Kriminalität

Bei Vorkasse im Internet besser „Finger weg“

| | 10.11.2021 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wenn im Internet um Vorkasse gebeten wird oder mit Kreditkarte bezahlt werden soll, ist Vorsicht geboten. Foto: dpa
Wenn im Internet um Vorkasse gebeten wird oder mit Kreditkarte bezahlt werden soll, ist Vorsicht geboten. Foto: dpa
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Lieferengpässe und das nahende Weihnachtsfest machen es Betrügern im Internet leicht. Was ist zu tun, wenn bestellte und auch schon bezahlte Ware aus dem Internet nicht kommt? Experten geben Tipps.

Ostfriesland - Das Geld ist schon überwiesen, aber die im Internet bestellte Ware kommt einfach nicht: Bundesweit warnt die Polizei derzeit wieder vor sogenannten „Fake-Shops“. Auch Svenia Temmen von der Polizeiinspektion Leer/Emden hat täglich mit solchen Fällen zu tun.

Was und warum

Darum geht es: Die Polizei berichtet von vielen Fake-Shops im Internet. Die Beamten der Polizeiinspektion Leer/Emden haben täglich damit zu tun.

Vor allem interessant für: Menschen, die gerne im Internet einkaufen

Deshalb berichten wir: Lieferengpässe und das bevorstehende Weihnachtsfest machen es Betrügern im Internet derzeit leicht. Wir fragten nach, was zu tun ist, wenn bestellte und auch schon bezahlte Ware im Internet nicht kommt?

Die Autorin erreichen Sie unter: s.tome@zgo.de

„Die Dunkelziffer ist vermutlich noch viel höher“, sagt die Beamtin. Denn nicht alle Opfer melden sich bei der Polizei – entweder aus Scham oder auch, weil sie sich keine Chancen ausmalen, ihr Geld jemals wiederzusehen. Dennoch sei es ratsam, sich bei der Polizei zu melden. Jeder angezeigte Fall würde den Ermittlern helfen, gegen die Täter vorzugehen.

Was sind Fake-Shops eigentlich genau?

Damit sind gefälschte Internet-Shops gemeint, die Ware anbieten, die es es gar nicht gibt. Ziel ist es, den Besuchern der Seiten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das Problem sei nicht neu, sondern schon seit Jahren ein Thema, sagt Svenia Temmen. Dennoch sei es gerade aktueller denn je: Vor dem Hintergrund des Lockdowns und dem damit verbundenen Boom des Online-Shoppings sowie der jetzt wieder bevorstehenden konsumstarken Vorweihnachtszeit haben es Betrüger im Internet wieder leicht, Opfer zu finden.

Ein klassischer Fake-Shop-Fall: „Vor allem Unterhaltungselektronik wird auf den Seiten angeboten, oft ist es zurzeit die neue Playstation, die dann auf Seiten von Fake-Shops zu einem unschlagbar guten Preis angeboten wird“, erklärt Svenia Temmen. Ist ein Produkt bei gängigen Verkaufsstellen gerade stark nachgefragt oder vielleicht schon gar nicht mehr lieferbar und findet es sich dann auch noch zu einem guten Preis im Internet, sei Vorsicht geboten, so die Beamtin weiter. Dennoch gilt: „Je besser das Angebot, desto blinder der Mensch: Das können wir leider immer wieder beobachten.“

Was sollten Verbraucher beim Einkauf im Internet beachten?

„Hat ein Online-Shop ein ungewöhnlich kombiniertes Sortiment, sollte man schon vorsichtig sein“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Oft bieten Fake-Shops alles an – von Fahrrädern bis hin zu Waschmaschinen und Kaffeevollautomaten – und das alles deutlich günstiger als bei der Konkurrenz. Wer mit dem Gedanken spielt, etwas zu bestellen, sollte vorher prüfen, ob ein Impressum auf der Internetseite zu finden ist. Falls es eins gibt, sei trotzdem Skepsis geboten, denn manchmal sei der Eintrag auch falsch. „Deshalb sollte man prüfen, ob die Firma im Handelsregister eingetragen ist“, so Julia Rehberg.

Ein weiteres Kennzeichen: „Bei Fake-Shops wird meistens um Vorkasse gebeten oder die Kunden sollen mit Kreditkarte zahlen. In solchen Fällen besser: Finger weg“, sagt Svenia Temmen. Seriöse Anbieter würden immer auch weitere Möglichkeiten der Bezahlung anbieten. Weitere Indizien für Fake-Shop-Seiten seien auffällig viele Rechtschreibfehler oder auch eine merkwürdige Adresse im Browser. Wer sich nicht sicher ist, kann den Namen der Internetseite auch googlen. „Meistens finden sich Bewertungen über den Online-Händler schon im Internet“, so Svenia Temmen.

Was tun, wenn das Geld schon weg ist?

Wenn das Geld schon weg ist, sei es ratsam, schnellstmöglich Kontakt zur eigenen Bank aufzunehmen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich die Hausbanken sehr dafür einsetzen, das Geld ihrer Kunden zurückzuziehen“, so Svenia Temmen.

Manchmal hätten die Opfer Glück und können zumindest auf einen Teil der Summe hoffen. Wichtig sei es jedoch auch, den Fall der Polizei zu melden. „Einigen Menschen ist das peinlich“, weiß Svenia Temmen. „Doch das ist gar nicht nötig.“ Es reiche beispielsweise auch, die Anzeige online bei der Polizei aufzugeben.

Wie sieht es bei Verkäufen auf E-Bay-Kleinanzeigen aus?

Die Plattform E-Bay-Kleinanzeigen funktioniert anders als ein typischer Online-Handel. Dort bieten Menschen anderen Menschen Dinge privat an. Man einigt sich auf einen Preis und holt die Ware in der Regel gegen Bezahlung selbst ab. Um Distanzen zu überwinden, werden Artikel inzwischen aber auch gerne verschickt.

Meist verständigen sich beide Parteien auf Vorkasse, in vielen Fällen klappt das auch. Manchmal aber auch nicht. Auch Svenia Temmen kennt die Problematik und rät dazu, den von E-Bay neu eingerichteten Käuferschutz zu nutzen. „Das kostet im Zweifel ein paar Euro, aber das ist es wert.“

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