Corona in Ostfriesland
Ostfriesische Apotheken können genug Booster-Impfstoff liefern
Laut dem Chef des Landesapothekerverbands gibt es in Ostfriesland genug Impfstoff – theoretisch. Trotzdem kann es sein, dass das Vakzin bei den Ärzten fehlt.
Ostfriesland - Behrend Groeneveld ist Vorstandsvorsitzender des Landesapothekerverbands Niedersachsen und betreibt die Rats-Apotheke in Norden. Er sagt: „Wir können alle Ärzte mit ausreichend Corona-Impfstoff beliefern“ – sei es nun für Erst-, Zweit- oder Booster-Impfungen. Die Knappheit habe man hinter sich gelassen: „Es gibt keine Mengenbeschränkungen.“
Wie kommt es dann, dass sich bei der Redaktion trotzdem Menschen melden, die keinen Booster-Termin bekommen? „Das Problem könnte die Zwei-Wochen-Frist sein“, sagt Groeneveld. Impfstoffe werden nicht innerhalb von ein paar Tagen geliefert – sie müssen mit Abstand vorbestellt werden. Und in der Tat: „Nicht jede Praxis hat ausreichend gut vorgeplant – möglicherweise auch, weil wir erst kürzlich die Ferien hatten“, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).
Impfaktion mit 1000 Dosen
Dieses Problem werde sich aber innerhalb der nächsten Woche erledigen, sagt Haffke – einerseits, weil die Praxen jetzt viel Impfstoff orderten, andererseits, weil die Frist verkürzt werde. Laut Deutschem Apothekerverband haben die Ärzte an diesem Dienstag zum letzten mal mit der alten Frist bestellt. Ab dem 16. November muss jeweils nur noch eine Woche gewartet werden.
„Das Problem ist überhaupt nicht der Impfstoff, sondern die Zeit“, sagt Sandro Cotterli, der gemeinsam mit seiner Frau eine Hausarztpraxis in Detern betreibt. In einer normalen Woche schaffe er 30 Impfungen – „da kommen wir mit dem Boostern überhaupt nicht hinterher“, sagt der Mediziner. Deshalb werde seine Praxis am Sonnabend, 11. Dezember, ab 11 Uhr eine offene Impfaktion mit 1000 mRNA-Dosen durchführen. „Bestellt und zugesagt ist der Impfstoff bereits“, sagt Cotterli.
Abstände müssen eingehalten werden
Eine Anmeldung sei nicht nötig, sagt er. Geimpft werde jeder, der möchte – unabhängig von der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), die derzeit unter anderem Menschen mit Immunschwäche, Menschen ab 70 Jahren, Bewohnern von Pflegeeinrichtungen sowie Personal in medizinischen Einrichtungen und Pflegepersonal umfasst.
Wichtig seien allerdings die Impfabstände: Wer bislang ausschließlich mRNA-Impfstoffe (Moderna oder Biontech) oder eine Kreuz-Impfung (Astrazeneca oder Johnson & Johnson plus mRNA-Impfstoff) bekomme habe, könne die Auffrischung sechs Monate nach der Zweitimpfung erhalten. Wer bislang ausschließlich mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson geimpft worden ist, müsse nur vier Wochen warten, so Cotterli.
6234 Booster durch Ärzte
Grundsätzlich sind für alle Bürger ihre Hausärzte die richtigen Ansprechpartner für die Auffrischungsimpfung, die laut Impfverordnung übrigens jedem zusteht – unabhängig von der Stiko-Empfehlung. Ob sich die Ärzte an diese halten, steht ihnen wiederum frei. Es hilft also ein klärender Anruf während der Sprechzeiten oder ein Blick auf die Webseite der jeweiligen Praxis.
Bis zum vergangenen Freitag wurden laut KVN-Sprecher Haffke von niedergelassenen Ärzten in Ostfriesland bereits 6234 Auffrischungsimpfungen durchgeführt. „Das ist in Anbetracht dessen, dass wegen der zeitlichen Mindestabstände erst einmal die Menschen dran sind, die sich während der Impfstoff-Knappheit haben impfen lassen, schon eine gute Quote“, sagt er. Dazu kommen die Booster-Impfungen der mobilen Impfteams der Behörden. „Zuerst einmal muss man festhalten, dass bereits im Monat September durch das Impfzentrum und von dort eingesetzten Teams einige Pflegeheime mit Drittimpfungen versorgt worden sind“, schreibt Ralf Klöker vom Kreis Wittmund. Darüber hinaus hätten die mobilen Teams seit letzter Woche 117 Booster-Impfungen durchgeführt.
Annika Smit vom Kreis Leer meldet 1458 Auffrischungen durch mobile Impfteams, Eduard Dinkela von der Stadt Emden 924 und Rainer Müller-Gummels vom Kreis Aurich 1668. Sie alle berichten, dass es keine Probleme mit der Impfstoffbeschaffung gebe. Einzig die Bestellfrist wird erwähnt: „Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass man uns anfangs gesagt hätte, dass es bei der erstmaligen Bestellung zwei Wochen dauert“, schreibt etwa Klöker.