Freizeit
So wollen Sicherheitsdienste vor K.-o.-Tropfen schützen
Ostfriesinnen erstatteten Anzeige, weil ihnen K.-o.-Tropfen injiziert worden sein sollen. Wir wollten wissen, wie Sicherheitsdienste und Diskotheken ihre Gäste davor schützen wollen.
Leer - Ein schöner Abend beim Feiern kann schnell ein schlimmes Ende nehmen. Immer wieder gibt es Fälle, in denen Opfern sogenannte K.-o.-Tropfen verabreicht werden, „Ziel der Täter ist es, ihre Opfer zu vergewaltigen oder zu berauben“, teilt das Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) mit. Vor Kurzem zeigten mehrere Ostfriesinnen solche Fälle bei der Polizei an. Die neue Dimension: Die Opfer müssen annehmen, dass ihnen die Tropfen injiziert worden sind. „Oft handelt es sich um GHB (Gammahydroxybutyrat), auch bekannt als Liquid Ecstasy. Andere farb- und geruchlose Medikamente und Beruhigungsmittel werden ebenfalls verwendet“, so das LKA. Wie sollen Gäste vor Übergriffen mit K.-o.-Tropfen geschützt werden – gerade jetzt, da es die neue perfide Verabreichungsform gibt?
Was und warum
Darum geht es: Leider gibt es immer wieder Fälle, in denen Menschen K.-o.-Tropfen verabreicht werden. Wir wollten wissen, was Sicherheitsdienste tun, um die Gäste zu schützen.
Vor allem interessant für: Diejenigen, die sich Sorgen um das Thema machen.
Deshalb berichten wir: Wir bleiben an dem Thema dran. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Ingo Stoffregen ist Sicherheitsfachwirt und Geschäftsleitung von ZH-Security mit Sitz in Leer. Der Betrieb betreut keine Diskotheken, aber der Schutz vor K.-o.-Tropfen sei „natürlich für unsere Veranstaltungen, die wir betreuen, ebenfalls ein Thema“. Es komme immer wieder vor, dass K.-o.-Tropfen verabreicht würden, mit Bestimmtheit lasse es sich aber schlecht nachweisen, denn „der Nachweis von K.-o.-Mitteln ist schwierig“, so Stoffregen. Noch schwieriger sei es, zu erkennen, wer so etwas plane: „Leider kann man diese Situationen als Sicherheitsmitarbeiter meistens nicht vorher erkennen. Man kann lediglich bei Zutrittskontrollen darauf achten, ob irgendwelche auffälligen Flüssigkeiten mitgeführt werden oder Ähnliches“, so Stoffregen. Wer Spritzen oder Tropfen in der Tasche habe, könne eine Kontrolle verweigern, aber „sollte ein Gast diese Kontrolle nicht wollen, kann diesem der Zutritt verweigert werden. Man muss allerdings dazu sagen, dass diese kleinen benötigten Mengen sehr schwer zu finden sind, da sie zum Teil in andere Behältnisse gefüllt werden – Nasenspray oder Ähnliches“.
Zwei Situationen der Entdeckung
Es gebe zwei Situationen, in denen auch die Gäste reagieren könnten: „Sofern man eine Person dabei beobachtet, die einer anderen Person eine Flüssigkeit oder etwas anderes in ein Glas oder in eine Flasche füllt, sollte man zum einen die Person warnen, deren Glas etwas enthält, und zusätzlich sollte man sich die Person merken, die das verursacht hat“, rät er. Das gleiche gilt für andere Auffälligkeiten. Dann solle man den örtlichen Sicherheitsdienst darüber informieren, damit die Person möglichst schnell für die Übergabe an die Polizei festgehalten werden kann. Außerdem solle man selbst als meldende Person vor Ort bleiben. „Man ist dann als Zeuge für den Vorfall sehr wichtig wie auch die noch nicht geschädigte Person.“
Die schlechtere Situation sei, dass es mehrere Personen gibt, die scheinbar schon unter dem Einfluss von K.-o.-Tropfen stehen. „Dann ist es letztendlich wichtig, den Sicherheitsdienst zu informieren und den Rettungsdienst sowie die Polizei hinzuzuziehen.“ Letztlich sei der Sicherheitsdienst aber fast immer der erste Ansprechpartner, da dieser vor Ort sei und sofort reagieren könne.
Aufeinander Acht geben
Wir haben auch bei mehreren Diskotheken in der Region angefragt, wie sie mit der Thematik der K.-o.-Tropfen umgehen. Reagiert hat nur die Fetenscheune in Leer in Person von Betreiber Jerome Plaisir und technischem Betriebsleiter Benjamin Jelten. „In jedem Raum gibt es Ansprechpartner vom Sicherheitsdienst, die an ihren Shirts zu erkennen sind“, sagt Plaisir. Außerdem sei es möglich, die Thekenkräfte oder DJs niederschwellig anzusprechen. „Sie sind durchgehend alle per Funk miteinander in Kontakt“, erklärt er. Jeder, der etwas bemerke, könne sich an sie wenden. „Wir führen regelmäßig Schulungen durch. Nicht nur zu diesem Thema. Jede Thekenkraft weiß auch, was zum Beispiel in einem Brandfall zu tun wäre. Viele haben eine Ersthelfer-Ausbildung“, sagt er. Man sei regelmäßig auch mit der Polizei im Austausch, um das Konzept abzusprechen.
Außerdem sei das Areal draußen mit Sicherheitsschleuse zur Kontrolle des 2G-Nachweises und der Innenbereich zusätzlich videoüberwacht. Wenn es zu Vorfällen komme, könne das Videomaterial der Polizei zur Verfügung gestellt werden. „Zusätzlich werden Taschen und Rücksäcke kontrolliert und Gäste auch stichprobenartig abgetastet“, so Jelten.
Das Wichtigste sei aber immer, aufmerksam zu bleiben, so betont Sicherheitsfachwirt Stoffregen: „Umso eher etwas auffällt desto schneller kann reagiert werden. Jeder Besucher sollte auch bei anderen Mitmenschen die Augen offen halten, so kann Menschen, die mit solchen Mitteln böse Absichten haben, am besten das Handwerk gelegt werden.“