Corona in Ostfriesland

Emder Amtsarzt: 2G-Regel erhöht Übertragungswahrscheinlichkeit

| | 12.11.2021 15:59 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Niedersachsen soll die 2G-Regel ausgeweitet werden. Foto: Pixabay
In Niedersachsen soll die 2G-Regel ausgeweitet werden. Foto: Pixabay
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Wo in Niedersachsen 2G gilt, muss keine Maske getragen werden. Der Emder Amtsarzt Dr. Dirk J. Obes ist von der Regel deshalb nicht überzeugt. Das Land will sie jetzt ausweiten.

Ostfriesland - Der Emder Amtsarzt Dr. Dirk J. Obes ist von einer 2G-Regelung – also einem Zugang für nicht getestete Genesene und Geimpfte – nicht überzeugt. Das teilt er auf Nachfrage der Redaktion mit. Grundsätzlich könne er einen „gravierenden epidemiologischen Vorteil“ gegenüber einer 3G-Regelung, bei der auch getestete Ungeimpfte zugelassen sind, nicht erkennen, so der Mediziner – insbesondere im Hinblick auf die Vermeidung von Superspreading-Events.

Bei einer 2G-Regelung entfielen, so Obes, in der Regel die Masken- und Abstandspflicht sowie Auslastungsbeschränkungen. Das erhöhe die Kontaktintensität und damit auch die Übertragungswahrscheinlichkeit. „Entscheidend bei der Umsetzung der 3G-Regel ist die ausreichende Qualität der durchgeführten Tests“, so Obes.

„Man kann es so nicht weiterlaufen lassen“

Das erhöhte Infektions- und Erkrankungsrisiko trägen bei einer 3G-Veranstaltung eigenverantwortlich die „nur Getesteten“, sagt der Amtsarzt – und: „Der beabsichtigte Effekt der Steigerung der Impfquote durch indirekte Erhöhung des Drucks durch 2G ist nach meiner Einschätzung eher gering.“

Ralf Klöker, Pressesprecher des Landkreises Wittmund, schreibt: „Wäre die Impfquote in der Bevölkerung höher, dann würde man aus unserer Sicht automatisch irgendwann zu 2G kommen.“ Da dies „aber leider nicht der Fall“ sei, weil sich die Impfquote seit Wochen nicht signifikant erhöhe, sei der neuerliche Schritt der Landesregierung für die Behörden durchaus nachvollziehbar. Klöker: „Man kann es so angesichts des Infektionsgeschehens ja nicht weiterlaufen lassen.“

Land arbeitet an neuer Verordnung

Das Land arbeitet mit Hochdruck an einer neuen Corona-Verordnung. Sie sieht vor, dass die 2G-Regel bereits deutlich früher in Kraft tritt als in den bisherigen Warnstufen vorgesehen. Das hat Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Freitag erklärt. Demnach könnte sie etwa beim Zutritt zu Restaurants und Kneipen, zu Sportveranstaltungen sowie zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen schon ab der ersten Corona-Warnstufe gelten.

„Ungeimpfte werden stark an das erinnert werden, was wir aus dem vergangenen Winter kennen. Sie werden nicht mehr viele Möglichkeiten haben, am öffentlichen Leben teilzunehmen“, machte Weil deutlich. Es solle aber weiterhin bei den Ausnahmen für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren bleiben, weil diese regelmäßig in der Schule getestet würden.

Weihnachtsmärkte – noch – nicht auf der Kippe

Das nun von Weil angekündigte 2G-Regelwerk soll nach seinen Worten bereits Anfang kommender Woche vorgestellt werden und dann Ende der Woche oder spätestens zu Beginn der darauffolgenden Woche in Kraft treten. Größere Veranstaltungen ab 1000 Personen sollen künftig sogar schon unabhängig von Warnstufen unter die 2G-Regel fallen. Das gilt zunächst allerdings nur für Zusammentreffen in Innenräumen, aber nicht für Veranstaltungen unter freiem Himmel wie Fußballspiele in Stadien und Weihnachtsmärkte.

Grundsätzlich stehen die Weihnachtsmärkte in Niedersachsen laut Weil nicht auf der Kippe – noch nicht. „Grundsätzlich sehen wir angesichts der im bundesweiten Vergleich noch moderaten Infektionslage in Niedersachsen weiter die Möglichkeit, Weihnachtsmärkte stattfinden zu lassen“, so der Ministerpräsident. Für den Fall einer Eskalation stellte Weil ein 2G-plus-Modell in Aussicht. Geimpfte und Genesene müssten dann zusätzlich ein negatives Testergebnis vorlegen.

Spahn bringt 2G-plus-Modell ins Spiel

Dieses Konzept hatte auch der noch amtierende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der Bundespressekonferenz ins Spiel gebracht – und zwar flächendeckend für öffentliche Veranstaltungen. Die 3G-Regel sei viel zu wenig kontrolliert worden, sodass vielerorts im Grunde nur 0G gegolten habe, so Spahn.

Anders als die Stadt Emden und der Landkreis Wittmund positionieren sich die Kreise Aurich und Leer bezüglich der 2G-Regelung nicht. Rainer Müller-Gummels vom Landkreis Aurich schreibt, das sei eine politische Diskussion, „hierzu würden wir uns als Kreisverwaltung nicht äußern“. Die Pressestelle des Landkreises Leer ging auf unsere Frage gar nicht ein.

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