Ministerbesuch

Grundschule Jennelt: Alte Probleme, neue Aussagen

| | 17.11.2021 17:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Kultusminister Grant Hendrik Tonne (rechts) besuchte die Grundschule in Jennelt und sprach mit Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn (von links) sowie Bürgermeisterin Hilke Looden und Landrat Olaf Meinen. Foto: Wagenaar.
Kultusminister Grant Hendrik Tonne (rechts) besuchte die Grundschule in Jennelt und sprach mit Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn (von links) sowie Bürgermeisterin Hilke Looden und Landrat Olaf Meinen. Foto: Wagenaar.
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Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne besuchte am Mittwoch auch die Grundschule Jennelt. Einer Antwort auf die Frage Kernsanierung oder Neubau ist man dadurch kaum näher gekommen.

Jennelt - Wie geht es weiter mit der Grundschule Jennelt? Diese Frage stand auch beim Besuch von Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Mittwoch eigentlich vor allen anderen. Wirklich helfen kann der Landesminister da nicht, denn verantwortlich ist der Schulträger. Ein paar Hoffnungsschimmer konnte Tonne dann aber doch aufzeigen – dafür wurden andere Pläne schon wieder über den Haufen geworfen.

Was und warum

Darum geht es: Die angekündigte Klausurtagung zum Thema Grundschule Jennelt wird es nicht geben.

Vor allem interessant für: diejenigen, die die Diskussion um Zustand und Zukunft der Grundschule Jennelt verfolgen und diejenigen, deren Kinder direkt betroffen sind

Deshalb berichten wir: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne besuchte am Mittwoch die Schule.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Die gute Nachricht zuerst: Laut Tonne gibt es zwar keine Fördertöpfe, die rein für bauliche Maßnahmen oder gar Neubauten von Schulen infrage kommen. Es gebe aber mindestens drei Fördertöpfe, über die zumindest bestimmte Maßnahmen im schulischen Bereich über das Land mitfinanziert werden können. Dafür müsse aber bekannt sein, was genau geplant ist.

Keine Klausurtagung

Und hier liegt in Bezug auf die Grundschule Jennelt der Hase weiterhin im Pfeffer. Wie Krummhörns Bürgermeisterin Hilke Looden (parteilos) während des Ministerbesuchs mitteilte, wurde die noch unter ihrem Vorgänger Frank Bauman geplante Klausurtagung abgesagt. Dies sei im Einvernehmen mit der Schule geschehen. „Wir müssen erst eine Bedarfsplanung machen“, so Looden. Dies solle unter Einbeziehung aller Beteiligten passieren. „Dann werden wir der Politik einen Vorschlag machen“, sagte die Bürgermeisterin.

Klar sei schon jetzt, dass man „einen riesigen Schritt“ machen müsse – und dass man auch bei den Ratsmitgliedern Verständnis für die Bedürfnisse einer modernen Schule wecken müsse. Denn die Schulzeit der Entscheidungsträger sei, das fiel beim Vor-Ort-Termin häufiger, in der Regel schon länger her. „Schule war damals anders“, betonte Jennelts Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn.

„Das Schulkonzept ist dem Schulgebäude entwachsen“

Wie sehr die langwierige Diskussion um die Zukunft der Schule – im Gespräch sind vor allem eine umfangreiche Kernsanierung oder ein Neubau – auch an den Nerven zehrt, war vor allem Nebensätzen zu vernehmen. Nachdem der ebenfalls anwesende Auricher Landrat Olaf Meinen vom „schönsten Landkreis Niedersachsens“ und Looden von der „schönsten Gemeinde im Landkreis“ gesprochen hatten, rutschte Lerche-Schaudinn ein „...mit der marodensten Schule des Landkreises“ heraus.

Wer was wann aus welchen Gründen versäumt hat, ist in Bezug auf den Zustand der Grundschule mittlerweile nur noch schwer nachvollziehbar. Laut Lerche-Schaudinn waren eigentlich schon alle Gruppen und Fraktionen aus der Krummhörner Politik zu Gast und haben sich erklären lassen, wie wenig räumliche Ausstattung und pädagogischer Anspruch mittlerweile noch zusammenpassen.

Das Schulgebäude, welches laut Schulleiterin „vor allem aus Fluren besteht“, ist fast 60 Jahre alt – und sei eben so gebaut worden, wie man damals Schulen gebaut hat. „Das ist heute aber nicht mehr angebracht.“ Man brauche viel mehr Flexibilität und ganz andere Raumkonzepte. „Das Schulkonzept ist dem Schulgebäude entwachsen“, stellte Looden während des Termins fest.

Weit entfernt vom Mindestbedarf

Hinzu komme, dass die Schule einen stark ausgeprägten Förderbereich habe. Von den 115 Kindern hätten 15 einen Förderbedarf. „Wir haben hier die ganze Bandbreite“, sagte Lerche-Schaudinn. Der Raummangel sei akut, 24 Räume würden fehlen. Das habe eine Beratung mit dem zuständigen regionalen Landesamt ergeben. „Aber jede Klasse hat einen eigenen Raum“, betonte Looden. „Das stimmt nicht“, konterte Lerche-Schaudinn. Eine Klasse, die eigentlich hätte geteilt werden müssen, konnte aufgrund des Raummangels nicht geteilt werden. Beim Thema Schimmelbefall rutschte Landrat Meinen ein „Das geht gar nicht“ heraus.

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Der Raummangel rührt, das wurde von der Schule schon mehrfach bemängelt, nicht nur von der Bauweise der Schule her. Auch Sperrungen wegen Schimmelbefalls oder aufgrund neuer Brandschutzbestimmungen würden ihren Teil dazu beitragen. „Die 24 Räume fehlen am Mindestbedarf“, betonte die Schulleiterin. Es handele sich also nicht um irgendwelche Sonderwünsche. Wobei man sagen muss: Die 24 Räume sind aufgrund des in den vergangenen Jahren gewachsenen Konzeptes zu sehen, haben also nicht nur mit der Zahl der Schülerinnen und Schüler zu tun. So fehlt es unter anderem an mindestens zwei Klassenräumen, einem Besprechungsraum, einem Computerraum, einem Förderraum, einem Betreuungsraum und einem Bewegungs- und Therapieraum.

„Wir brauchen eine neue Schule“

Die Meinungen darüber, inwieweit die Gemeinde ihren Aufgaben bei der Instandhaltung ordentlich nachgeht, gingen auch auf dem Termin auseinander. Das geht schon länger so: Die Schule wünscht sich mehr, die Gemeinde sagt, sie tue etwas. Wo sich allerdings bald etwas ändern soll, ist beim Thema Brandschutz. Im September wurde bekannt, dass die Schule Räume im Obergeschoss nutzte, die eigentlich aufgrund eines fehlenden zweiten Fluchtwegs vom Landkreis gesperrt wurden. Nur der Schule wurde dies fast zwei Jahre lang nicht mitgeteilt.

Hier könnte nun eine Brandschutztür Abhilfe schaffen. „Wir prüfen das gerade“, so Hilke Looden. Konkret geht es laut Lerche-Schaudinn um drei zusammenhängende Räume im Obergeschoss. „In diesen Räumlichkeiten hat dreimal in der Woche die Leseförderung der Leseinsel stattgefunden und der Förderunterricht unser inklusiv beschulten Schüler*innen. Zudem hat in der Zeit des Wechselunterrichts auch täglich die Notfallbetreuung stattgefunden für die Schüler*innen, die nicht am Präsenzunterricht teilgenommen haben“, so Lerche-Schaudinn im September. Am Mittwoch brachte die Schulleiterin die ganze Sache aus ihrer Sicht erneut auf den Punkt: „Wir wünschen uns keine neue Schule, wir brauchen eine neue Schule.“