterne von Geschäft zu Geschäft ziehen, würden für die Schule und den Kindergarten regelmäßig getestet. Wer dennoch Sorge habe, könne auch vor dem Geschäft etwas für die Kinder anbieten, schlägt Eilers vor. Dazu rät auch das Stadtmarketing Emden, das wie schon im vergangenen Jahr Plakate mit Tipps und Verhaltensregeln an die Händler verteilt hat. Demnach sollen die Kinder in diesem Jahr vor und nicht in den Geschäften singen. Es sollten maximal zwei Haushalte zusammen ein Geschäft aufsuchen. Auch auf die Abstandsregel weist das Stadtmarketing noch einmal hin.

Die meisten Händler würden sich dieser Empfehlung anschließen, wie Wilhelm Eilers sagt. Lediglich ein Geschäftsmann hatte sich an ihn gewandt, der sich unsicher war, ob das Martini-Laufen angesichts der steigenden Corona-Zahlen überhaupt erlaubt ist. Diese Frage hatte unsere Redaktion bereits vor einigen Tagen an das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gerichtet. Die Antwort: Derzeit gebe es keine Regeln, die das Martinilaufen verhindern könnten. „Für die Teilnahme gelten mangels spezieller Vorschriften die allgemeinen Regeln für Zusammenkünfte und Veranstaltungen“, schreibt Kerstin Wolff von der Pressestelle des Ministeriums. Und weil es sich erfahrungsgemäß um Kleingruppen mit weniger als 25 gleichzeitig anwesenden Teilnehmern handele, gelte selbst bei der Corona-Warnstufe 2 oder 3 keine Einschränkung.

Prüfen, ob Umzüge noch verantwortbar sind

Auch eine Maske müsse nicht getragen werden, erklärt die Ministeriumssprecherin. Zu beachten sei aber der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen der Gruppe und anderen Personen. Ungeachtet der rechtlichen Vorgaben empfiehlt das Ministerium allerdings, insbesondere in größeren Gruppen einen Mund-Nasen-Schutz möglichst durchgehend zu tragen. „Dies gilt auch für die Menschen an der Haustür“, so Kerstin Wolff. Außerdem sollten die allgemein bekannten Hygieneregeln beachtet werden. „Vor allem in Orten mit einem erhöhten Infektionsgeschehen sollten Eltern zudem sorgfältig prüfen, ob derartige Umzüge noch verantwortbar sind, auch wenn sie derzeit erlaubt sind.“

Die Stadt Emden empfiehlt darüber hinaus, dass Kinder, die in der Kita oder in der Schule in einer Kohorte sind, auch beim privaten Martini-Laufen gemeinsam unterwegs sind. Ebenfalls sei es ratsam, die Gruppe der Kinder sowie der begleitenden Personen so klein wie möglich zu halten, empfahl Dennis Igelmann von der Stadt auf Nachfrage in diesem Zusammenhang vor einigen Tagen. An der Haustür könnten die Menschen für Abstand sorgen, indem sie beispielsweise Süßigkeiten nicht direkt in die Hand geben, sondern Schokolade, Bonbons und andere Leckereien beispielsweise in einem Korb bereit stellen, aus dem sich die Kinder bedienen können.

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